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05.08.2015

12:18 Uhr

Siemens baut Windkraft-Fabrik

Die Meerwind-Offensive aus München

Siemens baut für 200 Millionen Euro eine neue Windkraft-Fabrik in Cuxhaven. Deutschlands größter Industriekonzern will damit die Kosten der Technologie senken – und Offshore-Windstrom endlich wettbewerbsfähig machen.

Siemens will Offshore-Windstrom wettbewerbsfähig machen. dpa

Windpark in der Nordsee

Siemens will Offshore-Windstrom wettbewerbsfähig machen.

Windenergie auf hoher See und Siemens – diese Kombination war bis dato nicht gerade ein Erfolgsgarant. Der Münchner Konzern hat sich beim Bau von mehreren Stromrichter-Plattformen verhoben und sträflich unterschätzt, wie schwierig die Anbindung von Meerwindparks an das Stromnetz in der Praxis ist. Weitreichende Verzögerungen waren die Folge. Der Konzern setzte fast eine Milliarde in den Sand. Doch diese Kinderkrankheiten hat Siemens mittlerweile überwunden und geht jetzt mit dem Bau einer neuen Windkraft-Fabrik in die Offensive.

Im niedersächsischen Cuxhaven, wo die Elbe in die Nordsee mündet, will Siemens ab 2017 Maschinenhäuser für Offshore-Windturbinen fertigen. Rund 200 Millionen Euro lässt sich die weltweite Nummer eins im Offshore-Windgeschäft die neue Produktionsstätte kosten. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“, sagte Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens.

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Die Geschwindigkeit der Energiewende steht und fällt mit dem Ausbau der Windkraft – an Land und auf See. Der Übertragungsnetz-Betreiber Tennet, der Anlagen in der Nordsee anschließt, gibt weiter Gas.

Bis zu tausend neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Es ist das größte Neubauprojekt von Siemens im Produktionsbereich in den vergangenen Jahren. Kaeser sieht die Fabrik als „eine Riesenchance für Norddeutschland und Siemens“. Der Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Direkt an der Hafenkante in Cuxhaven ist die neue Fertigung auf einer Fläche von 170.000 Quadratmetern geplant. Das entspricht in etwa der Größe von 24 Fußballfeldern. Generatoren, Naben sowie Gondelteile sollen in der Fabrik zu kompletten Maschinenhäusern – quasi den Herzstücken von Offshore-Windenergieanlagen – zusammengesetzt werden.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Siemens setzt dabei darauf, dass das Windgeschäft auf hoher See weiter anzieht. Denn die Flaute ist erst einmal überwunden – auch in Deutschland. In der Nord- und Ostsee drehen sich bereits mehr als 260 Windräder. Bis Jahresende dürfte sich die Kapazität verdreifachen – von einem Gigawatt auf mehr als drei Gigawatt. Doch die Kosten für Meerwindparks sind weiterhin extrem hoch.

Kommentare (3)

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05.08.2015, 15:14 Uhr

Siemens verbrennt hier eindeutig 200 Mio. Euro. Wenn Siemens schon weis, dass im Jahr 2017 das EEG-Subventionsgesetz ausläuft und die Betreiber der Windmühlen ihren Strom ausschreiben müssen, dann hat sich das mit der Energiewende endgültig erledigt. Die sog. Erneuerbaren Energien basieren auf einen politischen Subventionsgesetz = EEG und nicht auf der freien Marktwirtschaft = Gesellschaft. Und somit war die Energiewende und mit ihr die Windmühlen Solarparks schon vor dem Start der Energiewende am Markt gescheitert. Mit jeder Reform des EEG kommt mehr und mehr die Marktrealität zurück. Und das wird der Tod für die Erneuerbaren Energien sein.

Herr Martin Jakubowski

05.08.2015, 16:37 Uhr

Das EEG verhindert technologischen Fortschritt in den erneuerbaren Energietechnologien. Hohe, garantierte Vergütungen sind weder volks- noch betriebswirtschaftlich wünschenswert, denn sie verhindern Fortschritt bei der Entwicklung neuer, effizienterer Technologien. Eine Carbon-Tax, wie in der kanadischen Provinz British Columbia verwirklicht, wäre viel effizienter und würde die traurige deutsche Abzocke beenden. Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt würden viel mehr von solch einer Carbon- Tax profitieren! Siehe: http://www.fin.gov.bc.ca/tbs/tp/climate/A1.htm
Nicht die erneuerbaren Energien müssen gefördert werden, sondern CO2-Emission muss besteuert werden! Wer Umwelt verschmutzt muss zahlen. Erneuerbare Energien müssen Standard werden!

Account gelöscht!

06.08.2015, 10:42 Uhr

@Martin Jakubowski
Seit wann ist CO2 ein Umweltverschmutzer? OHNE CO2 würden Sie und ich und das gesamte Leben nicht mehr existieren. Machen Sie sich erstmal über den CO2 Kreislauf schlau. Danke!
Und wenn Sie eine innovative Entwicklung suchen, dann sollten Sie für die Kernkraft Forschung und Weiterentwicklung sein. Nur die Kernkraft hat das Potential genug Energie auf kleinen Raum für die Zukunft der Menschen bereit zu stellen. Und die Energiedichte ist der Schlüssel bei der Zukünftigen Energiequelle. Danke!

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