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28.03.2013

13:57 Uhr

Solarkonzern

Conergy will endlich zurück in die Gewinnzone

Seit Jahren hadert Conergy mit Umsatzeinbrüchen und der Billig-Konkurrenz aus Asien. Großprojekte sollen dem Konzern auf die Beine helfen. Der Konzernchef verspricht schwarze Zahlen – wieder einmal.

Das Conergy-Werk in Frankfurt/Oder: Die Produktion läuft auf Hochtouren. dapd

Das Conergy-Werk in Frankfurt/Oder: Die Produktion läuft auf Hochtouren.

DüsseldorfDer seit Jahren mit Verlusten ringende Solarkonzern Conergy verspricht einmal mehr schwarze Zahlen. Konzernchef Philip Comberg kündigte am Donnerstag für 2013 nicht nur deutliche Umsatzsteigerungen sondern auch einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an. „Unser Ziel ist es, in diesem Jahr ein leicht positives Ebitda zu erzielen und somit operativ schwarze Zahlen.“ Der Umsatz soll 650 bis 750 Millionen Euro erreichen. Comberg schöpft seine Zuversicht aus einer regen Auslandsnachfrage nach Großprojekten und wieder anziehenden Preisen.

Nachdem das vierte Quartal 2012 nochmals von einem starken Preisdruck geprägt war, stiegen derzeit die Preise wieder, sagte Comberg auf einer Telefonkonferenz. Als einen Grund nannte er die fortschreitende Konsolidierung des Solarmarktes. Möglicherweise werfe aber auch das laufende Antidumping-Verfahren der EU gegen chinesische Billigimporte seine Schatten voraus. Die EU wird voraussichtlich im Mai oder Juni über Strafzölle entscheiden.

Im ersten Quartal habe sich die Nachfrage sehr erfreulich entwickelt, sagte Comberg. Die Modulfertigung in Frankfurt/Oder laufe auf Hochtouren. Derzeit baut Conergy in Thailand für Siam Solar Energy das mit 31,5 Megawatt (MW) größte Solarkraftwerk der Firmengeschichte. Bereits 2012 hatte Conergy für das gleiche Unternehmen einen 20 MW-Solarpark errichtet. Das Großprojektgeschäft will Comberg ausbauen und sieht in Asien und den USA dafür gute Chancen. „Auch neue Exportmärkte, beispielsweise in Osteuropa, gewinnen zunehmend an Bedeutung.“

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Im vergangenen Jahr hatten allerdings Preisverfall und Einmalkosten für die vorzeitige Beendigung eines Liefervertrages mit der US-Waferproduzenten MEMC dem Hamburger Konzern erneut die Bilanz verhagelt. Bei einem Umsatzeinbruch um rund 40 Prozent auf 473,5 Millionen Euro fiel ein operativer Verlust von 69 Millionen Euro an nach minus 80,3 Millionen im Jahr zuvor. Netto sank der Verlust um 40 Prozent auf 99 Millionen Euro. Comberg hatte bereits für 2012 ein leicht positives Ebitda versprochen wie auch sein Vorgänger für 2011.

Von

rtr

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