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05.05.2014

17:25 Uhr

Siemens im Bieterkampf

Alstom-Chef geht auf Kaeser zu

Alstom-Chef Kron will die Wogen im Bieterkampf zwischen Siemens und General Electric glätten. Es habe ein „herzliches“ Telefonat gegeben, in dem Kron Siemens-Chef Kaeser ein „transparentes Vorgehen“ zugesichert habe.

Der Poker um Alstom wird immer mehr zur Nervenschlacht: Die EU-Kommission könnte einen möglichen Deal mit Siemens wohl verzögern. Reuters

Der Poker um Alstom wird immer mehr zur Nervenschlacht: Die EU-Kommission könnte einen möglichen Deal mit Siemens wohl verzögern.

ParisIm Bieterkampf um Alstom will dessen Konzernchef Patrick Kron offenbar den Streit mit dem Kaufinteressenten Siemens entschärfen. In einem Telefonat mit Siemens-Chef Joe Kaeser habe Kron am Montag beim Verkauf der Alstom-Energiesparte ein vollkommen „transparentes“ Vorgehen zugesichert, verlautete am Montag aus informierten Kreisen. Zuvor hatten der französische Konzern und der deutsche Industrie-Riese in Briefen an die jeweils andere Seite gegenseitig schwere Vorwürfe erhoben. Siemens will ebenso wie der US-Konkurrent General Electric die Alstom-Energiesparte übernehmen.

Kron und Kaeser hätten in einem „herzlich“ geführten Telefonat über die Absicht von Siemens gesprochen, in einen „Prozess“ um eine solche Übernahme einzusteigen, verlautete aus den informierten Kreisen. Kron habe zugesagt, „dass Alstom diesen 'Prozess' strikt transparent organisieren wird, genauso, wie es bei General Electric gehandhabt wurde“.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Der Alstom-Verwaltungsrat hatte sich vergangene Woche für das Angebot von General Electric ausgesprochen, der US-Konzern will für die Energiesparte des französischen Unternehmens 12,35 Milliarden Euro zahlen. Siemens kann aber noch in den kommenden Wochen ein eigenes ausformuliertes Angebot vorlegen. Siemens hat bereits Interesse an einem Kauf der Alstom-Energiesparte angemeldet und bewertet diese bislang mit bis zu elf Milliarden Euro. Alstom baut unter anderem Kraftwerke und den Hochgeschwindigkeitszug TGV und will sich künftig ganz auf das Schienengeschäft konzentrieren.

Der Bieterkampf führte zu viel bösem Blut zwischen Siemens und Alstom. Der deutsche Konzern warf Kron vor einer Woche in einem Schreiben eine "mangelnde Kooperation" vor. Kron sei an einem "direkten Dialog" über das mögliche Geschäft mit Siemens nicht interessiert gewesen. Der französische Konzernchef reagierte am Wochenende in einem Brief an Kaeser, in dem er laut deutschen Medien von "unfairen Äußerungen" von "Kollegen" des Siemens-Chefs spricht. Er wolle diesen Vorwürfen "stark widersprechen".

Der deutsche Konzernbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall haben nun in dem Bieterkampf eine faire Standortpolitik gefordert. „Es bedarf der Gleichbehandlung der verschiedenen deutschen und internationalen Standorte, um ein gegenseitiges Ausspielen der betroffenen Regionen und Länder zu vermeiden“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Siemens und General Electric haben Interesse an dem Konzern.

Die bisherigen Informationen reichen aus Betriebsratssicht nicht aus, um einen Favoriten zu nennen: „Ausschlaggebende Kriterien für eine solche Entscheidung sind in erster Linie die Perspektiven einer möglichst nachhaltigen Unternehmenspolitik und Arbeitsplatzsicherung an den weltweiten Standorten der beteiligten Unternehmen.“

Derweil wurde der Vorstandsvorsitzende von Alstom Deutschland mit Sitz in Mannheim, Alf Henryk Wulf, im Amt bestätigt. Sein Vertrag wurde um weitere drei Jahre verlängert. „Gerade vor dem Hintergrund eines schwierigen Umfeldes in der Energiewirtschaft ist die Verlängerung des Vertrages ein besonderer Vertrauensbeweis des Unternehmens“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Mangold.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 17:01 Uhr

Zitat : Es habe ein „herzliches“ Telefonat gegeben


Ohne einer Due-Diligence-Prüfung geht nichts : da kann es sogar intime Telefonate geben.....die nützen in diesem Fall nichts !

Finger weg von einem maroden Franzosenladen !

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