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14.02.2014

10:36 Uhr

Stahlhersteller

Thyssen-Krupp senkt den Verlust

Thyssen-Krupp bekommt die Problemwerke in Brasilien und den USA besser in den Griff. Trotzdem steht unter dem Strich weiter ein Minus: Der Stahlhersteller muss hohe Abschreibungen vornehmen.

Auf Abwärtskurs

Wie kriegt Thyssen-Krupp die Kurve?

Auf Abwärtskurs: Wie kriegt Thyssen-Krupp die Kurve?

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DüsseldorfDer angeschlagene Stahlhersteller Thyssen-Krupp hat im vergangenen Quartal die Verluste bei den Werken in Übersee dank einer höheren Auslastung deutlich verringert. Auch deswegen steigerte der Konzern den operativen Gewinn auf 247 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresabschnitt, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Die Aktien legten am Freitag um bis zu 5,2 Prozent auf 20,72 Euro zu und notierten damit auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.

Von Reuters befragte Analysten hatten den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von Oktober bis Ende Dezember auf 213 Millionen Euro taxiert. Sondereffekte wie Beteiligungsverkäufe sind aus der Kennziffer herausgerechnet. Unter dem Strich fuhr Thyssen-Krupp allerdings einen Verlust von 69 Millionen Euro ein. Dabei schlugen Abschreibungen im Zusammenhang mit der geplanten Veräußerung der Anteile von 29,9 Prozent an dem finnischen Konkurrenten Outokumpu zu Buche.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger bekräftigte die Prognose für das Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende September). „Wir sind mit einem guten ersten Quartal in das neue Geschäftsjahr gestartet, ohne dass wir Rückenwind von der Konjunktur hatten.“

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Die Zeichen stehen gut, dass Thyssen-Krupp auch gut in das zweite Quartal starten kann. Der Auftragseingang aus fortgeführten Aktivitäten lag mit 10,7 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahresquartal. Bei den Aufträgen lag die Aufzugsparte weit vorne, die vor allem im asiatischen Raum stark zulegen konnte.

Der Vorstand hat sich nach 599 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr für die neue Periode einen operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro vorgenommen. Die Kosten sollen um weitere 850 Millionen Euro sinken. Nach drei Milliardenverlusten in Folge will sich Thyssen-Krupp unter dem Strich zumindest wieder in Richtung eines ausgeglichenen Ergebnisses bewegen.

Mit dem US-Werk hat Thyssen-Krupp eines der beiden Überseestahlwerke an Arcelor Mittal und Nippon Steel verkauft. Die Transaktion, die Thyssen-Krupp gut eine Milliarde Euro in die Kasse spülen soll, soll in den kommenden Monaten abgeschlossen sein. Nach einer im Internet veröffentlichten Präsentation soll der operative Gewinn im zweiten Quartal höher als im ersten ausfallen. Im zweiten Quartal des Vorjahres waren es 196 Millionen Euro gewesen.

Kommentare (1)

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aktionar

14.02.2014, 10:24 Uhr

Schon Bernecker sagte im letzten Jahr, dass die deutsche Stahlwirschaft richtungsweisend für die deutsche Wirtschaft ist. Mal sehen, wie gut wir wirklich auf der Krise heraus sind.

Aber ein paar Calls auf Stahl kann wohl nicht schaden.

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