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03.12.2013

12:16 Uhr

Sprit-Transparenzstelle

Mal eben 15 Cent pro Liter sparen

VonSebastian Ertinger

Die Transparenzstelle für Benzinpreise hat die Testphase beendet und arbeitet nun im Normalbetrieb. Sinkende Spritpreise sind bislang ausgeblieben. Trotzdem können Autofahrer an der Zapfsäule viel sparen – noch.

Transparente Spritkosten: Die Benzin-Transparenzstelle hat die Testphase abgeschlossen. dpa

Transparente Spritkosten: Die Benzin-Transparenzstelle hat die Testphase abgeschlossen.

DüsseldorfGegen Nachmittag purzeln die Preise an der Zapfsäule. Denn wenn der große Ansturm der Berufspendler vorbei ist, senken Mineralölkonzerne und Tankstellenpächter die Spritpreise. Ein Beispiel: Im Düsseldorfer Osten verlangte eine Shell-Tankstelle an einem Vormittag Ende November 1,579 Euro je Liter Super E10 – der Spitzenreiter in der Stadt und zwölf Cent teurer als der billigste Anbieter. Am Nachmittag nahm der Spitzenreiter dann den Preis zurück, verlangte 1,479 Euro je Liter und lag damit im Mittelfeld der Tankstellen.

Solche krassen Preisdifferenzen sind die Regel. Seit einigen Wochen können Autofahrer diese Spannen offen nachvollziehen – und entsprechend ausnutzen. Denn seit dem 12. September stellt die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, so der offizielle Name, Daten über die Spritpreise an Deutschlands Tankstellen bereit.

Über private Internetportale wie Clever-Tanken.de, Spritpreismonitor oder die Seite des Automobilclubs ADAC können Autofahrer dann die aktuellen Preise in ihrer Umgebung abrufen (zur vollständigen Anbieterliste). Zum 1. Dezember stellte das Bundeskartellamt, bei dem die Stelle angesiedelt ist, von der Probephase auf den Normalbertrieb um. „Der Testbetrieb der Markttransparenzstelle lief erfolgreich“, resümiert der scheidende Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). „So schaffen wir mehr Transparenz über die Preise auf den Kraftstoffmärkten. Damit sorgen wir für mehr Wettbewerb.“

Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt

Steuern und Einkaufspreis

Der Benzinpreis an der Tankstelle setzt sich überwiegend aus Steuern und dem Einkaufspreis am europäischen Großmarkt für Ölprodukte in Rotterdam zusammen.

Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer

Je Liter Benzin werden festgeschriebene 65,5 Cent Mineralölsteuer fällig, außerdem werden 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben.

Deckungsbeitrag

Zieht man noch den Einkaufspreis ab, der im Januar - dies sind die neuesten Daten - durchschnittlich bei 56,1 Cent lag, bleibt in der Rechnung des Branchenverbandes der sogenannte Deckungsbeitrag (Januar: 10,8 Cent). Daraus müssen auch die Kosten für die Tankstelle, Transport, Lagerung, Werbung, Verwaltung und die Beimischung von Biokomponenten gedeckt werden.

Gewinnerwartung der Konzerne

Als Gewinn streben die Ölgesellschaften einen Cent je Liter an.

Erhöhung der Bruttomarge

In der aktuellen Studie des Energieexperten Steffen Bukold wird geschrieben, dass sich die Bruttomarge der Mineralölwirtschaft (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) von 11,5 Cent Ende November 2011 auf 16,3 Cent je Liter Superbenzin Anfang März erhöht habe. Darin ist nicht nur der Gewinn der Tankstellen enthalten, sondern ebenso die Marge der Raffinerien. Bei der abweichenden Darstellung der Mineralölwirtschaft ist der Gewinn der Raffinerien in der Position der Einkaufskosten enthalten.

Nach den ersten Testmonaten lässt sich aber wohl schon so viel sagen: Die zentrale Datensammlung zauberte keinen Kostenverfall bei Benzin, Diesel & Co. herbei. „Die Einführung der Transparenzstelle hat noch nicht viel bei den Preisen für Benzin und Diesel bewegt“, sagt ein ADAC-Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online. Allerdings sei es für ein endgültiges Urteil noch zu früh.

Ende Oktober zahlten zwar Autofahrer für einen Liter Super E10 im Schnitt erstmals seit August 2012 weniger als 1,50 Euro. Grund hierfür dürfte laut den Automobilclubs und Energie-Experten aber eher die Seitwärtstendenz beim Ölpreis und die Stärke des Euro sein. Mittlerweile robbte sich der Preis wieder über die Marke von 1,50 Euro. An der Zapfsäule kostet derzeit ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt 1,519 Euro, meldet der ADAC.

Kommentare (16)

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walter.drews

02.12.2013, 07:41 Uhr

Wenn sich trotz Preisvergleich nichts mehr sparen lässt, dann ist die Transparenzstelle ein Erfolg.
Komischerweise regen sich die Verbraucher immer über die Benzinpreise auf. Zu recht! Aber warum zum Beispiel können deutsche Unfallversicherer locker 40% Gewinne auf den Endpreis erzielen? Davon können die Ölmultis nur träumen!

esboern

02.12.2013, 08:19 Uhr

Die Pipifax-Transperentstelle ist nur Augenwischerei unserer 4 etablierten Parteien, die Preise müssen hoch bleiben, wie Mutti es will u. gesagt hat, dann fliesen die Steuereinnahmen, zur unsinnigen Vergeudung. Der Arbeitermichl wird arm gehalten.Gegen Preisabsprachen unserer bedauernswerten Unternehmer u. Großunternehmen wird Jahrzehnte lang nichts getan.

Account gelöscht!

02.12.2013, 08:20 Uhr

15 Cent und mehr...
dabei fällt auf, dass die "blau-weißen" mit Abstand im Preis immer führen. Was also rechtfertigt diese Spanne, bei einer DIN Vorgabe wohl sicher nicht die Qualität !
Wenn man 90 Liter unterbringen kann, ist diese Einrichtung für sich schon ein Erfolg.

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