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08.12.2014

06:11 Uhr

Sinkende Preise

Wer vom billigen Öl profitiert

VonLukas Bay

Der Fracking-Boom in den USA lässt die Erdölpreise auf neue Tiefstände fallen. Das kurbelt die Konjunktur an und sorgt für Freude an der Zapfsäule. Doch wie nachhaltig ist das billige Öl?

Experte zum Ölpreis

„Unter die Marke von 60 wird der Preis nicht fallen!“

Experte zum Ölpreis: „Unter die Marke von 60 wird der Preis nicht fallen!“

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DüsseldorfDie Lufthansa hat es derzeit nicht leicht. Die Piloten streiken, Billig-Airlines und die Araber nehmen Deutschlands größte Fluggesellschaft in die Zange. Gut, dass derzeit wenigstens die Kosten sinken. Schuld ist der niedrige Ölpreis. Die Kerosinausgaben machen bei Fluggesellschaften etwa ein Drittel der Betriebskosten aus. Das erlaubt es der Lufthansa, ein wenig durchzuatmen.

Nicht nur bei Fluggesellschaften, sondern auch bei Reedereien und Logistikkonzernen schlägt sich das billige Öl positiv in der Bilanz nieder – und wird zu einem scheinbar kostenlosen Konjunkturprogramm. Sinken die Rohölpreise um 30 Prozent, wachsen die Industrieländer um zusätzliche 0,8 Prozent, rechnete zuletzt der IWF vor.

Ölpreis: Hohes Angebot setzt Preise weiter unter Druck

Ölpreis

Hohes Angebot setzt Preise weiter unter Druck

Die Talfahrt setzt sich fort: Zum Wochenstart sind die Ölpreise weiter gesunken, im Vergleich zur Vorwoche brechen sie erneut um bis zu 84 Cent je Barrel ein. Auch Daten aus China können die Ölpreise nicht stützen.

„Volkswirtschaftlich wirkt sich dies positiv auf die konjunkturelle Entwicklung aus, da mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung stehen“, sagt auch Ölexpertin Claudia Kemfert von Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Gründe für die Ölpreisentwicklung sieht sie nicht alleine in der Realwirtschaft. Ihrer Ansicht nach haben sich die fundamentalen Marktdaten nicht verändert. „Neu ist allerdings, dass die Erwartungen sich ändernder Ölpreise Spekulanten und Investoren anlocken“, sagt Kemfert.

Für viele Umweltschützer ist der niedrige Ölpreis dagegen ein Ärgernis, denn sparen lohnt sich immer weniger. „Für die Umstellung auf umweltfreundliche Heizungen und Autos ist der niedrige Ölpreis sicher ein Hemmschuh“, sagt Jan Burck, Klimaexperte von der Umweltschutzorganisation Germanwatch. Möglich, dass überfällige Modernisierungen auf die lange Bank geschoben werden.

Paradoxerweise könnte es aber auch positive Folgen für die Umwelt haben, wenn der Ölpreis weiter fällt. Das umstrittene Fracking, also das Aufbrechen tiefer Gesteinsschichten zur Ölförderung, könnte bei niedrigen Preisen unrentabel werden.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Einen merklich steigenden Verbrauch, insbesondere im Verkehrssektor, erwartet Umweltschützer Burck nicht aus den gesunkenen Ölpreisen. Die Nachfrage sei relativ unelastisch - so wie steigende Preise nicht zwangsläufig zu einem geringeren Verbrauch führen, sei derzeit auch nicht das Gegenteil zu erwarten.

Einige Länder fürchten zudem, dass das billige Öl den Deflationstrend verstärken könnte – eine Entwicklung, die man bei der EZB in Frankfurt nicht gerne sieht. Denn mit dem Ölpreis fallen auch die Kosten für erdölhaltige Produkte, also etliche Kunststoffe.

Auch in den Exportstatistiken der ölproduzierenden Länder schlägt sich der niedrige Ölpreis nieder. Nicht umsonst setzten sich Staaten wie Iran und Russland innerhalb der Opec zuletzt dafür ein, wieder höhere Preise durchzusetzen.

Kommentare (18)

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Herr Thomas Egger

08.12.2014, 07:32 Uhr

Na, der Autor hatte wohl noch etwas Restalkohol vom Wochenende, hm..?
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

08.12.2014, 07:48 Uhr

Wir als freie Bürgerschaft profetieren von jeglicher Art von "Billiger Energie"!
Nur will der deutsch-euopäische Diktaturstaat EU-Deutschland nicht, dass wir diese "Billige Energie" bekommen und belegt diese Energie noch mit asozialen und perfiden CO2-EEG und anderen Steuer-Abgaben.
Der EU-Deutsche Staat will alles daran setzen, dass wir immer mehr an den Staat über den Oel-und Strompreis zahlen und damit wird dieser Öko-Sozialistische Staat zum Diktator unserer freien Marktgesellschaft. Wird Zeit, dass diese diktatorische grünsozialistische Einheitspartei von Union, SPD, Linke und vor allen der Grünen aus Deutschland verjagt werden. Danke!

Herr Norbert Wolter

08.12.2014, 08:22 Uhr

Viele erwarten angesichts eines weiter fallenden Ölpreises eine Pleitewelle bei den Frackern, anschließend steigende Preise, zufriedene Araber die entspannt an ihren Wasserpfeifen nuckeln, glückliche Russen - SED-AfD-ler und vice versa.
Man sollte genau unter die Lupe nehmen, welche Unternehmen fracken und welches Unternehmen mit welchem amerikanischen Ölproduzenten in Verbindung steht. Hier wären dann die Kapitalverhältnisse nicht uninteressant. Sollten Unternehmen pleite gehen, bitte Chapter 11 nicht vergessen. Notfalls steht Vater Staat Gewehr bei Fuß. Gläubiger und Banken kieken in die Röhre. High yield loans? Nur keine Panik, wie gesagt Vater Staat=Fed=Greenback machen das schon. Sollte der Ölpreis die magische Schwelle von 70 $ überschreiten, würde sich Fracking ja wieder lohnen. Also kann ich mir nicht vorstellen, dass der Ölpreis in den nächsten Monaten signifikant Richtung Höchststände marschiert. Im Gegenteil, die Amis haben begriffen, dass die Abhängigkeit von den Saudis und der Opec nicht gut ist, weil der Petrodollar den Terror finanziert. Also werden sie strikt darauf achten, unabhängig in Sachen Öl zu bleiben.

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