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25.07.2014

12:31 Uhr

Staatsunternehmen

Ölkonzern Rosneft verfünffacht seinen Gewinn

Der russische Ölkonzern Rosneft macht dank des starken Rubel deutlich mehr Gewinn. Allerdings wurde Rosneft wegen der Ukraine-Krise mit Strafmaßnahmen belegt. Das könnte den Gewinn künftig belasten.

Das Logo von Rosneft: Rosneft will etwa gemeinsam mit Statoil Ölvorkommen in der russischen Arktis ausbeuten. dpa

Das Logo von Rosneft: Rosneft will etwa gemeinsam mit Statoil Ölvorkommen in der russischen Arktis ausbeuten.

MoskauDer größte russische Ölkonzern Rosneft hat dank des stärkeren Rubels seinen Gewinn fast verfünffacht. Unter dem Strich verdiente das Staatsunternehmen im abgelaufenen Quartal 172 Milliarden Rubel (3,65 Milliarden Euro). Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 161 Milliarden Rubel gerechnet. Ohne die Auswirkungen der Wechselkurse lag die Steigerung bei 88 Prozent, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. An ihm ist die britische BP mit 19,75 Prozent beteiligt. Die Rosneft-Aktie lag am Freitagmittag 0,15 Prozent im Minus, während der Gesamtmarkt um 1,4 Prozent nachgab.

Wegen der Krise in der Ukraine haben die USA Rosneft mit Strafmaßnahmen belegt. Damit wird es für den Konzern schwieriger, an westliches Kapital zu kommen. Konzernchef Igor Setschin erklärte, man arbeite gemeinsam mit Partnerunternehmen daran, die Auswirkungen der Sanktionen so gering wie möglich zu halten.

Fragen und Antworten zu Sanktionen gegen Russland

Auf welche Sanktionen müssen sich Unternehmen einstellen?

Die EU diskutiert bislang über eine mögliche Einschränkung für Rüstungsausfuhren sowie für Exporte von Hochtechnologie für den Energiebereich. Offen ist, was damit genau gemeint ist. Außerdem sollen Möglichkeiten geprüft werden, den Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten zu erschweren.

Was wären die Folgen?

Eingriffe in die Finanzierung würden die russische Wirtschaft querbeet treffen. „Die Abhängigkeit Russlands von externen ausländischen Finanzierungen hat in den letzten Jahres stark zugenommen“, schreiben die Volkswirte der Hypovereinsbank (HVB). Sollte die EU dem Beispiel der USA mit einem Verbot für die Finanzierung erster russischer Unternehmen folgen, werde dies zwangsläufig sehr schnell wirken - denn bislang hätten russische Firmen Finanzierungen in Dollar zumindest teilweise durch Finanzierungen in Euro ersetzen können.

Und wie sieht es mit Handelsbeschränkungen aus?

Von Handelsverboten beispielsweise bei Rüstung und Maschinen wären natürlich die Hersteller selbst betroffen. Schon jetzt berichten Maschinenbauer über Einbrüche, obwohl es noch gar keine konkreten Schritte gibt. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge. Einzelne Firmen berichten, russische Kunden sähen sich schon jetzt nach Alternativen zum Beispiel in Asien um. Die mittelständische Wirtschaft fürchtet, dass ein Embargo bei uns vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe in den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektronische Erzeugnisse, Pharma und Nahrungsmittel zurückschlagen würde.

Wie wichtig ist denn Russland insgesamt als Kunde?

Russland hat zuletzt (2013) Waren für rund 36 Milliarden Euro in Deutschland gekauft. Das entspricht rund 3 Prozent aller Exporte. Damit steht das Land aber nur auf Platz 11 der wichtigsten Kunden, hinter Handelspartnern wie zum Beispiel Belgien, Polen, der Schweiz oder Österreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes führen aber lediglich 10 Prozent aller Exporteure Waren nach Russland aus. „Für etwa 73 Prozent dieser Unternehmen machen die Exporte nach Russland maximal ein Viertel ihrer gesamten Exporte aus.“ Einzelne Firmen oder Branchen könnten also deutlich heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Dann droht also kein handfester Konjunktureinbruch?

Eher nicht. Sollte die ohnehin aktuell schwächelnde russische Wirtschaft weiter einbrechen, hätte das zwar auch negative Konsequenzen für Deutschland. Wegen des begrenzten Anteils der Exporte nach Russland wäre das für die deutsche Wirtschaft aber „wohl verschmerzbar“, meinen die HVB-Ökonomen.

Wie könnte Russland auf ein Embargo reagieren?

Auch das ist völlig unklar. Allerdings hätte Moskau genügend Mittel für einen Gegenschlag: Binnen eines Jahrzehnts hat es das Riesenreich von Platz 16 auf Platz 8 der weltweit größten Volkswirtschaften geschafft. Ein Großteil der Wirtschaftsmacht des „Rohstoffgiganten Russland“ beruht auf Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Metallen wie Nickel, Aluminium. Und genau hier könnte das Drohpotenzial liegen - theoretisch zumindest: „Nach rationalen Erwägungen würden sich die Russen stärker selbst schaden, wenn sie uns den Gashahn beginnen abzudrehen, weil sie ... von den Einnahmen daraus abhängig sind“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Donnerstag im Südwestrundfunk.

Rosneft will etwa gemeinsam mit Statoil Ölvorkommen in der russischen Arktis ausbeuten. Das norwegische Unternehmen will seine Pläne wegen der Krise in der Ukraine nicht ändern. Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, die Separatisten im Osten des Landes zu unterstützen. Russland bestreitet dies.

Von

rtr

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