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08.05.2013

15:36 Uhr

Solarmodulhersteller

Wie Sunways in die Pleite schlitterte

VonAndreas Dörnfelder

Nun hat es auch Sunways erwischt: Das Amtsgericht Konstanz hat ein Insolvenzverfahren über den Solarmodulhersteller eröffnet. Die Geschichte eines abgestürzten Stars.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Preisverfall in der Solarbranche macht Sunways zu schaffen.+ dpa

Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Preisverfall in der Solarbranche macht Sunways zu schaffen.+

DüsseldorfAuf dem Höhepunkt des Erfolgs, mitten im Geschäftsjahr 2010, will der Solarmodulhersteller Sunways die Weichen für die Zukunft stellen. Niemand ahnt, dass der Weg gut zwei Jahre später aufs Abstellgleis führt.

Im besten Jahr der inzwischen knapp 20-jährigen Firmengeschichte verlagert das Konstanzer Unternehmen einen Teil seiner Produktion nach China. Sunways lässt seine in Deutschland produzierten Solarzellen beim chinesischen LDK-Konzern zu Modulen zusammenbauen.

Die Preise für Photovoltaikmodule fallen in dieser Zeit um etwa 14 Prozent im Jahr. Der Weg nach China soll verhindern, dass den Konstanzern die Abwärtsspirale einmal zum Verhängnis wird. 2010 schließt der 344-Mann-Betrieb mit einem Gewinn von mehr als neun Millionen Euro ab. Es ist das letzte Jahr mit schwarzen Zahlen.

Ein paar Monate später holt der Markt das Unternehmen brutal ein. Die Preise rauschen mit 40 Prozent pro Jahr in den Keller. Bis die fertigen Module mit dem Schiff aus China zurückkommen, vergehen acht bis zehn Wochen. In dieser Zeit verbilligt sich die Ware schon wieder so stark, dass Sunways sie nicht mehr kostendeckend verkaufen kann.

Aus Sicht der hiesigen Anbieter sind dafür nicht nur chinesische Billiglöhne verantwortlich. Die Miesere sei auch eine Folge riesiger staatlicher Subventionen: „Chinesische Firmen bekommen von ihrer Regierung kostenloses Land und sogar ganze Produktionshallen zur Verfügung gestellt. Sie müssen nur noch die Maschinen kaufen und können loslegen“, schimpft eine Managerin aus dem Schwarzwald.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Auf Drängen einiger europäischer Solarfirmen ermittelt seit September die EU-Kommission. Die Behörde des Handelskommissars Karel De Gucht prüft Strafmaßnahmen für Dumping, also den Auslands-Verkauf von Gütern unter Wert. Heute hat die EU-Kommission offenbar grünes Licht für Strafzölle auf chinesische Solarpanels gegeben. Die Zölle sollen ab dem 6. Juni in Kraft treten und bei durchschnittlich 47 Prozent liegen, sagten zwei EU-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Für etliche Hersteller kommt dieser Vorstoß aber bereits zu spät. Unternehmen wie Q-Cells, Solon, Centrotherm oder Solarhybrid haben längst Insolvenz angemeldet. Seit Dienstag Abend ist die Liste der deutschen Solarpleiten um einen Namen länger: Auf Antrag der BW-Bank hat das Amtsgericht Konstanz auch über die Sunways AG ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie brutal sich die gigantischen Überkapazitäten der Branche in China hierzulande auswirken: Innerhalb von zwei Jahren ist der Umsatz von Sunways um 80 Prozent nach unten gekracht. Im operativen Geschäft gab das Unternehmen in dieser Zeit fast 40 Millionen Euro mehr aus, als es einnahm.

An der Misere konnte auch der Einstieg des LDK-Konzerns bei Sunways nichts ändern. Der einstige chinesische Billigdienstleister wurde 2012 zum Mehrheitseigner. Bislang griff der Konzern aus Fernost den Konstanzern mit einem geschätzten zweistelligen Millionenbetrag unter die Arme. Doch seit ein paar Wochen ist klar, dass auch die Chinesen Probleme haben. LDK konnte im April eine Wandelanleihe nicht voll bedienen und gilt spätestens seit diesem Vorgang selbst als angeschlagen.

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