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30.05.2014

11:29 Uhr

Sponsoring

Streit zwischen Bayer Leverkusen und Teldafax vor Klärung

Durch die Insolvenz der Teldafax-Gruppe sind Leverkusen Sponsorengelder in Millionenhöhe verwehrt geblieben. Der Rechtsstreit vor dem Landgericht Köln könnte Ende Herbst ein Ende nehmen.

Werbeplakat mit Völler an der ehemaligen Teldafax-Zentrale 2011: Das Verhältnis zwischen Teldafax und Bayer Leverkusen wird derzeit vor Gericht beendet. dapd

Werbeplakat mit Völler an der ehemaligen Teldafax-Zentrale 2011: Das Verhältnis zwischen Teldafax und Bayer Leverkusen wird derzeit vor Gericht beendet.

KölnIm Rechtsstreit zwischen dem Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen und der insolventen Teldafax-Gruppe um Sponsorengelder in Millionenhöhe zeichnet sich ein mögliches Ende im Herbst ab. Das Landgericht Köln will Anfang Oktober (1.10.) über das weitere Vorgehen entscheiden. Entweder komme es zu einem Urteil oder die Beweisaufnahme werde fortgesetzt, sagte ein Gerichtssprecher am Freitag in Köln. Beide Seiten erhielten noch einmal Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme.

Der Insolvenzverwalter des einstigen Billigstromanbieters, Biner Bähr, fordert von dem Werksclub 16 Millionen Euro plus Zinsen zurück. Bei einem Verhandlungstermin am Mittwoch hatte Bayer Leverkusen die Darstellung Bährs zurückgewiesen, schon 2009 in Gesprächen mit der Geschäftsführung von Teldafax von der finanziellen Schieflage erfahren zu haben. Zwischen 2009 und 2011 waren 16 Millionen Euro an den Verein geflossen.

Das Teldafax-Verfahren

Was wird den Angeklagten vorgeworfen?

Konkret geht es um Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßigen Betrug und um Bankrotthandlungen wie das nicht ordnungsgemäße Führen der Geschäftsbücher. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von über fünf Jahren.

Was ist bislang bekannt?

Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren die Teldafax Holding und deren Töchter Teldafax Services und Teldafax Energy bereits Mitte 2009 zahlungsunfähig. Auch wenn zwischenzeitlich Liquidität zur Verfügung stand, habe sich an der Lage der permanenten Unterdeckung nichts geändert, heißt es in der Anklageschrift. Trotzdem habe es der Vorstand nach Bekanntwerden der Insolvenzreife versäumt, innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag zu stellen. Dies geschah erst zwei Jahre später.

Wie kam es zum finanziellen Absturz?

Mit Öffnung der Strommärkte setzte Teldafax mit Billigangeboten auf einen schnellen Durchbruch am Markt. Die Tarife finanzierte Teldafax mit den Vorauszahlungen einer immer größeren Zahl von Neukunden. Verluste wurden bewusst in Kauf genommen, Strom wurde günstiger verkauft als Teldafax im Einkauf dafür zahlte. Der Insolvenzverwalter Biner Bär, der Mitte 2011 vom Bonner Amtsgericht zum Insolvenzverwalter ernannt worden war, stellte auf der ersten Gläubigerversammlung unmissverständlich klar: „Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer.“

Warum gewann Teldafax so viele Kunden?

Zu Beginn der Öffnung des Strommarktes wurde das Geschäft von wenigen Energiekonzernen dominiert. Andere Wirtschaftsbereiche wie die Telekommunikation hatten da bereits gezeigt, welche Preisspielräume möglich sind. Das Interesse an Billig-Tarifen war entsprechend hoch. Je nach Haushaltsgröße sollten Privatverbraucher bis zu mehrere hundert Euro Stromkosten im Jahr sparen können, lautete das Versprechen.

Würde eine Verurteilung der Angeklagten Geschädigten helfen?

Zwar verbessern sich bei einer Verurteilung die Möglichkeiten, Schadenersatzklagen durchzusetzen. Aber die Vermögenslage der Manager wird im Fall der Fälle kaum ausreichen, die Forderungen vollständig zu bedienen. Bei einem Schaden von insgesamt 500 Millionen Euro - das ist die Schätzung des Insolvenzverwalters - werden die vielen Gläubiger vermutlich große Abstriche machen müssen.

Welche Lehren ziehen Verbraucherschützer aus dem Fall Teldafax?

Bundesnetzagentur und Verbraucherschützer warnen schon seit langem bei einem Wechsel des Stromanbieters vor Tarifen mit Vorauszahlung. Geht das Unternehmen Pleite, ist es schwierig, an sein Geld zu kommen.

Das Teldafax-Management ist inzwischen wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Betrugs und Bankrotthandlungen angeklagt. Die Pleite ist mit mehr als 700.000 Geschädigten einer der spektakulärsten Unternehmenszusammenbrüche der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Von

dpa

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