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18.07.2013

17:12 Uhr

Solar-Skandal

Q-Cells-Insider muss gehen

ExklusivEr ist sich keiner Schuld bewusst. Trotzdem beendet Wirtschaftsminister Möllring die Zusammenarbeit mit Johannes von der Osten. Der Staatsmanager hatte mit Aktien des Solarzellenherstellers Q-Cells Millionen verdient.

Der Skandal um den Solarzellenhersteller Q-Cells weitet sich aus. dpa

Der Skandal um den Solarzellenhersteller Q-Cells weitet sich aus.

DüsseldorfDer Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Hartmut Möllring, zieht Konsequenzen aus dem vom Handelsblatt aufgedeckten Insider-Skandal beim Solarzellenhersteller Q-Cells. „Das Land und die IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH werden sich von der Goodvent Beteiligungsmanagement GmbH & Co. KG und ihrem Geschäftsführer, Herrn von der Osten, trennen“, teilte das Ministerium mit. „Kapital braucht Vertrauen, Vertrauen setzt Transparenz voraus“, sagte Möllring. „Daher ist eine Grundlage zur Zusammenarbeit mit Goodvent nicht mehr gegeben.“

Das Handelsblatt hatte am Dienstag berichtet, dass Dinnies Johannes von der Osten, der von 1998 bis 2007 Geschäftsführer der landeseigenen Beteiligungsgesellschaft IBG war, schon seit 1999 Anteile an Q-Cells hielt. Im Jahr 2000 beteiligte sich dann die IBG mit 4,1 Millionen Euro an Q-Cells. Später flossen noch mehr als 40 Millionen Euro Fördergelder über andere Fördergesellschaften. Niemand im Ministerium hatte davon Kenntnis, dass hier Millionen an eine Firma flossen, an der ein Staatsmanager selbst beteiligt war. Von der Osten ließ seine Anteile von einem Treuhänder verwalten. Ab 2001 war sein Treuhänder Thomas van Aubel, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender von Q-Cells war. 2006 verkaufte von der Osten Q-Cells-Aktien für hohe zweistellige Millionenbeträge. 2012 meldete Q-Cells Insolvenz an.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Von der Osten ist der Meinung, sein Vertrag bei der IBG habe ihn weder daran gehindert, sich an geförderten Unternehmen zu beteiligen, noch sei er dazu verpflichtet gewesen, etwaige Beteiligungen offenzulegen. Das Land ist nun, auch nach Rücksprache mit Rechtsberatern, anderer Meinung. Im Ministerium hieß es, in dieser Affäre sei ein klarer Schnitt nötig.

Nach Informationen des Handelsblattes ist der Skandal damit noch nicht ausgestanden. Offenbar gibt es weitere Gesellschaften, die einerseits durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert wurden, an denen andererseits von der Osten aber auch privat beteiligt war. Von der Osten beantwortete hierzu zunächst keine Fragen.

Von

iw

Kommentare (2)

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GelegentlichMitMeinung

18.07.2013, 17:44 Uhr

Hier besteht doch auch nicht der geringste Zweifel, daß es sich um lupenreinen Insiderhandel handelt.
Hoffentlich geht man auch allen anderen an den Kragen, die sich bei solch schmutzigen Machenschaften die Taschen gefüllt haben. Der Staatsmanager ist doch nicht der einzige.

LuckyLuke

26.07.2013, 08:44 Uhr

wieso hat hier noch keiner Strafanzeige gestellt? Die Schweinerei, auch wenn der Clever-Manager das nicht so sieht, ist doch offensichtlich! Oder halten hier andere Personen eine schützende Hand darüber.....
Wie auch immer, der Verfall der guten Sitten /Manieren /Moral ist auch bei diesem "SAUBERMANN" mit Fliege nicht von der Hand zu weisen.
Die deutschen Politiker(innen) und deren Umfeld und dazu gehören die Manager der landeseigenen Beteiligungsgesellschaften nutzen die Positionen aus um sich selbst zu bereichern! Vorbildfunktion ade es lebe wild-west der Hinterlistigste gewinnt!

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