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28.02.2013

11:20 Uhr

Solarindustrie

EU weitet Anti-Dumping-Verfahren gegen China aus

VonThomas Ludwig

Europas Solarindustrie hat mit der Billigkonkurrenz aus China zu kämpfen. Viele Hersteller werfen chinesischen Firmen Preis-Dumping vor. Nun weitet die EU-Kommission ihre Ermittlungen aus.

Die europäischen Hersteller werfen chinesischen Firmen vor, mit massiven Dumpingpreisen gegen ihre Konkurrenz vorzugehen. dpa

Die europäischen Hersteller werfen chinesischen Firmen vor, mit massiven Dumpingpreisen gegen ihre Konkurrenz vorzugehen.

BrüsselDie EU-Kommission weitet die Anti-Dumping-Verfahren gegen die chinesische Solarindustrie aus. Neben Herstellern von Solarmodulen, -zellen und -wafern sind nun auch die Produzenten von Solarglas ins Visier der Ermittler von Handelskommissar Karel De Gucht geraten. Nun leiteten sie entsprechende Untersuchungen ein. Das teilte die Kommission mit. Anlass ist eine Beschwerde der Initiative EU ProSun. Sie gebe Hinweise darauf, dass europäische Unternehmen tatsächlich massiv benachteiligt sein könnten, so die Kommission.

Solarglas wird als Spezialglas zur Herstellung von Photovoltaikmodulen verwendet. Weltweit liegt der jährliche Umsatz bei rund 1,2 Milliarden Euro mit der Produktion dieser Spezialgläser, die als Abdeckung für Solarmodule verwendet werden. Die Gläser müssen zum einen resistent gegen Witterungseinflüsse sein und zum anderen möglichst lichtdurchlässig.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Die europäischen Hersteller werfen chinesischen Firmen vor, mit massiven Dumpingpreisen gegen ihre Konkurrenz vorzugehen. Die aktuellen Preise für Solarglas aus China deckten oft nicht einmal die Rohstoffkosten für die Glaserzeugung, heißt es. Seit 2010 hätte China seine Solarexporte in die EU trotz stagnierender Nachfrage verdreifachen können, so die Kritik. Europas Solarindustrie hat schwer zu kämpfen. Allein in Deutschland wurden bereits Tausende Jobs abgebaut, Unternehmen machten dicht. Zuletzt war auch das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld massiv in die Verlustzone geraten.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

China hat die Solarwirtschaft zu einer der Schlüsseltechnologien erklärt, die besonders gefördert werden soll. Festgeschrieben ist dies im letzten Fünfjahresplan. Alleine in den Jahren 2010 und 2011 erhielten die Unternehmen Kredite in Höhe von 41 Milliarden Dollar. Mit dem Geld bauten die chinesischen Solarfirmen ihre Kapazitäten massiv aus und förderten zugleich durch Lieferantenkredite ihren Export.

Mit dem nun eingeleiteten Verfahren, laufen nunmehr drei Untersuchungen gegen die chinesische Solarindustrie. Das Antidumpingverfahren gegen Hersteller von Solarwafern, Solarzellen und Solarmodulen läuft seit September 2012, das Antisubventionsverfahren gegen die gleiche Produktgruppe seit November. Die Entscheidung über Strafzölle im ersten Verfahren steht im Juni an. Diese könnten dann drei Monate rückwirkend in Kraft treten.

Chinas Solarindustrie weist die Vorwürfe der Europäer scharf zurück und warnt vor einem Handelskrieg. Dumpingpreise gebe es nicht. Die Behörden in den USA sehen dies allerdings anders. Dort wurden bereits Strafzölle von bis zu 250 Prozent auf Importe aus China verhängt.

Kommentare (1)

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Gast

28.02.2013, 11:54 Uhr

Und warum sollte China das interessieren? Wenn überhaupt, fällt maximal Deutschland als Markt weg. Was an sich auch unwahrscheinlich ist.

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