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18.10.2013

12:38 Uhr

Sanierung

Centrosolar sucht Rettung unter Schutzschirm

Trotz Sanierungsbemühungen inklusive Schuldenschnitt und Personalabbau muss Centrosolar unter den Schutzschirm flüchten. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter werden von der Arbeitsagentur bezahlt, es bleiben drei Monate.

Ein Transparent bei einer Demonstration gegen den Stellenabbau bei Centrosolar: Auch der Abbau von mehr als 250 Stellen konnte den Konzern nicht vor dem Rettungsschirm bewahren. dapd

Ein Transparent bei einer Demonstration gegen den Stellenabbau bei Centrosolar: Auch der Abbau von mehr als 250 Stellen konnte den Konzern nicht vor dem Rettungsschirm bewahren.

DüsseldorfTrotz monatelanger Sanierungsbemühungen inklusive Schuldenschnitt und Personalabbau muss Centrosolar unter den Schutzschirm flüchten. Als Begründung nannte das Management des mit 100 Millionen Euro verschuldeten Solaranlagenbauers am Freitag einen Geschäftseinbruch im dritten Quartal. „Wir haben in den letzten Monaten sehr intensiv an einer Entschuldung und einer bilanziellen Sanierung der Centrosolar im laufenden Betrieb gearbeitet“, sagte Firmenchef Alexander Kirsch. „Aber die Erholung tritt später ein als ursprünglich erwartet.“

Die Einfuhrbeschränkungen der EU für Billigimporte aus China hätten nicht die erhofften Impulse gebracht. Zudem gebe es nach wie vor Überkapazitäten im Markt. Das Management habe daher für die Holding, die AG und die Centrosolar Sonnenstromfabrik beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenregie beantragt. Sollte das Gericht dem zustimmen, hätte die Firma weitere drei Monate Zeit, eine Sanierungslösung zu finden, ohne dass die Gläubiger die Reißleine ziehen. Davon sind mehr als 400 der 750 Mitarbeiter betroffen, die nun von der Arbeitsagentur bezahlt werden.

Vor dem Schutzschirmverfahren nicht betroffen seien die Töchter Renusol, Centrosolar America und Centroplan. Diese arbeiteten weitgehend profitabel, seien voll finanziert und hätten keine wesentlichen Finanzschulden, erklärte der Konzern. Nach vorläufigen Zahlen brach der Umsatz von Centrosolar im dritten Quartal um 40 Prozent auf 27,5 Millionen Euro. Der operative Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um rund eine Million auf 4,4 Millionen Euro.

Gläubiger und Aktionäre hatten im Frühjahr einem Kapital- und Schuldenschnitt zugestimmt. Mehr als 250 Stellen und damit ein Viertel der Arbeitsplätze wurden gestrichen. Das reichte jedoch nicht aus, um die ehemalige Tochter des Klimatechnik-Spezialisten Centrotec auf gesunde Füße zu stellen.

Beinahe alle Solarpioniere wie Solon, Q-Cells oder Conergy haben den Gang zum Insolvenzgericht bereits hinter sich und wurden von ausländischen Investoren mindestens in Teilen übernommen. Der einstige Börsenstar und Branchenprimus Solarworld hofft, sich nach dem beschlossenen Schuldenschnitt und durch den Einstieg eines Investors retten zu können.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.10.2013, 17:42 Uhr

Ein Schutzschirmverfahren soll ja nun –so das Ziel der Centrosolar Group AG- mit dem bisherigen Vorstand durchgeführt werden.
Die schlechte Entwicklung des Aktienkurses der Centrosolar Group AG in den zurückliegenden Jahren, mit dem am „Ruder“ der Gesellschaft stehenden Dr. Kirsch, dürfte aber schon mehr als bemerkenswert gewesen sein.
Bei einer Aktienkursentwicklung dieser Art könnte es jedenfalls dazu kommen, dass Journalisten die Centrosolar Group AG unter die Lupe nehmen. Wie verhält es sich beispielsweise mit Erklärungen nach § 161 AktG (s.a. Ziffer 5.4.2. DCKG) im Hinblick auf Tätigkeiten als Vorstand und / oder Aufsichtsrat in Gesellschaften des Konzerns in der zurückliegenden Zeit? Wer ist für die erheblichen Verluste in Sachen Itarion / Qimonda verantwortlich und wer haftet hierfür? Gab es vielleicht Beratungsfehler?
Vermutlich werden Aktionäre nun auch Anwälte beauftragen, sich intensiv mit den veröffentlichten Ad-hoc Meldungen der Vergangenheit, mit Prognosen, mit Director´s Dealings, gerichtlichen Verfahren, eventuellen erheblichen Vermögensübertragungen o.ä. und der unverzüglichen und richtigen Publizierung solcher Vorgänge näher zu beschäftigen. Die Anwälte werden vermutlich auch die §§ 14, 15, 37 b, 37 c, 38 WpHG, § 826 BGB prüfen, wenn Sachverhalte dies hergeben sollten. Was sich beispielsweise allein aus der zeitlichen Differenz zwischen der Ankündigung von Restrukturierungsmaßnahmen im Februar 2013 und den im September 2012 und Anfang Oktober 2012 mitgeteilten Director´s Dealings ergeben kann, wird vermutlich auch geprüft werden. Inwieweit sich Ansprüche gegen die Centrosolar Group AG (und vielleicht auch gegen die Vorstände) ergeben, wird die Zukunft zeigen.

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