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20.04.2016

21:27 Uhr

RWE

Vorstand trotz Dividendenausfalls entlastet

Der Vorstand des Energieversorgers RWE berichtet bei seiner Hauptversammlung von massiven Einbrüchen und streicht die Dividende. Damit kommt Vorstandschef Terium bei den Anlegern durch – nun ruft er die Politik zu Hilfe.

Der Aufstand blieb aus: RWE-Vorstandschef Peter Terium bei der Hauptversammlung des Energiekonzerns in Essen. Reuters

Peter Terium

Der Aufstand blieb aus: RWE-Vorstandschef Peter Terium bei der Hauptversammlung des Energiekonzerns in Essen.

EssenDer Vorstand des kriselnden Versorgers RWE ist trotz Kritik wegen des Ausfalls der Dividende für 2015 von der Hauptversammlung entlastet worden. Der entsprechende Antrag bekam bei der Hauptversammlung am Mittwoch eine Mehrheit von 97,44 Prozent. Kommunale Aktionäre hatten zuvor wegen der Dividendenstreichung eine Nichtentlastung diskutiert.

Der Versorger hatte 2015 einen Verlust von 170 Millionen Euro eingefahren. Nur die Vorzugsaktionäre sollen eine Dividende von 13 Cent je Aktie erhalten, die Stammaktionäre gar nichts.

Tumulte bei RWE-Versammlung: „Eure Zeit ist abgelaufen“

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Umweltschützer haben die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE gekapert. Bei der Rede von Vorstandschef Peter Terium stürmten Demonstranten die Bühne. Terium reagierte schlagfertig auf den Vorfall.

Angesichts der Einbrüche wegen der Energiewende ruft RWE nun die Politik um Hilfe. „Weitere, massive Verluste unseres Kraftwerksgeschäftes können wir uns auf Dauer nicht leisten“, sagte Vorstandschef Peter Terium am Mittwoch bei der Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns in Essen.

„Wir haben nicht viel Zeit. Unsere finanzielle Situation ist angespannt“, sagte er. Börsenstrompreise von nur noch rund 20 Euro pro Megawattstunde bedeuteten den Ausnahmezustand. Damit sei die Versorgungssicherheit in Deutschland in „höchster Gefahr“. Die Bundesregierung müsse handeln.

Der Ökostrom-Boom hat die im Großhandel erzielbaren Strompreise dramatisch gedrückt. Die großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke verdienen kaum noch Geld. Die Energiekonzerne verlangen von der Politik eine Entschädigung dafür, dass sie die großen konventionellen Kraftwerke als Puffer gegen die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom bereithalten.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

Bislang lehnt die Bundesregierung solche Hilfen ab. Aktionärsvertreter warnten den Konzern daher davor, dass die Hoffnung auf Hilfen der Politik eine Sackgasse sein könnte.

Angesichts der hohen Schulden und der unsicheren Aussichten stellt sich der Konzern bereits auf eine Abstufung seiner Kreditwürdigkeit ein. „Die Ratings europäischer Energieversorger stehen aktuell unter massiver Beobachtung der Agenturen“, sagte Terium. „Das gilt insbesondere auch für RWE, eine Herabstufung des Ratings ist wahrscheinlich.“

Darin spiegelten sich die Unsicherheiten über die Kosten für den Atomausstieg wider. „Wir stehen hier vor einem erheblichen finanziellen Risiko, und das in einem ohnehin schon katastrophalen Marktumfeld.“

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr eine Kommission eingerichtet, die mit den vier Atomkonzernen nach Lösungen zur Finanzierung des Atomerbes suchen soll. Ursprünglich sollte sie schon Ende Februar ihre Vorschläge veröffentlichen, wie die Rückstellungen der Konzerne für Abriss und Endlagerung des Atommülls in Höhe von rund 40 Milliarden Euro langfristig gesichert werden können. Doch die Verhandlungen ziehen sich noch hin.

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