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27.05.2016

08:50 Uhr

Salzgitter

Stahlkonzern will Krise aus eigener Kraft meistern

Überkapazitäten und Billig-Importe haben die Stahlbranche in die Krise gestürzt. Immer wieder werden Fusionen durchgespielt. Doch der deutsche Produzent Salzgitter will eigenständig bleiben und die Probleme selbst lösen.

Der Konzern will in der Krise eigenständig bleiben. Reuters

Salzgitter-Stahlwerk

Der Konzern will in der Krise eigenständig bleiben.

FrankfurtDer Stahlkonzern Salzgitter will die von Überkapazitäten und Billig-Importen ausgelöste Branchenkrise aus eigener Kraft überstehen. „Wir führen mit niemandem Kooperations- oder Fusionsgespräche“, sagte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann in einem Interview der „Börsen-Zeitung“. Zusammenschlüsse seien kein taugliches Instrument, um Dumping-Importen aus China zu begegnen oder Belastungen aus der europäischen wie deutschen Energie- und Umweltpolitik auszugleichen. „Hier ist die Politik in Berlin und Brüssel gefordert, denn auch eine geschrumpfte, konsolidierte Stahlbranche würde solchen existenzbedrohenden Risiken nicht standhalten.“

In der Branche werden immer wieder Ideen für Fusionen in Europa durchgespielt. So hatte die Nachrichtenagentur Reuters im April erfahren, dass Thyssen-Krupp mit Tata Steel Gespräche über einen Zusammenschluss führt. Salzgitter sieht sich bei diesen Überlegungen außen vor.

Salzgitter: Stahlkocher schreibt hauchdünn schwarze Zahlen

Salzgitter

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Die Krise bei den Stahlpreisen drückt weiter auf die Bilanz von Salzgitter. Der Gewinn schmolz zu Jahresbeginn auf nur noch eine Million Euro zusammen. Nachrichten aus China lassen aber auf Besserung hoffen.

„Was Fusionsideen mit anderen europäischen Stahlproduzenten angeht, gibt es bis heute offenbar kein Konzept, das uns als Konzern weiterbringen würde oder besser wäre als die bisherige Strategie, unseren Weg der Eigenständigkeit fortzusetzen“, sagte Fuhrmann. Einen Schutz gegen eine ungewollte Übernahme bietet die Beteiligung des Landes Niedersachsen, das 26,5 Prozent an dem Konzern hält.

Eigene Zukäufe schloss Fuhrmann dagegen nicht aus. „Akquisitionen sind in den Geschäftsbereichen Technologie und Handel sowie im Energiebereich durchaus möglich.“ Ohne finanzielle Klimmzüge könne Salzgitter einen Zukauf mit einem Volumen von mehreren Hundert Millionen Euro stemmen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Stellenstreichungen über den bereits bekannten Umfang hinaus schloss Fuhrmann aus. Nach dem Wegfall von rund 1500 Arbeitsplätzen im Zuge eines Konzernumbaus hatte Salzgitter vor wenigen Monaten den Abbau von mehreren Hundert weiteren Jobs an den vier deutschen Standorten angekündigt. Dieser Stellenabbau werde in diesem Jahr umgesetzt. „Weitere Restrukturierungsvorhaben gibt es nicht“, sagte Fuhrmann.

Von

rtr

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