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21.03.2017

16:18 Uhr

Solarkonzern in Not

Solarworld verbrennt kräftig Kapital

Für die seit Jahren defizitäre Solarworld wird es mal wieder eng. Firmenchef Frank Asbeck meldet, dass der Solarkonzern einen großen Teil des Eigenkapitals verbrannt hat. Die Aktie brach am Nachmittag um 33 Prozent ein.

Seit Jahren läuft es nicht rund beim Solarkonzern – jetzt ist die Hälfte des Grundkapitals verbrannt. dpa

Solarworld

Seit Jahren läuft es nicht rund beim Solarkonzern – jetzt ist die Hälfte des Grundkapitals verbrannt.

DüsseldorfBeim Photovoltaikunternehmen Solarworld ist wegen eines teuren Restrukturierungsprogramms und hoher Verluste im Tagesgeschäft das Eigenkapital empfindlich zusammengeschrumpft. Bei der Muttergesellschaft Solarworld AG verringerte sich das Eigenkapital 2016 um mehr als 28 Millionen Euro auf 2,6 Millionen Euro, wie das Bonner Unternehmen am Dienstag in einer Sofortmeldung für die Börse mitteilte. Solarworld werde nun gemäß Aktiengesetz zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen. Dort muss Asbeck den Anlegern erklären, wie er das Unternehmen aus der Misere führen will.

In den Tochtergesellschaften – den Produktionstöchtern in Deutschland und der US-Tochter ¦ sei aber noch viel Substanz vorhanden, sagte ein Sprecher. Insgesamt liege das Eigenkapital des Konzerns zum Jahresende bei über 120 Millionen Euro. Dies entspreche einer Eigenkapitalquote von 18 Prozent.

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Am Donnerstag diskutiert der Aufsichtsrat über die Zukunft von Solarworld. Der Konzern muss sein Geschäftsmodell ändern. Im Gespräch sind eine Konzentration auf spezialisierte Produkte – aber auch der Abbau von Jobs.

„Die Kosten für die eingeleiteten Maßnahmen zur Fokussierung lasten maßgeblich auf der Muttergesellschaft des Konzerns“, erklärte Finanzvorstand Philipp Koecke. Deshalb sei dort das Kapital so stark zurückgegangen. Die Aktien waren am Nachmittag für die Dauer von rund einer Stunde vom Handel ausgesetzt und brachen nach der Wiederaufnahme um 33 Prozent auf 2,66 Euro ein.

Bereits vor vier Jahren drohte der seinerzeit mit rund einer Milliarde Euro verschuldeten Solarworld die Pleite. Infolge des Preiskampfes mit Billiganbietern aus Asien verbuchte das einstige Aushängeschild der deutschen Solarbranche in der Bilanz 2012 einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro. Das Eigenkapital war negativ.

Damals einigte sich Asbeck mit den Gläubigern auf einen Schuldenschnitt. Sie verzichteten auf 60 Prozent ihrer Ansprüche und erhielten dafür Solarworld-Aktien (Debt-to-Equity-Swap). Die Aktionäre beschlossen zudem einen Kapitalschnitt um 95 Prozent und begnügten sich mit fünf Prozent vom Grundkapital. Für frisches Kapital sorgte ein Investor aus Katar.

Aufstieg und Fall von Solarworld

1998 – Gründung

Der Diplom-Landwirt Frank Asbeck gründet die Solarworld AG.

2000 – Erfolg über Nacht

Unter der rot-grünen Bundesregierung wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen. Der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen wird mithilfe üppiger Förderungen stimuliert. Asbecks Solarmodule werden über Nacht zum Verkaufsschlager.

2005 – Lieferverträge mit Hemlock

„Weitere Siliziumversorgung gesichert“, meldet Solarworld. Der Konzern vereinbart den ersten von insgesamt vier langfristigen Lieferverträgen mit dem US-Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor.

2007 – Aufstieg zum Börsenstar

Solarworld wird Börsenstar. Der damals im TecDax notierte Ökokonzern wird mit 4,6 Milliarden Euro bewertet.

2008/1 – Unternehmerische Auszeichnung

Die Unternehmensberatung Bain & Company kürt Solarworld zu „Deutschlands wachstumsstärkstem Unternehmen“.

2008/2 – Hilfsangebot für Opel

Als Opel in Turbulenzen gerät, bietet Solarworld-Boss Asbeck an, den kriselnden Autokonzern zu übernehmen. Dabei gerät Solarworld selbst langsam unter Druck.

2011 – Rote Zahlen

Solarworld rutscht tief in die roten Zahlen. Die zunehmende Billig-Konkurrenz aus Asien und gedrosselte Subventionen setzen dem Konzern zu.

2012 – Kein Geld an Hemlock

Der Bonner Konzern stellt alle Überweisungen an Hemlock ein. Schlichtungsversuche mit dem US-Konzern scheitern

2013 – Verzicht der Aktionäre

Solarworld ringt ums Überleben. Die Aktionäre verzichten auf 95 Prozent ihres Kapitals, um den Fortbestand des Konzerns zu sichern.

2015 – Probleme in den USA

Im Rechtsstreit mit Hemlock kassiert das US-Gericht das Kernargument von Solarworld. Der Konzern darf sich in den USA nicht auf das europäische Kartellrecht berufen.

2016 – Fatales Gerichtsurteil

Ein US-Gericht verurteilt Solarworld in erster Instanz im Rechtsstreit mit Hemlock. Solarworld soll 720 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Der Konzern geht in Berufung und geht zudem davon aus, dass Hemlock seine Ansprüche nicht durchsetzen kann.

2016 - das Geld wird knapp

Solarworld reißt mit Gläubigern vereinbarte Unternehmenskennzahlen. Das Geld wird knapp, die Schulden explodieren. Die wirtschaftliche Situation der Firma bewertet der Vorstand nun als „sehr schwierig“.

Seit damals hat es Asbeck allerdings nicht geschafft, sein von ihm gegründetes Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Zwar sorgten Einfuhrzölle auf chinesische Billigimporte zeitweise für Entspannung, doch inzwischen ist der Preiskampf erneut entflammt. 2016 verbuchten die Bonner bei einem fünfprozentigen Umsatzplus auf 803 Millionen Euro operativ einen Verlust (Ebit) von 99 Millionen Euro.

Asbeck kündigte im Februar an, durch einen deutlichen Stellenabbau und die Konzentration auf Hochleistungsprodukte 2019 in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. „Die Rückkehr zur Profitabilität hängt davon ab, dass es uns gelingt, durch die Fokussierung auf ausschließlich sehr hochwertige Produkte und durch Maßnahmen in allen Bereichen die Kosten zu senken.“ Die Ausgaben für die Restrukturierung bezifferte er nicht.

Für 2017 rechnet das Unternehmen mit einem besseren, aber weiterhin negativen Ergebnis. Die endgültigen Zahlen will Solarworld am 29. März vorstellen.

Kommentare (1)

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Baron v. Fink

21.03.2017, 18:20 Uhr

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