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13.08.2013

12:09 Uhr

Sparprogramm

RWE zieht Zügel weiter an

Der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands möchte doppelt so viel sparen wie ursprünglich geplant, berichtet das Handelsblatt. Wegen sinkender Gewinne erwägt der Konzern auch die Schließung einiger Kraftwerke.

Die Stromnetze Deutschlands sind zeitweise überlastet. dpa

Die Stromnetze Deutschlands sind zeitweise überlastet.

Essen/DüsseldorfDer zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE will sein laufendes Sparprogramm drastisch verschärfen. Angesichts sinkender Gewinne wegen der Energiewende wolle Vorstandschef Peter Terium die jährlichen Kosten nun um zwei Milliarden Euro senken, berichtet das „Handelsblatt“ (ePaper zum Download). Das wäre doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Der drastische Verfall der Gewinne in der Stromerzeugung zwinge den Konzern, „noch einmal mindestens eine Milliarde Euro“ zu sparen, zitierte die Zeitung aus Konzernkreisen. RWE wollte den Bericht nicht kommentieren.

Terium will der Zeitung zufolge seine Pläne dem Aufsichtsrat im September bei einer zweitägigen Klausurtagung in Warschau vorstellen. Der Manager selbst hatte wiederholt angedeutet, dass der Konzern weiter sparen müsse. Er hatte vor einem Jahr, als er Jürgen Großmann an der Spitze des Energiekonzerns ablöste, das Programm „RWE 2015“ mit dem Einsparziel von einer Milliarde Euro verkündet. Dabei stand vor allem die IT sowie die Verwaltung im Mittelpunkt. Unter anderem sollten 2400 Stellen gestrichen oder verlagert werden - beispielsweise ins polnische Krakau.

Seitdem hat sich die Situation weiter verschlechtert. Wegen des Booms der erneuerbarer Energien sind die Großhandelspreise für Strom eingebrochen. Deshalb soll die Kraftwerkssparte RWE Generation, die von den bisherigen Sparvorgaben noch weitgehend unbehelligt geblieben ist, einen großen Beitrag liefern. Terium habe dazu ein zusätzliches Programm, „RWE Neo“, aufgelegt, über das er Mitte Juli schon die Belegschaft informiert habe. Es solle mindestens 500 Millionen Euro, vermutlich aber eher 600 bis 700 Millionen Euro pro Jahr einbringen.

RWE prüft dem Blatt zufolge in diesem Zusammenhang auch, im großen Stil schlecht ausgelastete Kraftwerke zu schließen. Terium habe Anlagen mit einer Leistung von zusammen 10 000 Megawatt, das entspricht rund einem Fünftel der Gesamtkapazität, „unter kritische Beobachtung“ gestellt. Am Montag hatte bereits die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet, dass sich auch die Verwaltung auf stärkere Einschnitte einstellen muss. Der Bereich solle mindestens 100 Millionen Euro zusätzlich beitragen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Gast

13.08.2013, 12:22 Uhr

Nennt man soetwas nicht Schizophrenie?

Oder auch einfach krank. Da fällt einem wirklich kaum noch etwas ein, dass man dazu sagen könnte. Versucht man es in seiner Umwelt zu erklären, wird man höchstens schief angeschaut, aber beschäftigen will sich damit niemand auch nur einen Moment.
Sagt man den Leuten dann, dass sie selbst dies so gewollt haben, hört man nur "Was soll man denn sonst tun?"

Ich versteh es einfach nicht mehr.

Zeitalterwechsel

13.08.2013, 14:45 Uhr

Erklärung:

Wind- und Solarenergie wird weiter ausgebaut werden, aber die "fest zugesicherten Einspeisungsvergütungen" werden sinken bis sich ein Einspeisungswert nach Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung ergibt. Fällt das Netz bei Windstille/Sonnenarmut treten Schattenkraftwerke in Aktion (Wasserkraft, Kohle, Gas, Druckluft) ... das kostet. Die Energiewirtschaft wird in Wind-/Solar- und schnelle Schattenkraftwerke investieren und es sich natürlich bezahlen lassen. Im Sommer wird Strom über die Grenzen Deutschlands in die Netze gegeben und im Winter holen beziehen wir auch z.B. Atomstrom aus Frankreich.

Ein komplizierte Geschichte. Die Industrie wird eigene Kraftwerke betreiben und sich poolen, um kalkulierbarer zu agieren.

Der private Kunde zahlt dort massiv mehr für Strom, wo er keine eigene dezentrale Stromversorgung hat (keine Solarmodule auf dem Dach o.a. Stromerzeuger).

Den Mieter aus NRW trifft es so viel härter, als die vielen Selbstversorger in Bayern, die sich aber vorher lange Jahre an Steuersubventionen laben konnten. Ungerechte Welt, aber so sind die Modalitäten. Es ist eine komische Welt des Übergangs in ein anderes Energiezeitalter.

Erna

13.08.2013, 16:51 Uhr

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/moebelriese-gibt-sich-gruen-ikea-kauft-windpark-in-irland/8632730.html

Leichter haben es natürlich Unternehmen, die selbst keine energiereiche Produktion betreiben. Handel z.B. wie IKEA.

Große Unternehmen können "das Heft selbst in die Hand nehmen" und agieren. Nach und nach werden es auch andere Unternehmen praktizieren. Energie wird hier wieder eine Sache um die sich selbst gekümmert wird.

"Tante Erna", die irgendwo in einem Mehrfamilienhaus traditioneller Bauart zur Miete lebt, kann dagegen nicht agieren. Die "Tante Ernas" der Republik werden teuren Strom zahlen müssen - sie sind der eigentliche Verlierer der neuen Stromwirtschaft.

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