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01.02.2016

10:17 Uhr

Solarworld

Und wieder keine schwarze Null

VonFranz Hubik

Mehr Umsatz, höherer Absatz: Der taumelnde Solarmodulhersteller Solarworld kämpft sich langsam aus der Krise. Konzernchef Frank Asbeck will jetzt schaffen, was er den Aktionären schon für 2015 versprochen hat: Gewinne.

Der Konzern arbeitet weiter am Turnaround. dpa

Solarmodul von Solarworld

Der Konzern arbeitet weiter am Turnaround.

DüsseldorfAllein das Thema überhaupt anzusprechen, empfand Frank Asbeck schon als Affront. „Was, wenn es Ihnen auch in diesem Jahr nicht gelingt, schwarze Zahlen vorzulegen“, fragte das Handelsblatt den Gründer und Chef von Solarworld im Sommer 2015. „Die Frage stellt sich nicht: Wir schaffen es“, blaffte Asbeck im Interview retour.  Der Turnaround werde gelingen. Basta.

Heute, ein halbes Jahr später, muss Asbeck einräumen: Seine Prognose war falsch. Er hat den Aktionären wieder einmal zu viel versprochen. Statt einer schwarzen Null schrieb Solarworld 2015 noch vor Steuern und Zinsen (Ebit) einen Verlust von rund zehn Millionen Euro. Das Minus fällt damit zwar um 34 Millionen geringer aus als 2014, aber Verlust bleibt eben Verlust.

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Der Solarworld-Chef bangt wegen 800-Millionen-Klage um sein Lebenswerk: Ein US-Gericht hat sein Kernargument für nichtig erklärt. Verliert Asbeck, droht Solarworld die Insolvenz. Die Schuldigen hat er schnell ausgemacht.

Der Trend bei Deutschlands führendem Hersteller von Solarmodulen ist dennoch positiv. Im vergangenen Jahr steigerte Solarworld den Umsatz um ein Drittel auf gut 763 Millionen Euro. Auch der Absatz von Photovoltaikpaneelen erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel. Der Bonner Konzern verkaufte Solarmodule mit einer Leistung von insgesamt 1.159 Megawatt.

Der wichtigste Einzelmarkt für Solarworld war abermals die USA. Etwa die Hälfte der Module verkaufte der Photovoltaikkonzern in den Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland konnte Solarworld entgegen des Trends punkten. Der Absatz wurde von einem niedrigen Niveau aus um rund 60 Prozent gesteigert, während der Gesamtmarkt um 30 Prozent einbrach.

Frank Asbeck will dieses Jahr den Konzernumsatz um rund 20 Prozent steigern und endlich ein positives Ergebnis erwirtschaften. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll im zweistelligen Millionenbereich liegen. Die Bedingungen dafür sind günstig: Das Analysehaus IHS Technology prognostiziert alleine für dieses Jahr ein weltweites Wachstum bei neu errichteten Photovoltaikanlagen von rund 14 Prozent.

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Wurden 2015 Solaranlagen mit einer Leistung von 58,8 Gigawatt neu errichtet, sollen es dieses Jahr schon 68,7 Gigawatt sein. Im Schnitt prophezeit IHS Technology der Solarbranche bis 2019 ein Wachstum von sieben Prozent pro Jahr. Insbesondere in den USA, Solarworlds wichtigstem Markt, soll der Photovoltaik-Boom weiter anhalten.

Solarworld galt einst als deutsches Vorzeigeunternehmen. Zur Hochphase des Photovoltaikbooms war die Firma rund 4,6 Milliarden Euro an der Börse wert. Doch mit der zunehmenden Konkurrenz aus Asien und der Drosselung der Subventionen in Europa kam der Absturz. Heute ist der Bonner Konzern nur noch deshalb am Leben, weil die Aktionäre 2014 auf rund 95 Prozent ihres Kapitals verzichteten.

Die größten Solarkonzerne der Welt

Platz 10: LDK Solar

Der chinesische Solarproduzent LDK Solar ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Anbieter von sogenannten Wafern, die zum Bau von Solarmodulen gebraucht werden. Die Firma, die 2015 ein Insolvenzverfahren beendete, erwirtschafte im Jahr 2014 einen Umsatz in Höhe von 680 Millionen Dollar.

Quelle: Statista, Unternehmen

Platz 9: Solarworld

Noch vor zwei Jahren stand Solarworld vor dem Zusammenbruch. Nun scheint sich das deutsche Unternehmen wieder berappelt zu haben. Der Umsatz 2014 betrug 697 Millionen Dollar.

Platz 8: SMA

Ende Januar 2015 verkündete SMA Solar aus Kassel die umfangreichste Personal-„Anpassung“ in der Geschichte des Unternehmens. Hunderte Stellen wurden gestrichen. 2014 machte der Konzern einen Umsatz in Höhe von 978 Millionen Dollar.

Platz 7: Yingli

Insgesamt ist der Absatz von Yingli Solar, auch Yingli Green Energy Holding Company, im Jahr 2014 gestiegen, doch der Umsatz war leicht rückläufig. Der chinesische Konzern erzielte einen Umsatz in Höhe von 2,08 Milliarden Dollar.

Platz 6: Trina Solar

Der chinesische Hersteller von Wafer- und Solarzellen hat den Umsatz 2014 gesteigert auf 2,28 Milliarden Dollar.

Platz 5: Sunedison

Dem Unternehmen geht es nicht besonders gut: 2015 kündigte Sunedison an, in Zukunft mehr als 1000 Stellen abzubauen. 2014 erwirtschaftete das US-Photovoltaik-Unternehmen 2,84 Milliarden Dollar Umsatz.

Platz 4: Sharp Solar

Das Geschäftsjahr von Sharp Solar endet immer zum 31. März. 2013/2014 erlöste der japanische Konzern 2,52 Milliarden Dollar.

Platz 3: Canadian Solar

2011 ist Canadian Solar in das Sport-Sponsoring der Fußball-Bundesliga eingestiegen und sponsert seitdem die Vereine Hannover 96 und 1. FC Nürnberg. Der Umsatz des Solarmodule-Herstellers lag 2014 bei 2,96 Milliarden Dollar.

Platz 2: Sunpower

Das Jahr 2014 war erfolgreich für Sunpower: Das US-Unternehmen hat erstmals in seiner Geschichte innerhalb eines Jahres mehr als 3 Milliarden Dollar umgesetzt.

Platz 1: First Solar

Den größten Umsatz erzielte 2014 der auf Dünnschicht-Technologie spezialisierte US-Solarkonzern Firts Solar. Der Umsatz stieg leicht um 2,4 Prozent auf 3,39 Milliarden Dollar.

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