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21.09.2013

08:44 Uhr

Sparprogramm

RWE will Stellen in Niedriglohnländer verlagern

Wer Kraftwerke stilllegt, benötigt auch weniger Mitarbeiter. Das ist die einfache Logik von RWE-Chef Peter Terium. Doch auch in weiteren Bereichen werden Jobs wegfallen – und teilweise nach Polen verlagert.

RWE-Zentrale in Essen: Weniger Kraftwerke bedeuten auch weniger Jobs. dpa

RWE-Zentrale in Essen: Weniger Kraftwerke bedeuten auch weniger Jobs.

Frankfurt/Düsseldorf/EssenRWE-Chef Peter Terium macht mit seinen Sparplänen ernst: „Wir werden künftig mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen“, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. „Weil wir gezwungen sind, Kraftwerke stillzulegen, wird der verbleibende Kraftwerkspark von einer entsprechend kleineren Mannschaft gefahren.“ Betroffen seien auch Jobs in „Querschnittsfunktionen“. Wie viele Stellen wegfielen, sei noch offen.

Einige Arbeitsplätze würden auch in andere Länder mit niedrigeren Löhnen verlagert. „Wir fangen mit Pilotprojekten für die Reisekostenabrechnung und im Bereich Rechnungswesen an, die maximal 100 Mitarbeiter betreffen, deren Aufgaben wir künftig im polnischen Krakau erledigen lassen“, sagte Terium der Zeitung weiter. Das sei „ausbaufähig“. Mit den Arbeitnehmer-Vertretern stehe er in einem „intensiven Austausch“ über die Pläne.

Neben dem Stellenabbau will sich RWE einem Medienbericht zufolge von unrentablen Kohlekraftwerken trennen. „RWE beschäftigt sich mit dem Gedanken, einzelne Kohlekraftwerke an Finanzinvestoren zu veräußern, um Geld in die Kasse zu bekommen“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ einen RWE-Insider. Die Erlöse wolle das Unternehmen auch zum Schuldenabbau verwenden. Auch am Frankfurter Finanzplatz ist dem Magazin zufolge von RWE-Sondierungsgesprächen mit Finanzinvestoren die Rede. Offen sei allerdings, welche Investoren bereit seien, angesichts der Marktaussichten in das Geschäft mit Kohlekraftwerken einzusteigen.

Den nach Eon zweitgrößten deutschen Energieversorger drücken Schulden in Höhe von 35 Milliarden Euro. Dem Konzern machen zudem wie zahlreichen Konkurrenten die stark gefallenen Großhandelspreise für Strom zu schaffen. Am Donnerstag hatte Terium bereits den Aktionären die Dividende für 2013 auf einen Euro je Aktie halbiert. „Wenn auch die Belegschaft einen großen Teil der Belastungen schultert, dann muss auch der Kapitalmarkt einen Beitrag leisten“, sagte Terium der Zeitung nun. Analysten sehen in der Dividendenkürzung auch eine taktische Finesse, mit der Terium seine Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften Verdi und IG BCE verbessert, um Jobabbau und Lohnpausen durchzusetzen – denn so treffe der Sparzwang ebenfalls die Anteilseigner.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Allein die kommunalen Eigentümer, die zusammen rund 24 Prozent halten, müssen durch die Dividendenkürzung Einnahmeausfälle von zusammen rund 150 Millionen Euro verkraften. Der Essener Kämmerer Lars-Martin Klieve sprach von einer „zwar nicht überraschenden, aber dennoch bitteren Nachricht für die Stadt“.

Für die Dortmunder Stadtwerke DSW 21 bedeutet die Kürzung beispielsweise gut 19 Millionen Euro Einnahmen weniger im kommenden Jahr. Die Stadt Mülheim muss auf etwa 10 Millionen Euro verzichten, Essen auf etwa 19 Millionen, wie Sprecher am Freitag vorrechneten. Die Kommunen müssen nun ihrerseits Sparprogramme auflegen. Die Kommunen halten ihre RWE-Aktien allerdings auch zur Standortsicherung und Sicherung von Beschäftigung, wie der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, sagte.

Kommentare (17)

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Ludwig500

21.09.2013, 09:25 Uhr

So funktioniert sie, Erpressung auf höchstem Niveau. Machst du (Regierung) mir den lukrativen Atomstrom kaputt nehme ich Dir Arbeitsplätze weg. Denn wir Energieriesen haben das Recht auf Milliardengewinne und Ihr die Pflicht, uns dabei zu unterstützen. Und wenn wir Arbeitsplätze vernichten müssen seid ihr schuld.

Und es wird funktionieren. Atomausstieg kann man ja nochmal überdenken, und ausserdem gibt es ja noch das Subventionssäckel...

Account gelöscht!

21.09.2013, 10:08 Uhr

Wer Kraftwerke stillegen muß, muß auch die entsprechenden Arbeitsplätze abbauen. Das gehört zum Preis der sog. Energiewende und ist die logische Konsequenz der Entscheidung von Frau Merkel

Account gelöscht!

21.09.2013, 10:51 Uhr

@ Ludwig500

Sorry, aber ihre Weltsicht scheint mir doch ein wenig naiv zu sein. Ein Energiekonzern ist kein Sozialamt, sondern muß Gewinne machen und kann es sich nicht leisten, nutzlos gewordene Mitarbeiter weiterzubeschäftigen (womit auch? Büroklammern zählen?). Da würden die Aktionäre *zu Recht* sehr bald sehr ärgerlich werden.
Wenn Sie jemals selbständig gearbeitet hätten, würden sie das alles wissen. Die Verantwortung liegt einzig und alleine bei der irrwitzigen Energiewende.

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