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23.07.2017

15:40 Uhr

Solarworld-Beschäftigte

Gehaltsverzicht statt Kündigung?

Der Insolvenzverwalter des Solarunternehmens Solarworld will weitere Stellen abbauen, doch die Mitarbeiter kämpfen um ihre Jobs und würden einen neuen Investor sogar mit einem großzügiges Geschenk begrüßen.

Beschäftigte des Solarunternehmens bangen um ihren Job. dpa

Solarworld

Beschäftigte des Solarunternehmens bangen um ihren Job.

Freiberg/BonnDie Solarworld-Beschäftigten suchen nach Wegen, um die angekündigten Entlassungen bei dem insolventen Solartechnik-Hersteller in letzter Minute zu verhindern. Der Bonner Betriebsratsvorsitzende Peter Finger appellierte am Sonntag an den vorläufigen Insolvenzverwalter und die Gläubiger, auf die für den 1. August angekündigten Freistellungen zu verzichten und stattdessen für einen Zeitraum von drei bis vier Monaten Kurzarbeit einzuführen.

Entscheidend sei es jetzt, für die Beschäftigten einen Weg für die Zeit zu finden, bis die Suche nach einem Investor für das schwer angeschlagene Unternehmen abgeschlossen sei, sagte er. Mitarbeiter die freigestellt würden, seien für Solarworld „wahrscheinlich für immer verloren“, warnte Finger.

Aufstieg und Fall von Solarworld

1998

Der Diplom-Landwirt Frank Asbeck gründet die Solarworld AG.

2000

Unter der rot-grünen Bundesregierung wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen. Der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen wird mithilfe üppiger Förderungen stimuliert. Asbecks Solarmodule werden über Nacht zum Verkaufsschlager.

2005

„Weitere Siliziumversorgung gesichert“, meldet Solarworld. Der rasant wachsende Ökostromkonzern vereinbart den ersten von insgesamt vier langfristigen Lieferverträgen mit dem US-Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor.

2007

Solarworld entwickelt sich zum neuen Börsenstar. Der damals im TecDax notierte Ökokonzern wird mit 4,6 Milliarden Euro bewertet.

2008

Die Unternehmensberatung Bain & Company kürt Solarworld zu „Deutschlands wachstumsstärkstem Unternehmen“. Als Opel in Turbulenzen gerät, bietet Firmenchef Asbeck an, den kriselnden Autokonzern zu übernehmen. Dabei gerät Solarworld langsam selbst unter Druck.

2011

Solarworld rutscht tief in die roten Zahlen, schreibt mehr als 300 Millionen Euro Verlust. Die zunehmende Billig-Konkurrenz aus Asien und gedrosselte Subventionen setzen dem Bonner Konzern massiv zu.

2012

Solarworld stellt alle Überweisungen an Hemlock ein. Schlichtungsversuche mit dem US-Konzern scheitern.

2013

Solarworld ringt ums Überleben. Die Aktionäre verzichten auf 95 Prozent ihres Kapitals, um den Fortbestand des Konzerns zu sichern.

2016

Solarworld reißt mit Gläubigern vereinbarte Unternehmenskennzahlen. Das Geld wird knapp, die Schulden explodieren. Die wirtschaftliche Situation der Firma bewertet der Vorstand nun als „sehr schwierig“.

2017

Der Aufsichtsrat kommt Mitte Januar zu einer Krisensitzung zusammen. Die Lage ist dramatisch. Der Vorstand präsentiert einen letzten Rettungsplan. Jede zehnte der 3000 Stellen des Unternehmens soll gestrichen werden. Solarworld will sich nur noch auf die Herstellung von hochqualitativen Produkten fokussieren.
Am 10. Mai kommt der Vorstand der Solarworld AG zu der Überzeugung, dass „keine positive Fortbestehungsprognose“ mehr für das Unternehmen besteht. Deutschland letzter Photovoltaikriese muss Insolvenz beantragen.
Am 1. August eröffnet das Amtsgericht Bonn offiziell das Insolvenzverfahren. Solarworld-Gründer Frank Asbeck will mit Partnern die Fabriken in Thüringen und Sachsen übernehmen.

Die Solarworld AG hatte am 11. Mai Insolvenz beantragt. Seither wurden bereits 400 Stellen abgebaut. Der vorläufige Insolvenzverwalter hatte vor wenigen Tagen weitere Stellenstreichungen zum 1. August angekündigt. Die Suche nach einem neuen Investor dürfte nach seinen Angaben noch Monate dauern.

Die Thüringer Solarworld-Mitarbeiter zeigten sich Medienberichten zufolge für den Fall einer Übernahme durch einen Investor zu befristeten Gehaltskürzungen bereit. Die Mehrheit der Beschäftigten würde für drei Monate auf einen Teil des Lohns verzichten, heißt es demnach in einem offenen Brief vom Freitag, wie unter anderem der MDR und die „Thüringische Landeszeitung“ meldeten. So wollten sie einen Beitrag zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit leisten.

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Von

dpa

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