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12.02.2013

14:28 Uhr

Schwedischer Versorger

Vattenfall halbiert seinen Gewinn

Der gesunkene Strombedarf hat dem schwedischen Versorger Vattenfall die Bilanz verhagelt. Höhere Kosten beim Öl-Einkauf drückten ebenfalls auf den Gewinn. Der Konzern ist bereits am abspecken und verkauft Geschäftsteile.

Niedriger Strombedarf hat dem schwedischen Versorger Vattenfall die Bilanz verhagelt. dapd

Niedriger Strombedarf hat dem schwedischen Versorger Vattenfall die Bilanz verhagelt.

StockholmDer schwedische Energiekonzern Vattenfall kämpft mit schwacher Nachfrage sowie niedrigeren Strompreisen und stellt sich langfristig auf schwierigere Zeiten ein. Das Staatsunternehmen mit Deutschland als wichtigstem Markt setzte im letzten Jahr mit 167,3 Milliarden Kronen (19,5 Mrd Euro) 7,6 Prozent weniger um als 2011. Wie am Dienstag in Stockholm weiter mitgeteilt wurde, sank der operative Gewinn (ohne Sondereinflüsse) 2012 um 9,9 Prozent auf 27,7 Milliarden Kronen.

Im vierten Quartal ging er um 8,3 Prozent auf 6,7 Milliarden Kronen zurück. Unter Einschluss der 2011 wie auch 2012 ungewöhnlich starken Sondereinflüsse brach der operative Gewinne sogar um knapp 50 Prozent auf 5,2 Milliarden Kronen ein.

Bei seiner deutschen Tochter musste Vattenfall im vierten Quartal einen Absturz beim Betriebsgewinn (ohne Sondereinflüsse) von 3 auf 1, 3 Milliarden Kronen verbuchen. Über das ganze Jahr ging der Ertrag leicht von 12,3 auf 11,2 Milliarden Kronen zurück.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Konzernchef Øystein Løseth nannte zusätzliche Strom-Kapazitäten durch erneuerbare Energien bei anhaltend schwacher Nachfrage und gesunkenen Strompreisen als Grund für „schwierige Marktbedingungen“. Der Norweger meinte weiter: „Frühere Marktprognosen sind über den Haufen geworfen, und was bisher als "normal" angesehen wurde, gilt nicht mehr. So ist die neue Normalität.“

Neben den veränderten Marktbedingungen für Stromversorger belasten Vattenfall die Folgen der als weit überteuert geltenden Übernahme des niederländischen Nuon-Konzerns. Zu schaffen machen der früheren „Gewinnmaschine“ für die schwedische Staatskasse auch Kosten und Einnahmeausfälle durch die beiden seit Jahren stillliegenden deutschen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel.

Von

rtr

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