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17.02.2016

10:24 Uhr

RWE streicht Dividende

„Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume“

Erst 2, dann 1, jetzt 0 Euro: RWE streicht fast allen Anlegern die Dividende – und verschreckt damit die kommunalen Aktionäre. Ein erster Kämmerer warnt den Energiekonzern. Der Streit könnte schnell eskalieren.

Die Essener Energiekonzern muss Milliarden auf konventionelle Kraftwerke abschreiben. ap

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem

Die Essener Energiekonzern muss Milliarden auf konventionelle Kraftwerke abschreiben.

Düsseldorf/EssenDer ungebremste Verfall der Strompreise im Großhandel hat den Energiekonzern RWE im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von rund 200 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Hauptgrund waren Abschreibungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro auf die konventionellen Kraftwerke.

Die operativen Ergebnisziele habe der Versorger 2015 erreicht, erklärte RWE. Nach vorläufigen Zahlen lag das betriebliche Ergebnis bei 3,8 Milliarden Euro und das bereinigte Nettoergebnis bei 1,1 Milliarden Euro.

Als Folge will der Vorstand nun die Dividende fast vollständig streichen. Für Stammaktien soll es in diesem Jahr keine Ausschüttung geben, Inhaber von Vorzugsaktien sollen noch 13 Cent bekommen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern 1 Euro pro Stamm- und Vorzugsaktie gezahlt. Die Entscheidung sei notwendig, um das Unternehmen zu stärken, sagte Konzernchef Peter Terium. „Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt“, begründete Terium den Schritt.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

Der Vorschlag in Sachen Dividende dürfte auch die Kommunen hart treffen, die knapp 24 Prozent an dem Versorger halten und in den vergangenen Jahren mit den Gewinnbeteiligungen ihre klammen Kassen entlastet hatten. Die Stadt Essen reagierte mit Entsetzen auf die Ankündigung des Energieriesen. „Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume“, sagte der Stadtkämmerer Lars Martin Klieve (CDU). Für die Stadt fielen damit gut 18 Millionen Einnahmen weg. Dabei sei die Finanzlage wegen der Flüchtlingskrise derzeit besonders kritisch.

Die Stadt habe erst Ende Januar einen Nachtragshaushalt mit 132 Millionen Euro zusätzlich für die Flüchtlinge vorgelegt. Das Defizit der Stadt verzehnfache sich danach von 3,4 auf 37 Millionen Euro. Nun fielen zusätzlich bereits eingeplante Millionen weg.

Die Stadt Essen ist als wichtiger RWE-Standort zugleich Großaktionär mit RWE-Stammaktien. Im Vorjahr hatte sie 18,3 Millionen Dividende eingenommen. „Ich bin völlig überrascht“, sagte der Kämmerer. Die kommunalen Aktionäre würden sich über die neue Situation und ihre Reaktion darauf abstimmen. Am 3. März tagt der RWE-Aufsichtsrat, in dem die Kommunen vertreten sind. „Das wird kein gemütliches Kaffeetrinken“, sagte Klieve.

Kommentare (38)

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Herr Peter Dirnberger

17.02.2016, 10:18 Uhr

Ein weiteres Opfer von Frau Merkel. Die Städte und Gemeinden werden wohl ihre
Gebühren für Kindergärten u.s.w. erhöhen müssen.

Herr Peter Dirnberger

17.02.2016, 10:22 Uhr

Ich gehe aber davon aus, dass die Facharbeiter all die Leistungen der Gemeinden
gratis erhalten, so dass es wurscht ist ob wieder eine Firma pleite geht.

Account gelöscht!

17.02.2016, 10:24 Uhr

Man(n) konnte aber als die ad-hoc um 9:16 über die Ticker kam zig tausende von Stücken schön abladen, bevor der Dreck in Xetra Volatilitätsunterbrechung ging. Hatte selber mein genehmigtes Positionslimit in Xetra DAX30-Einzeltiteln (300.000 €) voll angefixt. Aber leider wieder viel zu früh gedeckt.

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