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04.02.2016

09:49 Uhr

Shell und der Ölpreis

Nur noch ein „Mini-Gewinn“ für Öl-Multi-Verhältnisse

Der Shell-Gewinn bricht um 90 Prozent ein. Der Ölkonzern verschärft daher kurz vor der Übernahme von BG den Sparkurs. Nur die Aktionäre haben vorerst nichts zu befürchten.

Der Ölmulti verschärft nach einem Gewinneinbruch seine Sparanstrengungen. Reuters

Shell-Tankstelle

Der Ölmulti verschärft nach einem Gewinneinbruch seine Sparanstrengungen.

LondonDie abgestürzten Ölpreise haben auch beim britisch-niederländischen Rohstoffriesen Shell den Gewinn einbrechen lassen. Unterm Strich verdiente der Konzern im vergangenen Jahr noch 1,9 Milliarden US-Dollar (1,73 Milliarden Euro) – fast 90 Prozent weniger als 2014. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit.

BP, Exxon, Shell: Alle Öl-Giganten schmieren ab

BP, Exxon, Shell

Alle Öl-Giganten schmieren ab

Der Energieriese BP fährt wegen des Ölpreisverfalls den höchsten Verlust seit über 20 Jahren ein. Erneut werden die Investitionen gedrosselt. Die dramatischen Zahlen sind auch ein schlechtes Omen für die Konkurrenten.

Shell steht kurz vor der Übernahme des britischen Gasförderers BG Group und hatte bereits Ende Januar vorläufige Zahlen gemeldet. Angekündigt wurde, im Zuge des BG-Deals rund 10.000 Stellen in beiden Konzernen abzubauen – dies wurde nun bestätigt. Der Sparkurs bei Shell soll fortgesetzt werden, die Kosten sollen im laufenden Jahr um weitere drei Milliarden Dollar (2,74 Milliarden Euro) gedrückt werden.

Alle Ölkonzerne stehen derzeit wegen des Ölpreisverfalls unter hohem Druck; auch BP, Exxon Mobil oder Chevron macht die Schwemme des wichtigen Rohstoffes zu schaffen. Wie einige Konkurrenten lässt aber auch Shell die Dividende unangetastet: Seinen Anteilseignern will das Unternehmen für das abgelaufene Jahr 1,88 Dollar je Aktie zahlen.

Die Transaktion mit BG soll nun binnen Wochen abgeschlossen werden, wie Shell-Vorstandschef Ben van Beurden am Donnerstag erklärte. Mit der Übernahme werde „ein neues Kapitel für Shell“ aufgeschlagen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

BG ist Großbritanniens drittgrößter Energiekonzern, hervorgegangen aus der ehemaligen Firma British Gas. Das Unternehmen bietet eine starke Position bei verflüssigtem Gas (LNG). Nach vollzogener Übernahme wäre Shell doppelt so viel wert wie der Konkurrent BP und läge vor dem US-Wettbewerber Chevron. Größer wäre nur noch der US-Gigant Exxon Mobil.

Der Ölpreis fällt bereits seit Mitte 2014; von damals rund 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) rutschte er auf zuletzt rund 30 Dollar. Hintergrund ist ein Überangebot am Markt gepaart mit einer verhaltenen Nachfrage. Hinzu kommen Sorgen um die Konjunktur in China, dem größten Ölverbraucher der Welt.

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