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20.08.2015

11:35 Uhr

RWE-Tochter N-Power

Terium feuert Großbritannien-Chef

VonJürgen Flauger

Vor einer Woche überraschte RWE mit einem neuen Problem: Bei der britischen Tochter N-Power laufen die Geschäfte aus dem Ruder. Jetzt greift Konzernchef Peter Terium durch – und feuert die zuständigen Manager.

Der RWE-Chef zieht personelle Konsequenzen aus der Misere bei der Tochter N-Power. dpa

Peter Terium

Der RWE-Chef zieht personelle Konsequenzen aus der Misere bei der Tochter N-Power.

DüsseldorfDer Handlungsdruck war groß – nicht zuletzt von den Anlegern. Seit RWE-Chef Peter Terium vor einer Woche den Zwischenbericht vorgelegt hat, war die Aktie des Energiekonzerns im freien Fall. Mehr als 15 Prozent büßte sie seither ein und fiel auf 15,30 Euro – so billig war die Aktie seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Terium hatte den Markt mit zwei neuen Problemen überrascht – als hätte der angeschlagene Energiekonzern nicht schon Sorgen genug. Zum einen war die Steuerquote außergewöhnlich hoch. Zum anderen hat die britische Tochter N-Power ernste Probleme und musste die Prognosen radikal zusammen streichen.

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Für die Energiekonzerne wird es schlimmer: RWE-Chef Terium hat neben den Kraftwerken ein neues Problem.

Jetzt greift der RWE-Chef aber offenbar durch. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, wechselt RWE die Führung der britischen Tochter aus. Chief Executive Officer Paul Massara muss ebenso gehen wie Finanzvorstand Jens Madrian. Neuer CEO wird Paul Coffey. Terium hatte ihn erst ihm April als Chief Operating Officer installiert. Eine Sprecherin des Konzerns lehnte einen Kommentar ab.

RWE hatte im Zwischenbericht mitgeteilt, es gebe „unerwartete operative und technische Probleme im britischen Vertriebsgeschäft“. Der Konzern führte „Prozess- und Systemprobleme bei der Privatkundenabrechnung“ an. Tatsächlich gibt es bei der britischen Tochter seit langem Misswirtschaft, wie das Handelsblatt bereits im Vorfeld berichtet hatte. Das Unternehmen hat unter anderem schon seit langem eine völlig veraltete IT – mit dramatischen Folgen für das Geschäft: Unter den mehr als fünf Millionen Kunden gibt es Tausende Doppelbuchungen, Kunden klagen über falsche Rechnungen.

Dabei steht N-Power unter enormen Wettbewerbsdruck. Im ersten Halbjahr brach das Ergebnis um 60 Prozent auf 53 Millionen Euro ein. Gleichzeitig senkte RWE die Prognose: „Wir gehen nun nicht mehr davon aus, dass RWE N-Power moderat über Vorjahr abschließen kann, sondern erwarten eine deutliche Ergebnisverschlechterung.“

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Problematisch sei vor allem, dass die Probleme im Grundsatz schon länger bekannt sind – das bisherige Management aber nicht energisch genug eingeschritten ist, wird in Konzernkreisen kritisiert. Gleichzeitig sei die Zentrale in Essen über das volle Ausmaß der Probleme im Unklaren gewesen.

Bewegung gibt es auch im Aufsichtsrat des Energiekonzerns. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will Daimler-Chef Zetsche aus dem Gremium ausscheiden. Im kommenden Jahr läuft die Amtszeit aller Vertreter aus. Auch Aufsichtsratschef Manfred Schneider wird dann das Gremium verlassen. Nach Informationen des Handelsblatts soll der ehemalige SAP-Finanzvorstand Werner Brandt dann die Führung übernehmen.

Kommentare (4)

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Herr Gerd St

20.08.2015, 12:35 Uhr

Herr Terium hat ein ganz großes Problem, dass er aber nur lösen kann indem er sich selbst enlässt.
Die Vorstände der Versorger leben in alller Regel im Elfenbeinturm, sind Schreibtischstrategen und selbstverliebt. Ohne Ideen und Kreativität, hauptsächlich bemüht hervorragende Bezüge einzustreichen und zu verwalten. Natürlich bestärkt durch unfähige Aufsichtsräte.
Da muss dann eben mal jemand gefeuert werden; Aktionismus pur. Leider beim falschen.

Account gelöscht!

20.08.2015, 12:42 Uhr

Terium hätte mal iieber seine Erneuerbaren Energiewende Gurus feuern sollen. Weil eines ist sicher auf Subventionsgesetzen ist kein Wirtschaften zu machen. EEG = Subvention pur. Erneuerbare Energie = EEG.
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach der Mangel und zum Schluss die Armut!

Herr Dieter B.

20.08.2015, 13:33 Uhr

RWE oder besser die Anteilseigner von RWE haben eine Problem. Vor allem diejenigen, wie meine Wenigkeit, welche Aktien des Unternehmens vor ca. 1 Jahr gekauft haben: Wertverlust sage und schreibe 50 (in Worten: fünfzig) %. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wohlgemerkt reden wir hier nicht von irgendeineml x-beliebigen windigen Internetstartup, sondern von einem deutschen Versorgungsunternehmen, ehemals Monopolisten!!! Und die sog. "Energiewende" ist ja auch nicht gestern über die Bühne gegangen, so dass die Entschuldigung wohl allmählich auch nicht mehr zieht. Zusammenfassend möchte ich sagen: Den Börsenwert eines Dax-Unternehmens mal eben in 1 Jahr zu halbieren, dazu gehört einiges. Hut ab und vielen Dank für den (herben) Verlust, den ich erlitten habe!

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