Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2015

14:54 Uhr

Shell, BP, Chevron

Big Oil hat Schlagseite

VonRegine Palm

Mit Massenentlassungen und massivem Rückbau der Investitionen reagieren die Ölmultis auf den dauerhaft niedrigen Rohölpreis. Noch federn ihre Raffinerien das Schlimmste ab. Experten sehen aber kaum Chancen auf Besserung.

Die Ölkonzerne haben Schwierigkeiten

DüsseldorfEs ist rund ein Jahr her, dass die Rohölpreise quasi über Nacht einbrachen. Öl ist heute weniger als die Hälfte wert. Bei den großen internationalen Ölkonzernen hat dieser Preiseinbruch tiefe Spuren hinterlassen: Ihre Gewinne brechen weg. Allein das zuvor verpönte Raffineriegeschäft federt die Folgen des schwachen Ölpreises etwas ab. Nun steuert die Branche massiv gegen.

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell etwa hat mit Vorlage seines Halbjahresergebnisses einen massiven Jobabbau angekündigt. Insgesamt will das Unternehmen 6.500 Stellen streichen. Zuvor hatte Shell bekannt gegeben, dass der Nettogewinn um 37 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar geschrumpft ist.

Gewinn bricht ein: Shell streicht wegen Ölpreisverfall 6.500 Stellen

Gewinn bricht ein

Shell streicht wegen Ölpreisverfall 6.500 Stellen

Erst der Arbeitsplatzabbau, dann die Fusion: Vor dem Zusammenschluss mit BG will Shell mehr als 6000 Mitarbeiter entlassen. Der Ölpreis-Verfall belastet den Konzern. Der Quartalsgewinn bricht ein.

Zusätzlich will der Ölmulti mit 30 Milliarden Dollar 20 Prozent weniger investieren als im vergangenen Jahr. Zurück in die Spur sollen das Unternehmen auch Verkäufe von Unternehmensanteilen – ebenfalls im Wert von 30 Milliarden Dollar – bringen. Das kündigte Shell-Chef Ben van Beurden in einer Videobotschaft an.

Kaum besser sieht es bei der Konkurrenz aus. Der zweitgrößte US-Konzern Chevron entlässt 1500 Mitarbeiter, bei dem drittgrößten US-Ölkonzern Conoco Phillips sind es fünf Prozent der Belegschaft, das sind rund 1000 Stellen. Es könnten aber noch mehr werden, kündigte das Unternehmen bereits an. Insgesamt will Conoco eine Milliarde Dollar an Kosten einsparen, so lange der Ölpreis so niedrig bleibt. Der Konzern hatte für das zweite Quartal einen Verlust von 179 Millionen Dollar bekanntgegeben.

Die größten Öl- und Gaskonzerne der Welt

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Jahresumsatz: 356,6 Milliarden Dollar

Platz 2

PetroChina (China)

Umsatz 2015: 329,7 Milliarden Dollar

Platz 3

Chevron (USA)

Jahresumsatz: 197,4 Milliarden Dollar

Platz 4

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Jahresumsatz: 192,1 Milliarden Dollar

Platz 5

Sinopec (China)

Jahresumsatz: 119,1 Milliarden Dollar

Platz 6

Total (Frankreich)

Jahresumsatz: 118,5 Milliarden Dollar

Platz 7

BP (Großbritannien)

Jahresumsatz: 118,35 Milliarden Dollar

Platz 8

ConocoPhillips (USA)

Jahresumsatz: 76,67 Milliarden Dollar

Platz 9

Cnooc (Hongkong)

Jahresumsatz: 63,12 Milliarden Dollar

Platz 10

Eni (Italien)

Jahresumsatz: 63 Milliarden Dollar

Quelle

Thomson Reuters/Unternehmensangaben

Der Branchenprimus Exxon Mobil gab am Freitag bekannt, dass im zweiten Quartal die Hälfte des Gewinns wegbrach. Bei Chevron betrug das Minus sogar 90 Prozent. Auch BP kündigte in dieser Woche an, die Investitionen weiter herunterzufahren.

Die großen Ölgesellschaften stehen weltweit unter Druck, nachdem der Rohölpreis im vergangenen Jahr abgerutscht ist. Bis Ende Juni 2014 war ein Barrel der Nordseesorte Brent (159 Liter) noch knapp 115 Dollar wert. Aktuell kostet Öl in Europa nur noch 53 Dollar. Die Einigung mit Iran im Atomstreit hat den Preis seit Anfang Juli noch einmal stärker fallen lassen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Annette Bollmohr

31.07.2015, 13:28 Uhr

Die Zeiten ändern sich, und der Klimawandel lässt grüßen.

Auch die, die nicht an ihn glauben.

Account gelöscht!

31.07.2015, 13:58 Uhr

@Annette Bollmohr
Das mit dem "Glauben" ist immer so eine Sache!

Ich sehe in dem großen Angebot von billiger Energie = Oel keine Problem der Angebotsseite, sondern eher ein Problem auf der Nachfrageseite. Die Wirtschaft und damit die Innovationskraft müsste auf Basis des billigen Oel regelrecht explodieren. Stattdessen setzt die Politik in vielen Industrieländern auf die hochsubventionierten Erneuerbaren Energien. Diese Erneuerbaren Energien basieren jedoch nicht auf der wohlstandsschaffenden/werteschaffenden Marktwirtschaft, sondern auf Subventionsgesetzen. In Deutschland auf dem EEG. Eine wirtschaftlche Wertschöpfungskette zum Wohl unserer Gesellschaft ist jedoch nur mit der Marktwirtschaft und somit mit billiger Energie = Oelpreis zu haben. Die Politiker der Industrieländer verweigern den Verbrauchern/Investoren durch ihre politischen und marktfeindlichen Gesetzen (EEG, CO2 Einsparverordnung usw.) die Zukunft. Die Zukunft der Industrie/Wirtschaft durch die Schaffung von wertschöpfenden Arbeitsplätzen und damit für Wohlstand und Innovations/Entwicklungskraft für eine Gesellschaft die Basis zu bereiten.

Herr Josef Schmidt

31.07.2015, 15:31 Uhr

Das ist auch gut so. Warum soll der Pendler die Taschen der Aktionäre füllen ?

Exxon macht auch so statt 8 Milliarden jetzt 4 Milliarden Gewinn. Ist immer noch eine ganze Menge Geld.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×