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11.11.2013

19:39 Uhr

Schlechte Geschäfte

Solarworld kappt die Umsatzprognose

Der deutsche Solarprimus kommt nicht aus der Krise. Nun muss Solarworld erneut die Umsatzprognose nach unten korrigieren. Die Sanierung hinterlässt deutliche Spuren in der Konzernbilanz.

Die Geschäfte in Deutschland laufen für Solarworld schlecht. dpa

Die Geschäfte in Deutschland laufen für Solarworld schlecht.

BerlinSolarworld hat wegen eines schwachen Deutschland-Geschäfts seinen Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Anders als bislang in Aussicht gestellt, erwarte der Solarkonzern derzeit, dass der Absatz mit Modulen und Bausätzen sowie die Erlöse unter dem Vorjahresniveau liegen werde, teilte das Bonner Unternehmen am Montagabend mit. Bereits in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres brach der Umsatz nach vorläufigen Angaben um rund 26 Prozent auf 345,6 Millionen Euro ein im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund sei vor allem die Kaufzurückhaltung der Privatkunden im deutschen Markt, ausgelöst durch den den laufenden Sanierungsprozess der Solarworld AG.

Der einstige Branchenprimus steckt tief in der Krise. Unter anderem setzte ihm die Konkurrenz aus China zu. Im Sommer stimmten die Anteilseigner einem nicht unumstrittenen Restrukturierungskonzept zu, das ihnen den Verzicht auf den größten Teil ihrer Aktienpakete abverlangt.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Der Konzernverlust belief sich den Angaben nach in den ersten neun Monaten auf 148,6 Millionen Euro nach einem Minus von 230 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Verbesserung sei „auf eine Reduktion der Materialaufwendungen sowie geringere Abschreibungen und Wertberichtigungen als im Vergleichszeitraum 2012 zurückzuführen“.

Solarworld plant, den Zwischenbericht für das dritte Quartal am Donnerstag vorzulegen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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ColorfulColorado

11.11.2013, 20:02 Uhr

Nicht sehr nachhaltig die neuen grünen Jobs...
Naja der Niedergang der Solarindustrie wird wohl exemplarisch für das ganze Land werden. Die Energiewende wirkt.

HofmannM

12.11.2013, 09:52 Uhr

Und die Insolvenzverschleppung geht weiter! Die Pleite Firma Solarwörld will ja noch den Pleitebereich der Boschsolarsparte übernehmen. Damit häuft sich ein gigantischer Schuldenberg weiter an. Die Anteilseigner sollten den Absprung machen und in die AREVA Aktien investieren.

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