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18.03.2016

15:09 Uhr

Salzgitter verschärft Sparkurs

Stahlkocher bleibt im Krisenmodus

VonMartin Wocher

Die Zeiten sind nicht leicht für Salzgitter. Zwar macht die Preisentwicklung Hoffnung, doch Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern kündigt einen weiteren Stellenabbau an – und hofft auf die EU.

„Es geht deutlich in die richtige Richtung.“ dpa

Bramme von Salzgitter

„Es geht deutlich in die richtige Richtung.“

SalzgitterWie andere europäische Stahlmanager auch hat Heinz Jörg Fuhrmann in den vergangenen Monaten jede öffentliche Bühne genutzt, um auf die dramatische Situation der krisengeschüttelten Branche hinzuweisen: Überkapazitäten und Preisverfall, ausgelöst durch die Flut chinesischer Billigimporte nach Europa, dazu die drohende Verschärfung der Klimaschutzvorgaben durch die EU.

Der lautstarke Protest zeigt erste Erfolge: Die EU-Kommission hat inzwischen eine Reihe von Anti-Dumping-Maßnahmen auf den Weg gebracht und Schutzzölle gegen Hersteller aus Asien und Russland verhängt. Die Preise erholen sich, wenn auch auf niedrigem Niveau. „Vor vier Monaten war da noch nichts, jetzt haben wir einen sichtbaren Unterschied“, sagte Salzgitter-Chef Fuhrmann am Freitag am Hauptstandort von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkocher. „Es geht deutlich in die richtige Richtung.“ Auf das Ergebnis sollen sich die höheren Einnahmen aber erst im zweiten Halbjahr auswirken.

„Wir tun, was möglich ist.“ dpa

Heinz Jörg Fuhrmann

„Wir tun, was möglich ist.“

Doch ist Fuhrmann zu lange im Geschäft, um sich auf politische Entscheidungen allein zu verlassen. Parallel dazu verschärft er den Sparkurs in seinem Konzern, der zu einem Viertel dem Land Niedersachsen gehört. So wird das seit drei Jahren laufende Effizienzprogramm „Salzgitter 2015“ weitergeführt, das einschließlich der Stilllegung mehrerer Werke die Kosten pro Jahr bereits um 300 Millionen Euro gesenkt hat. Zusätzliche Sparmaßnahmen sollen weitere 260 Millionen Euro einspielen.

Dazu gehört auch ein Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen in vier Werken außerhalb Niedersachsens. Wie viele Stellen genau wegfallen werden, wollte Fuhrmann mit Hinweis auf die laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nicht sagen. Bis Ende 2015 hatte der Konzern bereits 1500 Vollzeitstellen abgebaut. „Wir tun, was möglich ist“, sagte Fuhrmann. „Die Belastungen durch die chinesischen Importe und die verschärften Umweltauflagen können wir aber dadurch nicht kompensieren.“

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Investitionen des Stahlkonzerns

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Die europäische Stahlindustrie kämpft ums Überleben. Arcelor-Mittal entscheidet über Investitionen in Deutschland daher nur noch von Fall zu Fall. Der weltgrößte Stahlkonzern ermahnt die Politik, endlich zu handeln.

So rechnet der Salzgitter-Chef für das laufende Jahr allenfalls mit einem ausgeglichenen Ergebnis vor Steuern und damit etwas weniger als 2015, als der Konzern zwölf Millionen Euro Gewinn auswies. Auch der Umsatz werde nur das Vorjahresniveau von 8,6 Milliarden Euro erreichen. „Die Herausforderungen bleiben enorm“, sagte Fuhrmann. „Dennoch blicken wir verhalten optimistisch nach vorn.“

Dazu gehört auch, dass der Konzern im laufenden Jahr knapp 300 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Anlagen investieren will: Das ist zwar deutlich weniger als 2015 mit 410 Millionen Euro, allerdings war darin auch der Kraftakt einer aufwändige Erneuerung eines Hochofens enthalten.

Auch auf der Kundenseite gibt es den einen oder anderen Lichtblick: Die Autoindustrie als wichtigster Abnehmer wird ihre stabilisierende Rolle auch 2016 spielen, einige Hersteller wie die aus Frankreich ordern sogar mehr. Die Maschinenbauer dürften angesichts ihrer guten Geschäftserwartungen wenigstens in der Größenordnung der Vorjahre bestellen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Manchmal trägt auch Unerwartetes zur Stimmungsaufhellung bei: So hat die Röhrentochter Europipe, die Salzgitter zusammen mit der Dillinger Hütte betreibt, einen Großauftrag für die Lieferung von Röhren für die Erweiterung der Nordsee-Pipeline erhalten. Das Gesamtvolumen beträgt 2,2 Millionen Tonnen, 40 Prozent davon liefert Europipe. Das Werk in Mülheim an der Ruhr ist damit bis weit ins Jahr 2017 ausgelastet. „In diesen Zeiten ist das ein warmer Regen“, sagte Salzgitter-Chef Fuhrmann.

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