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20.07.2013

16:23 Uhr

Solarkonzern in Schieflage

Solarworld-Finanzchef nimmt Vorstand in Schutz

Die Lage von Solarworld ist kritisch, doch wer trägt die Verantwortung für die Schieflage? Der Finanzchef des Konzerns entlastet den Vorstand, er habe keine gravierenden Fehler gemacht. Schuld seien die Asiaten.

Die Zentrale des Photovoltaikunternehmens Solarworld in Bonn. Der Konzern verliert im operativen Geschäft weiter Geld. dpa

Die Zentrale des Photovoltaikunternehmens Solarworld in Bonn. Der Konzern verliert im operativen Geschäft weiter Geld.

FrankfurtDen Solarworld-Vorstand trifft nach Ansicht des Finanzchefs keine Schuld an der kritischen Lage des Solarkonzerns. „Es gab meiner Ansicht nach keinen einzigen gravierenden Fehler des Vorstands“, sagte der Finanzchef der um ihre Existenz kämpfenden Sonnenstromfirma, Philipp Koecke, der „Börsen-Zeitung“. „Wenn Solarworld die einzige Gesellschaft in der Branche wäre, die in einer solchen Schieflage wäre und in einer solchen Krise stecken würde - dann hätten wir tatsächlich etwas falsch gemacht.“ Ursache der Pleitewelle in der Branche sei der Preiskrieg, der vor allem von asiatischen Rivalen angefacht worden sei. Die EU will die heimische Branche durch Schutzzölle auf chinesische Billigimporte retten.

Solarworld hofft bis zum 7. August auf die Zustimmung seiner Anleihegläubiger zur geplanten Bilanzsanierung, die über einen Schuldenschnitt bewerkstelligt werden soll. Die bisherigen Aktionäre wären dann nur noch mit fünf Prozent an Solarworld beteiligt, die Kredit- und Anleihegläubiger hielten den Rest. Ohne die Zustimmung der Eigen- und Fremdkapitalgeber droht dem Unternehmen die Insolvenz. „Ja, dann müssten wir tatsächlich zum Insolvenzgericht gehen“, sagte Koecke dem Blatt. Er sei aber optimistisch, dass es Solarworld schaffen könne. „Wir sind heute in der Endphase des Abschwungs“, sagte der Manager. „Und danach kommt wieder die Erholungsphase. Da bin ich mir sicher.“

Der Solarkonzern verliert allerdings im operativen Geschäft weiter Geld. Nach einem Verlust von 69 (Vorjahr: 144) Millionen Euro vor Steuern und Zinsen (Ebit) hatte das Bonner Unternehmen Ende Juni noch 162 Millionen Euro auf der hohen Kante, wie Solarworld am Donnerstag erklärte. Das sind 62 Millionen weniger als Ende Dezember. Der Rückgang liege vor allem an Zinszahlungen und Investitionen. Grund für die anhaltenden Verluste ist ein Einbruch des Geschäfts.

Vor zwei Wochen hatte Conergy, einst ebenfalls ein Aushängeschild der deutschen Solarbranche, Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Kerstin

20.07.2013, 23:25 Uhr

Käufer/Aktionäre möchten anpackende, integere und zielstrebig am Unternehmen arbeitende Führungskräfte im Hintergrund sehen und keine die permanent die Schuld bei anderen suchen und nur sinnlos rumdiskutieren und klagen. Warum kann man nicht das Fairtradesiegel als Einfuhrgütesiegel nehmen? Einfach Zölle herheben, ist meiner Meinung nach eine hilfslos und zum Teil ungerecht erscheinende Maßnahme.

Account gelöscht!

21.07.2013, 00:29 Uhr

Natürlich sind immer die anderen Schuld, besonders die Chinesen, die einfach besser rechnen, den Markt besser einschätzen können und die Dinge wirtschaftlich auf den Punkt bringen.
Das Jammern der Solarworld-Verantwortlichen erinnert mich sehr stark an die Griechen, die ja auch meinen, alles richtig zu machen. Schuldenschnitte sind sehr in Mode gekommen, weil, dahinter kann man sich trefflich sanieren und man wird von den Leistungsfähigen trotzdem in der Sänfte herumgetragen. Tolle Geschäftsmodelle, zu Lasten anderer.

MartinH

21.07.2013, 09:16 Uhr

Also wenn man sich die Bilanzen und Aktienkurse der letzten 10 Jahre anschaut, wurden bei der Finanzierung des Unternehmens schon Fehler gemacht.
Bis 2006 schien alles gut zulaufen, indem die Eigenkapitalqutoe nach oben gefahren wurde, bis knapp auf 60%. Nur die Jahre danach war man wohl zu Gierig bzw. hat die Lage falsch eingeschätzt.
Die Eigenkapitalquote wurde immer weiter zurück gefahren trotz Gewinnen und erhöhten Dividenden.
Die Eigenkapitalquote wurde immer weiter zurück gefahren trotz Gewinn und KGVs von über 20.

Bei Politikern würde man jetzt sagen: In Guten Zeiten muss man Sparen bzw. ein Polster aufbauen und in schlechten Zeiten kann man dann von den ersparten bzw. vom Polster leben.

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