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22.06.2013

15:36 Uhr

Solarbranche

Solarworld fordert Festhalten an Strafzöllen für China

Frank Asbeck rechnet mit weiteren Pleiten in der Solarbranche, wenn die Zölle auf chinesische Solarmodule wegfallen. Der Solarworld-Chef sieht auch für andere Branchen eine Gefahr aus Fernost.

Der kriselnde Solarworld-Konzern profitiert von den Strafzöllen auf chinesische Solarprodukte. dapd

Der kriselnde Solarworld-Konzern profitiert von den Strafzöllen auf chinesische Solarprodukte.

BonnSolarworld-Chef Frank Asbeck hat sich vehement dafür ausgesprochen, an Strafzöllen auf chinesische Solarprodukte festzuhalten. „Sonst rollt Peking eine Industrie nach der anderen auf. Zuerst Solar, dann Maschinenbau, Telekommunikation und die Autobranche“, sagte Asbeck der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). China finanziere seit drei Jahren Verkaufspreise unter den Herstellungskosten. Das seien „illegale Methoden“, so Asbeck. „China raubt unsere Industrien.“

Die EU wirft chinesischen Solar-Herstellern vor, ihre Produkte unter Marktwert zu verkaufen. Anfang Juni verhängte die EU-Kommission deshalb gegen den Widerstand mehrerer Länder – auch Deutschland – temporäre Strafzölle. Darauf antwortete China mit Ermittlungen wegen Dumpings von europäischen Stahlrohren, speziellen Chemieprodukten und sogar Wein, was Sorgen über eine Eskalation zu einem Handelskrieg auslöste. Zuletzt hatten sich beide Seiten aber optimistisch mit Blick auf eine Lösung des Solarstreits gezeigt.

Eine Einigung würde auch von führenden Wirtschaftsverbänden begrüßt: „Es ist gut, dass die Kommission schnell mit China spricht“, sagt Ilja Nothnagel, China-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) der Zeitung „Die Welt“ (Samstag). „Die Dynamik, die die gegenseitigen Anti-Dumping-Ankündigungen ausgelöst haben, hat beiden Seiten auch vor Augen geführt, dass es miteinander besser läuft als gegeneinander.“

Asbeck lehnt aber einen Verzicht auf Schutzzölle strikt ab. In der europäischen Solarbranche würde es sonst zu weiteren Pleiten kommen, und auch Solarworld müsste „sicher neue Einschnitte vornehmen“, sagte er. Wenn China sein Ziel eines von ihm dominierten Monopolmarktes erreiche, würden die Verbraucher dafür mit höheren Solarstrompreisen zahlen.

Die Gegner der Schutzzölle sind in dem europäischen Branchenverband „Afase“ organisiert. Sie verweisen auf eine Mitte Februar in Brüssel vorgestellte Prognos-Studie, nach der Schutzzölle höhere Preise für Solaranlagen zur Folge hätten und so die Nachfrage insgesamt stark gedrückt würde. Dann würden zehntausende Jobs allein in Deutschland wegfallen, weil weniger Anlagen montiert und gewartet würden, heißt es in der Studie.

Solarworld setzt bislang fest auf die Zölle. Das einstige Bonner Vorzeigeunternehmen war durch die chinesische Konkurrenz tief in die roten Zahlen geschliddert. Allein 2012 betrug der Verlust knapp 480 Millionen Euro. Andere einst führende Solarunternehmen sind bereits pleite und deutsche Großkonzerne wie Bosch oder Siemens schließen ihre Solarsparten. Asbeck ist dennoch überzeugt von den Zukunftsaussichten der Branche und von Solarworld. Schutzzölle müssten aber einen fairen Wettbewerb wiederherstellen, sagte er vergangenen Dienstag (18.6.).

Bei dem Termin präsentierte er auch einen Rettungsplan für sein einstiges Vorzeigeunternehmen. Danach steigt der Investor Qatar Solar mit 35 Millionen Euro bei Solarworld ein. Er gibt außerdem ein Darlehen von 50 Millionen Euro, Firmengründer Frank Asbeck schießt aus seinem Privatvermögen weitere 10 Millionen Euro zu. 55 Prozent der Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden auf nur noch 5 Prozent des Unternehmenswertes abgewertet. Solarworld beschäftigt derzeit 2600 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Deutschland. In Spitzenzeiten waren es insgesamt 3500.

Asbeck selbst will sich für weitere fünf Jahre als Vorstandsvorsitzender bereit halten, wie er ankündigte. „Mich wird man hier so schnell nicht los“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

22.06.2013, 14:44 Uhr

Es ist erschreckend, dass das Handelsblatt einem Öko-Mafioso wie Asbeck ein Forum bietet. Das Argument, dass der chinesische Staat mit Subventionen agiert, ist Schwachsinn. Auch in China sind schon Solarplattenhersteller bankrott gegangen. Fakt ist, dass chinesische Unternehmen effizienter arbeitet, dass die staatlichen Strukturen in China schlanker sind und dass in der BRD endlich begriffen werden muss, dass der Wohlfahrtsstaat hierzulande ein Auslaufmodell ist.

Hans

23.06.2013, 01:17 Uhr

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, , doch das wollen diese Art von Unternehmern nicht hören !
Am besten total abgeschirmt weiter werkeln und verdienen !

Bratwurst

23.06.2013, 04:43 Uhr

Das WIR hat die sozialistische Quallenwirtschaft, die nur durch starke Subventionierung (oder Besteuerung von Importen) überleben kann, gewählt. Quallenzucht, Korruption und Insolvenzverwaltung sind die einzigen Wachstumsbranchen in Deutschland! Ansonsten muß klar sein: ohne staatliche Förderung geht gar nichts (nicht mal pleite!). Wenn ich meinem Nachbarn 20 Euro aus dem Geldbeutel klaue, und 10 davon unter Tränen gerührt und theatralisch zurückgebe, gönnerhaft und großherzig, bekomme ich eine aufs Maul. Zurecht. Bei anderen Beträgen und politisch gewollter Korruption ist dem nicht so. Verbrechen sind legal: wenn sie der Staat, das WIR begeht. Der Sozialismus hat längst den kompletten Durchmarsch erzielt, der "Kapitalismus ist überwunden", es gibt praktisch keinen Markt mehr: über Erfolg oder Mißerfolg entscheiden nur noch Staatsbürokratie und Finanzeliten: Schutzzölle, Subventionen, Förderprogramme, Verbote. Das schadet dem Wohlstand. Auch bald dem fettgefressenen grünen Rotweingürtel. Sozialismus endet zwangsläufig im Niedergang. Aber wir können's ja nochmal ausprobieren: Zölle hoch, Mauern hoch, Handel verbieten und am Ende noch der finale Genickschuß vom Turm. Man kann's ja nochmal probieren. Vielleicht klappt's beim dritten Mal. Und die willigen Schergen hat man ja schon auf Linie, alle jammern über den angeblichen Kapitalismus (Bankenrettung? Alles, aber nicht kapitalistisch, mit fremdem Geld, also Steuern, also Raubgeld, zu bezahlen, ist Raubtiersozialismus! Dass Demonstranten nach (noch) mehr Staat und Korruption rufen, ist völliger Wahnsinn!)

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