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10.03.2014

11:01 Uhr

SGL Carbon

Schwere Verluste mit dem Leichtbau

Der Wiesbadener Spezialgrafit-Hersteller SGL Carbon hat ein katastrophales Jahr hinter sich. Unter dem Strich stehen mehr als 200 Millionen Euro Verlust. Nun will der Hersteller massiv sparen – auch in Deutschland.

In der Zentrale des Kohlenstoff-Spezialisten SGL Group herrscht das Spardiktat - das Unternehmen will die Kosten um 150 Millionen Euro senken. dpa

In der Zentrale des Kohlenstoff-Spezialisten SGL Group herrscht das Spardiktat - das Unternehmen will die Kosten um 150 Millionen Euro senken.

FrankfurtDer Werkstoff der Zukunft ist derzeit noch vor allem ein Verlustgeschäft. „An manchen Botschaften gibt es nichts zu beschönigen, deshalb sagt man sie am besten geradeheraus: 2013 war kein gutes Geschäftsjahr für die SGL Group“, gibt der deutsche Spezialgrafithersteller unumwunden zu. 207,4 Millionen Euro Verlust haben die Wiesbadener im Jahr 2013 angehäuft. Im Vorjahr hatte man noch einen Gewinn von 110 Millionen Euro vorweisen können.

Allein die Restrukturierung zog das Ergebnis um 84,2 Millionen Euro ins Minus, hinzu kamen Wertminderungen in der Bilanz von 142,7 Millionen Euro. Dabei schreiben zwei von drei Sparten im operativen Geschäft immer noch einen Gewinn, der fällt allerdings deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Auf die neue Aufsichtsratschefin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten warten bei SGL schwere Aufgaben.

Dabei hatte man eigentlich mit Rückenwind gerechnet. Die leichten Karbonfasern gelten insbesondere in der Autoindustrie als das Material der Zukunft. Die Karbonbauteile für den kleinen Elektroflitzer BMW i3, der dieses Jahr in Serie gegangen ist, stammen aus einem Joint-Venture von SGL und dem Autobauer. Doch obwohl der Umsatz mit den leichten Kohlenstofffasern um 44,5 Prozent auf 309,3 Millionen Euro zulegte, steht unter dem Strich ein Verlust von 32,9 Millionen Euro. Das erklärt sich das Unternehmen mit hohem Preisdruck durch Überkapazitäten und den langen Entwicklungszeiten der jungen Industrie.

Problematisch für das SGL ist, dass auch die anderen Geschäftsfelder schwächeln. Der Bereich Grafikelektroden, die unter anderem für die Stahlschmelze in Hochöfen verwendet werden, musste 2013 ebenfalls einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen. Das Segment macht immerhin noch rund die Hälfte aller Umsätze von SGL aus. Mit einem Betriebsergebnis von 69,4 Millionen Euro fällt der Überschuss aber um gut 60 Prozent geringer aus. Die asiatische Konkurrenz ist derzeit billiger, die niedrigen Preise werden zur Belastung für SGL. In Nordamerika und Europa will der deutsche Kohlenstoffspezialist darum Standorte schließen. Weitere Werksschließungen will Köhler nicht ausschließen. „Wir schauen uns die komplette Produktionsinfrastruktur an. Da gibt es keine heiligen Kühe, alle Anlagen kommen auf den Prüfstand“, sagt Konzernchef Jürgen Köhler.

Auch im Geschäft mit Grafit für Solar-, Halbleiter- und LEDs sei die Nachfrage rückläufig gewesen. Langsam zeichne sich eine Erholung der Märkte ab. Die Produktion soll stärker Richtung China und Polen verlagert werden. Zuletzt hatte das Unternehmen angekündigt, Werke zu schließen und 300 Arbeitsplätze abzubauen, davon rund die Hälfte in Deutschland. Bis Ende 2015 will SGL so rund 150 Millionen Euro einsparen. Bereits 2013 habe man die Kosten um 69 Millionen Euro senken können.

Die Aussichten für 2014 sind trotzdem alles andere als gut. „Die Marktsituation wird auf absehbare Zeit weiterhin schwierig bleiben“, teilt das Unternehmen mit. Die Dividende hatte der erst seit Jahresbeginn amtierende Konzernchef Jürgen Köhler den Aktionären bereits gestrichen. Im kommenden Jahr soll sich der Umsatz auf Vorjahresniveau bewegen, der Verlust soll dann allerdings geringer ausfallen.

Von

bay

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