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13.02.2013

10:29 Uhr

Schwache Nachfrage

Stahlindustrie stellt sich auf Durststrecke ein

Die Branchengrößen der Stahlindustrie rechnen in diesem Jahr noch nicht mit einer Erholung. Das Geschäftsklima sei auf niedrigem Niveau. Allerdings gebe es bereits Hoffnungsschimmer.

Ein Stopfensetzer in der Werkshalle. Die Stahlindustrie zwischen Hoffen und Bangen. dapd

Ein Stopfensetzer in der Werkshalle. Die Stahlindustrie zwischen Hoffen und Bangen.

DüsseldorfDie Stahlindustrie in Deutschland mit Branchengrößen wie ThyssenKrupp und Salzgitter rechnet noch mit einer längeren Durstrecke. „Eine durchgreifende Erholung erwarten wir für dieses Jahr noch nicht“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Mittwoch in Düsseldorf. Der Verband bekräftigte, dass die Rohstahlproduktion hierzulande in diesem Jahr lediglich auf 43 Millionen Tonnen zulegen werde. Im vergangenen Jahr war sie um vier Prozent auf 42,7 Millionen Tonnen gefallen.

Es gebe aber eine Reihe hoffnungsvoller Zeichen, sagte Kerkhoff. So sei die Rohstahlproduktion im Januar um fünf Prozent auf 3,6 Millionen geklettert. „Dies ist der stärkste Zuwachs seit September 2011.“ Wichtige Kunden wie der Maschinenbau und die Automobilindustrie blickten inzwischen optimistischer nach vorne. Insgesamt befinde sich das Geschäftsklima aber noch auf einem relativ niedrigen Niveau. „Die Erwartungen sind zurückhaltender als noch zum Jahresanfang 2010 oder 2011“, sagte Kerkhoff. Nach einem Wachstum von einem Prozent im Schlussquartal 2012 seien die Bestellungen im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um vier Prozent zurückgegangen.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Mindestens 2000 Stellen sollen in den nächsten Jahren im europäischen Stahlgeschäft gestrichen werden. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

Die Hersteller kämpfen seit knapp zwei Jahren mit einer schwächelnden Nachfrage. Wegen der unsicheren Konjunkturentwicklung haben sich die Kunden mit Bestellungen zurückgehalten. Der deutsche Branchenprimus ThyssenKrupp hatte von Oktober bis Ende Dezember in seinem europäischen Stahlgeschäft einen Gewinneinbruch verbucht.

Von

rtr

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