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14.11.2013

10:10 Uhr

Sparrunden bei RWE und Eon

Die schrumpfenden Energieriesen

Die Energiewende trifft die Stromkonzerne RWE und Eon ins Mark. Nicht nur die Gewinne schrumpfen und Stellen fallen weg: Die Schwäche von RWE lässt auch Kämmerer in Nordrhein-Westfalen gruseln. Ihnen fehlen Millionen.

Für eine Werbekampagne erweckte RWE den Energieriesen zum Leben. Jetzt stehen die Zeichen auf Schrumpfkur.

Für eine Werbekampagne erweckte RWE den Energieriesen zum Leben. Jetzt stehen die Zeichen auf Schrumpfkur.

DüsseldorfDem Energiekonzern RWE brechen die Gewinne weg. Vorstandschef Peter Terium treibt deswegen den Jobabbau voran. Von 2014 bis Ende 2016 wolle das Unternehmen rund 6750 Stellen streichen, teilte RWE am Donnerstag mit. Allein in Deutschland fallen 4750 Stellen weg. Es gehe vor allem um Jobs in der vom Gewinnschwund besonders betroffenen Stromerzeugung, in der Verwaltung und bei der Ökostromtochter Innogy. Auch durch den Verkauf von Beteiligungen werde RWE dann die Zahl der Beschäftigten von fast 74.000 im Jahr 2011 auf rund 61.000 verringert haben.

Obendrein erwartet der Konzern für 2014 einen deutlichen Ergebnisrückgang: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde dann auf 7,6 bis 8,1 Milliarden Euro schrumpfen nach neun Milliarden Euro in diesem Jahr.

Die Ertragslage in der konventionellen Stromerzeugung habe sich in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bereits deutlich verschlechtert, schrieb Vorstandschef Terium an die Aktionäre. „Wir haben hier fast zwei Drittel vom betrieblichen Ergebnis des Vorjahres eingebüßt.“

Die Branche ist zur Zeit im Umbruch, die Energieversorger müssen das wegbrechende Geschäft in der Stromerzeugung mit Kohle, Kernkraft & Co. kompensieren. So hatte auch RWE-Konkurrent Eon am Mittwoch einen Gewinneinbruch verkündet, der für die Dividende maßgebliche nachhaltige Konzernüberschuss sank um mehr als 50 Prozent, auch der Konzernüberschuss sank in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um drei Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Schuld war vor allem der Einbruch im Bereich Erzeugung. Der Umsatz in dem Segment purzelte im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Auch RWE leidet unter dem Umbruch. Von Januar bis Ende September konnte der Versorger nur dank eines Sondereffekts seinen Betriebsgewinn mit 6,71 Milliarden Euro etwa auf dem Vorjahresniveau halten. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit 6,8 Milliarden Euro gerechnet. In dem Gewinn ist aber eine Rückzahlung des russischen Gaslieferanten Gazprom von rund einer Milliarde Euro verbucht. Unter dem Strich brach das Ergebnis um 67,6 Prozent auf 609 Millionen Euro ein.

RWE-Vorstandschef Terium peilt daher nach dem bis Ende 2014 laufenden Sparprogramm weitere Kürzungen an. Dabei gehe es um eine Bruttosumme von einer Milliarde Euro. Die Stellenstreichungen bis Ende 2016 greifen teilweise auf bereits vorher angekündigte Maßnahmen zurück. Sie beinhalten auch den Verkauf von Beteiligungen, etwa der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. Bereits im Vorfeld waren Informationen an verschiedene Medien über die Stellenstreichungen durchgesickert.

Kommentare (32)

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Freidenker

14.11.2013, 10:24 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

14.11.2013, 10:31 Uhr

Wer über das EEG lästert und mit RWE und Co Mitleid hat, sollte bedenken, daß diese Konzerne durch staatlich erlaubte Kartellbildung das geworden sind, was sie heute sind. Um es deutlich zu sagen: Wer sich in dieser Komfortzone zu lange ausgeruht hat und beamtenähnliche Mitarbeiter herangezogen hat, der hat es sich gar nicht anders verdient. Ich habe jedenfalls kein Mitleid mit den zur Entlassung anstehenden Beamtensesselpfurzern.

Account gelöscht!

14.11.2013, 10:42 Uhr

@ clemensespe
Was Sie schreiben ist absolut zuteffend. Allein die Millionen die verdient wurden und in dubiose Kanäle verschunden sind bleiben bisher verschwunden. Vielleicht sollte am einmal ein paar Ex-Politiker aus NRW fragen, wo dieses Geld abgeblieben ist.
Aktuell könnte wohl Herr Clement Auskunft erteilen, so er will und möchte.
Schluss mit dem Gejammer!!

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