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26.11.2013

17:57 Uhr

Solarworld-Chef

Asbeck will mit Kauf des Bosch-Werks Kosten senken

ExklusivMit der Übernahme des Bosch-Werks in Arnstadt bürdet sich der angeschlagene Photovoltaikhersteller Solarworld keine große Last auf, meint Konzernchef Frank Asbeck. Im Gegenteil: Der Kauf könne die Kosten senken.

Solarworld-Chef Asbeck zum Kauf eines Bosch-Werks: „Technologisch liegen wir damit vor der chinesischen Konkurrenz.“ dpa

Solarworld-Chef Asbeck zum Kauf eines Bosch-Werks: „Technologisch liegen wir damit vor der chinesischen Konkurrenz.“

DüsseldorfFrank Asbeck sieht die Übernahme des Bosch-Werks in Arnstadt keineswegs als Bürde. Der Kauf belaste die Liquidität von Solarworld nicht, sagte der Vorstandschef des seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Unternehmens dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Im Gegenteil, durch die Übernahme der Fertigung in Arnstadt können wir unsere Kosten senken.“

Asbeck räumte ein, dass die Wettbewerber aus China wegen der niedrigen Personalkosten „ein paar Cent pro Watt“ billiger produzieren können als die Deutschen. „Das holen wir durch Qualität made in Germany und bei den Transportkosten wieder raus“, ist er überzeugt.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Auch technologisch sieht er große Vorteile durch den Deal mit Bosch. „Die Fertigungen von Bosch Solar Energy in Arnstadt und von Solarworld in Freiberg gehören zu den neuesten weltweit“, sagte der Solarworld-Chef. „Technologisch liegen wir damit vor der chinesischen Konkurrenz.“

Am Dienstag hatte der Bosch-Konzern bekanntgegeben, dass er seine Fertigung von Solarzellen und –modulen an Solarworld verkauft. Einen Kaufpreis nannte der Stuttgarter Konzern jedoch nicht. Bosch suchte seit längerem einen Käufer für seine defizitäre Solarsparte. Solarworld war selbst abgestürzt und musste seinen Aktionären und Gläubigern im Sommer einen Schulden- und Kapitalschnitt abringen.

Von

wt

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