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03.03.2016

16:47 Uhr

RWE in der Krise

Der Aufstand der Kommunen

VonFranz Hubik, Jürgen Flauger

Der RWE-Aufsichtsrat besiegelt die Nulldividende. Städte wie Dortmund und Essen müssen auf Millionen verzichten. Jetzt sinnen die kommunalen Aktionäre des Energieriesen auf Revanche: RWE-Chef Terium droht ein Denkzettel.

Vertrauen verspielt: RWE-Chef Terium hat die Aktionäre an Rhein und Ruhr mehrfach brüskiert. dpa

RWE-Chef Peter Terium

Vertrauen verspielt: RWE-Chef Terium hat die Aktionäre an Rhein und Ruhr mehrfach brüskiert.

DüsseldorfEs ist ein Tabubruch. Zum ersten Mal seit mindestens 57 Jahren streicht RWE seinen Aktionären fast vollständig die Dividende. Der Aufsichtsrat von Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger nickte die Pläne von RWE-Boss Peter Terium am Donnerstag ab. Damit erhalten nur die Vorzugsaktionäre des Essener Konzerns eine Mini-Ausschüttung von 13 Cent pro Anteilsschein. Stammaktionäre wie die finanziell ohnehin klammen Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die knapp ein Viertel der RWE-Papiere halten, gehen dagegen völlig leer aus.

RWE-Chef Terium warb um Verständnis für den radikalen Schritt. Und der Niederländer hat schlagkräftige Argumente auf seiner Seite. Schließlich zerbröselt der Börsenwert von RWE immer weiter. Lag der Aktienkurs des Essener Stromkonzerns 2008 noch bei knapp 100 Euro, notiert das Papier heute nicht einmal mehr bei zwölf Euro. Wegen dem rasanten Verfall der Großhandelspreise für Strom lassen sich die großen Atom- und Kohlekraftwerke von RWE kaum noch profitabel betreiben.

RWE musste deswegen rund 2,1 Milliarden Euro abschreiben. Der Essener Konzern ist schwer angeschlagen. Unter dem Strich steht für 2015 ein Nettoverlust von 200 Millionen Euro. Zudem drücken Schulden in der Höhe von 25 Milliarden Euro. Und auch die Aussichten sind trist. Doch just in dieser existenziellen Krise von RWE proben Vertreter des wichtigsten Aktionärs des Energiekonzerns den Aufstand: die Kommunen an Rhein und Ruhr.

„Das Vertrauen in Peter Terium ist schwer angeschlagen“, sagte Wolfgang Schäfer dem Handelsblatt. Der Geschäftsführer des Verbands der kommunalen RWE-Aktionäre (VkA) in Westfalen beschreibt die Stimmung unter den etwa 130 Städten und Landkreisen, die aus historischen Gründen an RWE beteiligt sind, als „ziemlich aufgeheizt“. Es gebe zwar noch keine endgültigen Beschlüsse, so Schäfer, „aber die Tendenz geht klar in Richtung Nicht-Entlastung des Vorstands.“

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Städte, Landkreise, aber auch Stadtwerke und Sparkassen halten RWE-Aktien. Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbands der kommunalen RWE-Aktionäre, erklärt, warum sich die Mitglieder vom RWE-Vorstand gegängelt fühlen.

Die Regional-Vertreter streben demnach an, RWE-Chef Peter Terium auf der Hauptversammlung am 20. April einen Denkzettel zu verpassen. Ein Misstrauensvotum hätte zwar  keine unmittelbaren rechtlichen Folgen, da der Aufsichtsrat über die Besetzung des Vorstands entscheidet, aber es wäre eine symbolische Ohrfeige.

Die Kommunen werfen Terium vor, „kein überzeugendes Geschäftsmodell“ parat zu haben und die Probleme des Konzerns in Großbritannien, wo RWE wegen technischer Probleme Tausende Kunden verliert, nicht in den Griff zu bekommen.

Kommentare (12)

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Herr Bernhard Ramseyer

03.03.2016, 17:10 Uhr

- Das Vertrauen in Peter Terium ist schwer angeschlagen“, sagte Wolfgang Schäfer Geschäftsführer des Verbands der kommunalen RWE-Aktionäre (VkA) dem Handelsblatt. -

Angeschlagen ist mein Vertrauen in die Politik und speziell in die Vertreter der Kanaldeckelpolitik schon lange. Jetzt erbringen diese Vertreter sogar den Beweis, dass sie nicht zu den Hellsten gehören.

Womit sollen die Dividenden denn bezahlt werden? Diese Schlaumeier waren doch vor wenigen Jahren begeistert, dass die Atomkraft über Nacht verschwindet und Vermögen vernichtet wird.

Solche Personen sollten aus ihren Ämtern entfernt werden und ein Bußgeld wegen Einfältigkeit im Amt zahlen müssen.

Herr Michael Lichtner

03.03.2016, 17:13 Uhr

Man kann sich über die Kommunen nur wundern.

Sitzen gemütlich in ihren Sesseln und sind ernsthaft der Meinung, dass die Energiewende und die Milliarden von Abschreibungen keine Auswirkungen auf die Ertragskraft der Energie-Unternehmen haben.

Man kann sich sich über die Politik nur noch wundern.
Drangsalieren die Wirtschaft wo sie nur können und vergessen dabei ganz wer die Steuern aufbringt.
Die nächste Verwunderung wird kommen, wenn die Sparkassen den Gürtel enger schnallen müssen. Aber auch dann werden sich die Kommunen entrüstet zu Wort melden.

Herr Riesener Jr.

03.03.2016, 17:25 Uhr

Richtig Herr Ramseyer!

Wer E wie Energiewende sagt, muss auch G wie Geld weg sagen. Was hätte denn RWE machen sollen? Natürlich in Erneuerbare investieren!? Erneuerbare sind (vielleicht noch) nicht konkurrenzfähig, und damit bedeutet die Investition in Erneuerbare Subventionen kassieren - von uns Endverbrauchern.

Wer jetzt immer noch gegen RWE und Co wettert, sollte mal auf die Strompreise schauen. Ein Haushalt bezahl knapp 30ct pro kWh. RWEs Kraftwerke bekommen aber den Großhandelspreis, das sind 20-25 EUR/MWh = 2.0 -2.5 ct/kWh. Wie soll denn RWE damit Geld verdienen um Dividenden auszuschütten?? Die gigantische Differenz von 2.5 auf 30 Cents sind vorwiegend Steuern und Subventionen für erneuerbare Energien.

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