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15.05.2017

10:28 Uhr

RWE zurück in der Gewinnzone

Der andere Wahlsieger

VonJürgen Flauger

RWE, Deutschlands größter Stromproduzent, hat nach den herben Verlusten im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn verbucht. Auch das Ergebnis der Landtagswahl wird Konzernchef Rolf Martin Schmitz freuen.

Börse am Mittag

Erneutes Allzeithoch - RWE & Infineon auf der Gewinnerseite

Börse am Mittag: Erneutes Allzeithoch - RWE & Infineon auf der Gewinnerseite

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DüsseldorfRWE-Chef Rolf Martin Schmitz dürfte am Montag Vormittag recht zufrieden sein – vor allem, wenn er auf das Ergebnis der Landtagswahl von Nordrhein-Westfalen blickt. CDU und FDP können gemeinsam eine Regierung bilden, die Grünen sind damit endgültig aus der Regierungsverantwortung. Das mag für Klimaschützer eine negative Nachricht sein, für Deutschlands größten Betreiber von Kohlekraftwerken ist es zweifellos positiv.

Schmitz muss für den Braunkohletagebau von RWE im rheinischen Revier eine langfristige Lösung finden – und mit Schwarz-Gelb oder einer großen Koalition dürfte er leichter einen pragmatischen Kompromiss finden.

Aber auch mit dem Zwischenbericht, den RWE am frühen Morgen vorlegte, dürfte den RWE-Chef freuen. Der Energiekonzern ist wieder zurück in der Gewinnzone. RWE verbuchte im ersten Quartal 2017 eine Nettoergebnis von 946 Millionen Euro. Das sind zehn Prozent mehr als vor einem Jahr. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis verringerte sich zwar um 18 Prozent, blieb aber mit 689 Millionen Euro ebenfalls deutlich positiv. Die RWE-Aktie startete mit kräftigen Gewinnen in den Handel. Sie legte um bis zu 4,6 Prozent auf 16,31 Euro zu, das war der höchste Stand seit mehr als zehn Monaten.

Neue Struktur bei Energieversorger: RWE-Chef ordnet den Konzern neu

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RWE wird neu organisiert: Konzernchef Schmitz trennt die Braunkohlesparte stärker vom Rest der Stromproduktion und baut die zweite Führungsebene um. In den Aufsichtsgremien gibt es erste Kritik an den Plänen.

Vor allem ist der Neustart nach dem schmerzhaften Jahr 2016 geglückt. Deutschlands größter Stromproduzent hatte Milliarden auf seine Kraftwerke abgeschrieben und unter dem Strich einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro verzeichnet. Die Stammaktionäre mussten zum zweiten Mal in Folge auf eine Dividende verzichten.

Jetzt sieht es wieder besser aus: „Wir sind gut ins Jahr gestartet und können unseren optimistischen Ausblick und die angestrebte Dividende von 50 Cent für 2017 bekräftigen“, sagte Finanzvorstand Markus Krebber.
Dabei ist das operative Geschäft weiter schwierig. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab um gut sechs Prozent auf 2,1 Milliarden Euro nach. Die Lage in der konventionellen Stromproduktion ist weiter schwierig. RWE geht aber weiter von einer Verbesserung der Ergebnisse im laufenden Jahr aus.

Finanzvorstand Krebber lehnte bei der Telefonkonferenz einen Kommentar zum Wahlergebnis ab: „Ich freue mich über die hohe Wahlbeteiligung“, sagte er, „vor einer inhaltlichen Einordnung lassen Sie uns abwarten, welche Regierung sich bildet und welches Programm sie hat.“ Das reine Wahlergebnis könne RWE nicht kommentieren.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Seit der Ausgliederung der Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze und dem Börsengang der neuen Gesellschaft Innogy im Oktober ist RWE operativ nur noch für den Großhandel und die konventionelle Stromproduktion verantwortlich.

Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, der nach dem Börsengang von Innogy vom Vize- auf den Chefposten aufrückte, hat eine schwierige Sanierungsaufgabe übernommen. Die Kohle- und Gaskraftwerke kämpfen mit der Energiewende. Weil Wind- und Solarenergie vorrangig ins Netz eingespeist werden, sind die konventionellen Kraftwerke immer seltener in Betrieb. Entsprechend liefern die einstigen Gewinnbringer immer seltener Gewinne ab. Gleichzeitig drücken RWE hohe Schulden.

Kommentare (1)

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Herr Hofmann Marc

15.05.2017, 11:13 Uhr

Für die Deutsche Kraftwerks-Ingenieur Zukunft wäre es viel wichtiger, wenn die zukunftweisenden Kernenergie wieder zurück in die Deutsche Foschung- und Entwicklung kommt....die sog. Energiewende ist ein Rohrkrepierer...somit bleibt uns nur noch die Kohle...beim Gas sind wir schon längst von Russland abhängig....

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