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28.03.2013

13:43 Uhr

Solarbranche

Phoenix Solar sieht Licht am Ende des Tunnels

Phoenix Solar spart sich gesund: Für 2014 stellt der Vorstandschef sogar einen operativen Gewinn in Aussicht. Vorerst leidet der Solar-Kraftwerksentwickler aber noch unter Umsatzrückgängen von mehr als 60 Prozent.

Techniker installieren Solarzellen auf einem Dach: Solar-Kraftwerksentwickler Phoenix Solar kämpft vorerst noch mit Umsatzrückgängen. ap

Techniker installieren Solarzellen auf einem Dach: Solar-Kraftwerksentwickler Phoenix Solar kämpft vorerst noch mit Umsatzrückgängen.

DüsseldorfDer defizitäre Solar-Kraftwerksentwickler Phoenix Solar hofft, nach Personalabbau und Umstrukturierungen das Schlimmste hinter sich zu haben. Der Vorstand kündigte am Donnerstag für das laufende Jahr einen Anstieg der Erlöse auf 160 bis 190 Millionen Euro sowie eine Verringerung des operativen Verlustes (Ebit) auf zwei bis sieben Millionen Euro an. 2014 soll dann bei weiteren Erlössteigerungen um fünf bis neun Prozent ein operativer Gewinn erzielt werden.

„Mit der strategischen Neuausrichtung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um Phoenix Solar wieder zu profitablem Wachstum zu führen“, erklärte Vorstandschef Bernd Köhler, der jüngst Andreas Hänel im Amt ablöste. Dieser Weg werde von den Banken unterstützt, die die Finanzierung „mit nur geringen Anpassungen“ vorzeitig um ein weiteres Jahr bis März 2015 verlängert hätten.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Phoenix trennt sich derzeit von verlustbringenden Bereichen. Ein Schwerpunkt soll künftig auf den wachstumsstarken Regionen in Asien und den USA liegen. Dagegen wurden die Kapazitäten in Spanien und Italien auf ein Minimum zurückgefahren. Das aus Deutschland heraus betriebene Geschäft im Handels- und Projektbereich wird in seiner bisherigen Form eingestellt. Die Tochtergesellschaft in Oman solle geschlossen werden.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Die Veränderungen führten im Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2012 zu außerordentlichen Aufwendungen von rund acht Millionen Euro, wie Phoenix Solar mitteilte. Das Unternehmen verbuchte einen operativen Verlust von knapp 32 (Vorjahr: minus 84,7) Millionen Euro und einen Nettoverlust von 37,6 (minus 86,4) Millionen. Der Umsatz sackte wegen des Preisverfalls um über 60 Prozent auf 155,4 Millionen Euro ab.

Von

rtr

Kommentare (2)

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sabotsy

28.03.2013, 15:18 Uhr

Liebe Handelsblatt Redakteure. Wäre in Ihrer Redaktion imstande mir zu erklären warum fast jeden über irgendeine Pleite- oder hoch difizitäre Solarfirma berichtet wird, aber wenn Deutsvhlands bester und rentabelster Solarkonzern einen Umsatz von 200 Mio meldet mit über 8 Mio Ebit und einem Finanzergebnis nach Steurn von 1,1 Mio €, Sie noch nicht mal eine Zeile darüber schreiben. Der beste Solarkonzern, die S.A.G. Solarstrom AG wird von euch einfach totgeschwiegen.
Gehe ich recht in der Annahme, dass dies momentan einfach nicht in das Gesamtbild der Pleiteindustrie passt.
Eine Antwort würde mich freuen.
mfg

BerlinerSonne

10.04.2013, 10:35 Uhr

Naja, anders ausgedrückt wurden aber auch weitere viele Pleiten nicht genannt. Erst recht werden nicht die Ursachen genannt. Die DE-Solarindustrie ist i.W. Opfer des eigenen Größenwahns geworden. (siehe Aspeks "Opel-Übernahme") Wer nicht die Produkte und Produktion mit Innovationen am Rennen hält, ist sehr schnell aus demsölben. S.A.G. mag sicher eine Ausnahme sein.
2. Leider wurde auch die DE-Solarindustrie Opfer einer perfiden politischen Schlammschlacht gegen Rot-Grün, die in der Rasenmäher-Kürzung der Förderung gipfelte. So kam es, dass 2012 die Nutzung geeigneter Dächer nahezu völlig zusammenbrach, dagegen weiterhin wertvolles Ackerland für Freiflächenanlagen "mißbraucht" wurde.

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