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17.09.2015

17:25 Uhr

RWE ohne Retter

Hoffnungen auf Geldspritze aus Arabien begraben

Der zweitgrößte deutsche Stromversorger hat schwer zu kämpfen. Die Aussicht auf einen Retter aus Arabien hatte an der Börse schon Euphorie ausgelöst. Doch es wurde wohl zu viel erwartet.

Eine Direktbeteiligung über eine Kapitalerhöhung wurde von den kommunalen Anteilseignern abgelehnt – damit haben sich die Hoffnungen über eine Finanzspritze aus Arabien aufgelöst. dpa

Kommunen dagegen

Eine Direktbeteiligung über eine Kapitalerhöhung wurde von den kommunalen Anteilseignern abgelehnt – damit haben sich die Hoffnungen über eine Finanzspritze aus Arabien aufgelöst.

EssenDer angeschlagene Energiekonzern RWE muss die Hoffnungen auf eine direkte milliardenschwere Kapitalspritze eines arabischen Investoren begraben. „Das Thema Kapitalbeteiligung verfolgen wir nicht weiter“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage. Es gebe aber weiter Gespräche, in denen Möglichkeiten für gemeinsame lokale Projekte in der Region Naher Osten und Nordafrika ausgelotet würden. Möglich sei auch, die gute Beziehung zu dem Investor in eine längerfristige Partnerschaft etwa in Form eines Gemeinschaftsunternehmens münden zu lassen.

RWE hatte im Frühjahr die Gespräche mit einem nicht näher genannten Investor aus den reichen Golfstaaten bestätigt. Dabei ging es auch um eine direkte Beteiligung über eine Kapitalerhöhung. Dagegen hatten sich aber die mächtigen kommunalen Aktionäre von RWE gesträubt. Sie wollten ihre 24-prozentige Beteiligung nicht verwässern lassen. Zuletzt wurde auch darüber spekuliert, dass RWE seine Ökostromtochter Innogy ausgliedert und sich die Araber daran beteiligen. Auch das ist nun offensichtlich vom Tisch.

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Heute lädt RWE zur Hauptversammlung. Aktionäre können sich über eine konstante Dividende freuen. Doch der Handelsblatt-Bilanzcheck belegt: Die Ertragslage des Energiekonzerns ist noch schlechter geworden.

Damit haben sich die Hoffnungen auf den Retter aus Arabien weitgehend in Luft aufgelöst. Geblieben sind nur noch mögliche regionale Energieprojekte. Dabei hatte die „Wirtschaftswoche“ mit einer Vorabmeldung noch zwischenzeitlich für Euphorie an der Börse gesorgt. Demnach stünden die Gespräche über einen Einstieg der Investmentgesellschaft Aabar Investment aus Abu Dhabi bei RWE oder bei Projekten des Konzerns kurz vor dem Abschluss. Die RWE-Aktie legte mehr als zehn Prozent zu. Als bekannt wurde, dass eine direkte Beteiligung vom Tisch ist, gab das Papier wieder einen Teil der Gewinne ab.

RWE könnte angesichts von 25,6 Milliarden Euro Schulden und immer stärker wegbrechender Gewinne infolge der Energiewende Kapitalspritzen gut gebrauchen. Zuletzt waren die RWE-Aktien wegen neuer Sorgen um die Sicherheit der Atomrückstellungen schwer unter Druck geraten und am Dienstag auf ein historisches Tief von 10,18 Euro gestürzt. Im Jahr 2008 lag der Höchststand bei 102,199 Euro. Inzwischen droht sogar der Abstieg des Traditionsunternehmens aus dem deutschen Leitindex Dax.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Von

dpa

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