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30.03.2016

15:26 Uhr

SMA Solar

Ein Lichtblick im Reich der Sonnenfinsternis

VonFranz Hubik

Deutschlands Solarindustrie liegt am Boden. Eine nicht enden wollende Blutspur zieht sich durch die einstige Hoffnungsbranche. Einzig ein Konzern stemmt sich erfolgreich gegen die Krise: SMA Solar.

In der darbenden Solarbranche gibt es aber auch einen Lichtblick: SMA Solar. dpa

SMA Solar

In der darbenden Solarbranche gibt es aber auch einen Lichtblick: SMA Solar.

FrankfurtMit Sand und Sonne Millionen verdienen: Dem schönen Traum steht längst eine bittere Realität gegenüber. Die deutsche Solarindustrie kämpft ums Überleben. Als noch beinahe unbegrenzt Geld aus den staatlichen Förderquellen sprudelte, eilte die Industrie von Rekord zu Rekord. Doch seit dem Ende der überhöhten Subventionen vor fünf Jahren, geht es nur noch bergab. 2015 ist der heimische Photovoltaikmarkt vollends zusammengebrochen.

Wurden in den Boomjahren um 2010 hierzulande noch Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu acht Gigawatt pro Jahr neu ans Stromnetz angeschlossen, sind es nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Trendresearch heute nur noch 1,4 Gigawatt. Das entspricht gerade einmal der Leistung eines mittelgroßen Atomkraftwerks. Insolvenzen und Beinahepleiten von Unternehmen wie Q-Cells, Solarworld, Sunways, Solon oder Conergy prägen mittlerweile das Bild der einstigen Hoffnungsbranche.

Eine Blutspur durchzieht die Industrie. Rund 84.000 Arbeitsplätze gingen in den vergangenen Jahren in Deutschland verloren. Heute sind in der Bundesrepublik nur noch 49.000 Menschen im Bereich Photovoltaik beschäftigt. In der darbenden Branche gibt es aber auch einen Lichtblick: SMA Solar. Der weltweit führende Hersteller von Wechselrichtern, dem elektronischen Herzstück von Solaranlagen, stemmt sich mit zunehmendem Erfolg gegen die Krise. Der nordhessische TecDax-Konzern hat nach zwei Jahren mit zum Teil tiefroten Zahlen, 2015 den Turnaround geschafft und glänzt wieder mit einem guten Geschäftsergebnis.

Die größten Solarkonzerne der Welt

Platz 10: LDK Solar

Der chinesische Solarproduzent LDK Solar ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Anbieter von sogenannten Wafern, die zum Bau von Solarmodulen gebraucht werden. Die Firma, die 2015 ein Insolvenzverfahren beendete, erwirtschafte im Jahr 2014 einen Umsatz in Höhe von 680 Millionen Dollar.

Quelle: Statista, Unternehmen

Platz 9: Solarworld

Noch vor zwei Jahren stand Solarworld vor dem Zusammenbruch. Nun scheint sich das deutsche Unternehmen wieder berappelt zu haben. Der Umsatz 2014 betrug 697 Millionen Dollar.

Platz 8: SMA

Ende Januar 2015 verkündete SMA Solar aus Kassel die umfangreichste Personal-„Anpassung“ in der Geschichte des Unternehmens. Hunderte Stellen wurden gestrichen. 2014 machte der Konzern einen Umsatz in Höhe von 978 Millionen Dollar.

Platz 7: Yingli

Insgesamt ist der Absatz von Yingli Solar, auch Yingli Green Energy Holding Company, im Jahr 2014 gestiegen, doch der Umsatz war leicht rückläufig. Der chinesische Konzern erzielte einen Umsatz in Höhe von 2,08 Milliarden Dollar.

Platz 6: Trina Solar

Der chinesische Hersteller von Wafer- und Solarzellen hat den Umsatz 2014 gesteigert auf 2,28 Milliarden Dollar.

Platz 5: Sunedison

Dem Unternehmen geht es nicht besonders gut: 2015 kündigte Sunedison an, in Zukunft mehr als 1000 Stellen abzubauen. 2014 erwirtschaftete das US-Photovoltaik-Unternehmen 2,84 Milliarden Dollar Umsatz.

Platz 4: Sharp Solar

Das Geschäftsjahr von Sharp Solar endet immer zum 31. März. 2013/2014 erlöste der japanische Konzern 2,52 Milliarden Dollar.

Platz 3: Canadian Solar

2011 ist Canadian Solar in das Sport-Sponsoring der Fußball-Bundesliga eingestiegen und sponsert seitdem die Vereine Hannover 96 und 1. FC Nürnberg. Der Umsatz des Solarmodule-Herstellers lag 2014 bei 2,96 Milliarden Dollar.

Platz 2: Sunpower

Das Jahr 2014 war erfolgreich für Sunpower: Das US-Unternehmen hat erstmals in seiner Geschichte innerhalb eines Jahres mehr als 3 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 1: First Solar

Den größten Umsatz erzielte 2014 der auf Dünnschicht-Technologie spezialisierte US-Solarkonzern Firts Solar. Der Umsatz stieg leicht um 2,4 Prozent auf 3,39 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete SMA einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Das ist ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach fast 180 Millionen Euro Verlust 2014, meldet das Unternehmen aus Niestetal bei Kassel für 2015 einen Gewinn in der Höhe von 14,3 Millionen Euro. Die Schulden schrumpfen, die Nettoliquidität steigt und die Eigenkapitalquote kletterte auf mehr als 49 Prozent.

„Das ist ein wahnsinniger Erfolg“, frohlockte Pierre-Pascal Urbon bei der Präsentation der SMA-Bilanz am Mittwoch in Frankfurt. Der Vorstandsvorsitzende des Solarkonzerns avanciert zum Liebling der Anleger. Die Aktie von SMA zählte im vergangenen Jahr mit einem Kursanstieg von 238 Prozent bereits zu den absoluten Gewinnern. Jetzt will Urbon den SMA-Eigentümern noch eine Dividende von 0,14 Euro je Aktie ausschütten.

Die Basis für die geglückte Restrukturierung von SMA bildet ein hartes Sparprogramm. Denn auch der TecDax-Konzern wurde durch den rapiden Einbruch des deutschen Solarmarkts von mehr als 80 Prozent und die starke Konkurrenz aus Fernost arg gebeutelt. 1400 Mitarbeiter mussten deswegen im vergangenen Jahr gehen. Etwa ein Drittel davon im Bereich Forschung und Entwicklung. Der Vorstand wurde von fünf auf drei Personen verkleinert.

Konzern-Boss Urbon krempelte den ganzen Konzern um und schraubte sukzessive den Auslandsanteil in die Höhe. Machte SMA 2010 noch fast 60 Prozent seines Umsatzes in Deutschland, sind es heute nicht einmal mehr 13 Prozent.

Warum muss die Solarbranche darben?

In den SMA-Werken wurden schrittweise Produktplattformen nach dem Vorbild der Autoindustrie eingeführt. Das Ziel: weniger Komponenten und damit geringere Kosten. Statt 45 Bauteilen hat der neueste kompakte Wechselrichter von SMA, der den Solarstrom vom Dach in Wechselstrom für die Steckdose umwandelt, nur noch 15 Bauteile.

Durch den gemeinsamen Einkauf mit dem dänischen Wärme- und Kältetechnik-Spezialisten Danfoss, der mit 20 Prozent an SMA beteiligt ist, spart SMA jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Die Fixkosten wurden unter anderem dadurch um mehr als 150 Millionen Euro gesenkt.

Dieses Jahr will SMA beim Umsatz die Milliardenmarke knacken. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll von aktuell 34 Millionen Euro auf bis zu 120 Millionen Euro steigen. Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig.

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