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02.02.2017

12:08 Uhr

Shell

Der Schuldenberg schmilzt – ganz langsam

VonFranz Hubik, Kerstin Leitel

Nach der Übernahme des Gasförderers BG schossen bei Shell die Verbindlichkeiten in die Höhe. Nun kann der britisch-niederländische Ölmulti erstmals Schulden tilgen und den Gewinn steigern – die Bilanz leidet trotzdem.

„Unsere Strategie beginnt sich auszuzahlen“, sagte der Shell-Chef. Reuters, Sascha Rheker

Ben van Beurden

„Unsere Strategie beginnt sich auszuzahlen“, sagte der Shell-Chef.

Düsseldorf, LondonSo euphorisch zeigte sich Ben van Beurden schon lange nicht mehr. „Unsere Strategie beginnt sich auszuzahlen“, frohlockte der Vorstandschef des britisch-niederländischen Ölkonzerns Shell am Donnerstag in London – an genau dem Ort, an dem er vor zwei Jahren die Milliarden-Übernahme des britischen Gasförderers BG Group verkündet hatte. Der Grund für seine Zuversicht: Erstmals seit Sommer 2015 gelang es Shell Ende des vergangenen Jahres Schulden zu tilgen statt weiter Verbindlichkeiten anzuhäufen.

Konkret konnte Shell seine Nettoschulden im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum dritten Quartal um mehr als fünf Milliarden reduzieren. In den Quartalen zuvor sind die Verbindlichkeiten dagegen stets angestiegen, sodass Shell zum Jahresende 2016 immer noch ein gigantischer Schuldenberg in der Höhe von rund 73,3 Milliarden Dollar drückt. Zum Vergleich: 2013 betrugen die Nettoschulden des Konzerns 33,5 Milliarden Dollar.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Doch in Folge des Ölpreisverfalls, der im Sommer 2014 einsetzte, und dem BG-Zukauf 2015, verdoppelten sich Shells Verbindlichkeiten beinahe innerhalb von drei Jahren. Mit der nun erfolgten Wende hin zum Schuldenabbau statt erneutem Schuldenaufbau sieht Shell-Chef van Beurden den Konzern wieder „auf Kurs“. Denn der Ölmulti konnte 2016 Unternehmensanteile im Wert von 10 Milliarden Dollar versilbern. Zu einem Deal im Volumen von weiteren fünf Milliarden will Shell „in naher Zukunft“ etwas mitteilen.

Insgesamt will Shell mit Hilfe eines 30 Milliarden Dollar schweren Verkaufsprogramms den enormen Schuldenberg abbauen. Erst Anfang der Woche meldete Shell weitere Fortschritte bei der Umsetzung dieses Plans. Der Ölmulti stößt mehr als die Hälfte seines Produktionsgeschäfts in der britischen Nordsee ab und kassiert für die Anteile an den verschiedenen Öl- und Gasförderstätten bis zu 3,8 Milliarden Dollar. Zudem trennt sich Shell von seiner Beteiligung an einem Gas-Projekt in Thailand, das nun für 900 Millionen Dollar nach Kuwait verkauft wird.

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Shell leidet ebenso wie alle anderen Ölmultis darunter, dass ein Barrel Rohöl (159 Liter) mit rund 55 Dollar heute nur mehr halb so viel wert ist wie noch Mitte 2014. Nicht zuletzt deswegen spülte das Tagesgeschäft von Shell 2016 nur mehr 20,6 Milliarden Dollar in die Kassen. Ein Minus im Vergleich zu 2015 von 30 Prozent. Die liquiden Mittel des britisch-niederländischen Konzerns sind zudem binnen eines Jahres um fast 40 Prozent abgeschmolzen – auf nur mehr 19,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz sackte um fast 12 Prozent ab. Im Vorjahr erwirtschaftete Shell nur mehr Erlöse in der Höhe von rund 240 Milliarden Dollar.

Dennoch hat der Konzern bei seiner Kostenstruktur deutliche Fortschritte gemacht. Shell-Chef van Beurden betonte, dass das Kostenlevel, unter dem Shell operiere, heute um zehn Milliarden Dollar geringer ausfällt als noch vor 24 Monaten. Van Beurden will den Ölmulti Shell allmählich von Öl und Benzin entwöhnen und das Unternehmen auf Energieträger fokussieren, die weniger schädlich fürs Klima sind. „Wir glauben, dass der Klimawandel passieren wird und es notwendig ist, zu handeln“, erklärte van Beurden. „Wir wollen Vorreiter sein und davon profitieren – und nicht in die Defensive gedrängt werden. Und wir denken, das schaffen wir auch.“ Dabei setzt Shell vor allem auf Gas, da der Brennstoff beim Abfackeln weit weniger Kohlendioxid-Emissionen ausstößt als etwa Öl.

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