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03.09.2013

17:47 Uhr

Stahlindustrie

Thyssen-Krupp kommt bei Werksverkauf nicht voran

Stillstand bei Thyssen-Krupp: Seit über einem Jahr dauern die Gespräche über einen Verkauf der verlustträchtigen Stahlwerke nun an, doch ein Abschluss ist nicht in Sicht. Der Aufsichtsrat berät sich heute Nachmittag.

Das gesamte Werksgelände des Stahl- und Hüttenwerkes von ThyssenKrupp an der Sepetiba-Bucht bei Rio de Janeiro: Die erst 2010 eröffneten Stahlwerke in Brasilien und den USA haben sich für ThyssenKrupp zu einem Milliardengrab entwickelt. dpa

Das gesamte Werksgelände des Stahl- und Hüttenwerkes von ThyssenKrupp an der Sepetiba-Bucht bei Rio de Janeiro: Die erst 2010 eröffneten Stahlwerke in Brasilien und den USA haben sich für ThyssenKrupp zu einem Milliardengrab entwickelt.

EssenBei den seit über einem Jahr andauernden Gesprächen über einen Verkauf der verlustträchtigen Stahlwerke in Übersee kommt Thyssen-Krupp offenbar nicht voran. Nach einer am Dienstagnachmittag geplanten Sitzung des Aufsichtsrats seien keine Mitteilungen zu erwarten, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Bereits am Vorabend hatte ein Sprecher einen Zeitungsbericht zu einer möglichen Absage des Verkaufs zurückgewiesen.

Der Vorstand werde den Verkauf der beiden Werke in Brasilien und den USA abbrechen und eine Kapitalerhöhung starten, hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstag) berichtet und sich dabei auf das Konzernumfeld berufen.

Neben dem Stand der Verkaufsverhandlungen für die Werke in Brasilien und den USA werde es bei der Sitzung auch um die angespannte Eigenkapitalsituation und die Lage bei den Kartellverfahren gehen, berichtete die Zeitung. Noch im vergangenen Monat hatte dass Unternehmen mitgeteilt, die Gespräche mit einem führenden Bieter seien „weit fortgeschritten“. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte die Gespräche als „hochkomplex“ bezeichnet.

Die größten Baustellen von Thyssen-Krupp

Einleitung

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp das dritte Mal in Folge einen Nettoverlust ein. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro fiel dieser zwar niedriger aus als die fünf Milliarden Euro Miese im Jahr zuvor. Die Aktionäre müssen jedoch erneut auf eine Dividende verzichten. Das könnte auch im neuen Geschäftsjahr 2013/14 der Fall sein. Thyssen-Krupp will zwar operativ zulegen, für einen Nettogewinn könnte es aber erneut nicht reichen. Zudem schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte, sondern auch das Geschäft mit dem Werkstoff in Europa und mit Teilen für die Automobilindustrie.

Ertragsschwäche

Thyssen-Krupp fuhr im Geschäftsjahr 2011/12 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Euro ein. In den ersten neun Monaten des Ende September abgelaufenen Geschäftsjahres 2012/13 waren es rund 1,2 Milliarden Euro. Analysten zufolge schwächelt nicht nur die amerikanische Stahlsparte. Auch das europäische Stahlgeschäft, der Großanlagenbau, der Verkauf von Autoteilen und die Aufzugssparte hätten im Geschäftsjahr weniger verdient. Der Handel mit Werkstoffen und das Dienstleistungsgeschäft habe hingegen zugelegt.

Stellenabbau

Für Unruhe im Konzern sorgen auch die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze. In der Verwaltung sollen 3000 Jobs wegfallen. In der Stahlsparte will Thyssen-Krupp 2000 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 1800 Stellen könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen. „Wir bügeln damit auch die Managementfehler der Vergangenheit aus“, hatte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath in einem Reuters-Interview gesagt. Thyssen-Krupp will damit die Kosten um 500 Millionen Euro senken. Die Summe ist Teil der insgesamt geplanten Einsparungen des Konzerns bis 2014/15 von nun 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 156.000 Mitarbeiter, davon etwa 58.000 in Deutschland. Ein weiterer Stellenabbau ist nach den Worten von Personalvorstand Oliver Burkhard derzeit nicht geplant.

Fehlinvestitionen in Übersee

Nach einer langen Hängepartie konnte Thyssen-Krupp das Weiterverarbeitungswerk in den USA verkaufen. Das verlustreiche Rohstahlwerk in Brasilien hängt dem Konzern immer noch wie ein Klotz am Bein. Thyssen-Krupp muss neue Abnehmer für den Werkstoff in Nord- und Südamerika finden, da das US-Werk künftig weniger abnimmt. Die Kosten für beide Werke waren auf fast 13 Milliarden Euro explodiert, mehr als acht Milliarden entfielen auf Brasilien. Das US-Werk bleibt bis zu der erhofften Freigabe des Deals durch die Regulierungsbehörden noch für Monate in den Büchern. Thyssen-Krupp erwartet in der Sparte weitere Verluste - wenn auch niedrigere als bislang.

Schulden

Dem Konzern sitzen die Ratingagenturen im Nacken. Thyssen-Krupp drücken Schulden von fünf Milliarden Euro. Das Eigenkapital schmolz zwischenzeitlich von 4,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro zusammen, durch eine im Dezember 2013 durchgezogene Kapitalerhöhung konnte es inzwischen auf 3,3 Milliarden Euro aufgebessert werden. Die Eigenkapitalquote ist einer der niedrigsten Werte eines Dax-Konzerns. Gespräche mit Banken sorgten Ende September für Erleichterung, nachdem dieser Wert über die Marke von 150 Prozent gestiegen war.

Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe

Der Mischkonzern wird immer wieder von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will eine neue Unternehmenskultur, in der für krumme Geschäfte kein Platz ist. Bei illegalen Preisabsprachen war Thyssen-Krupp ein Wiederholungstäter. Einem Aufzugskartell folgten Kungeleien mit Schienenherstellern. Hier einigte sich Thyssen-Krupp nun mit der Deutschen Bahn auf Schadensersatz. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Verdacht über dem Konzern, sich auch an einem möglichen Kartell von Herstellern von Blechen für die Automobilindustrie beteiligt zu haben. Ob sich dieser Verdacht bestätigt, ist offen. Sollte dies aber der Fall sein, wären die Konsequenzen nicht abzuschätzen - die Autoindustrie gehört zu den größten Kunden von Thyssen-Krupp. Welchen Stellenwert die Aufarbeitung der Verstöße hat, zeigte sich auch auf der Hauptversammlung im Januar 2014: Dort schuf Thyssen-Krupp für den ehemaligen Metro-Manager Donatus Kaufmann einen neuen Vorstandsposten für Compliance.

Ramponierter Ruf

Der Ruf des einst stolzen Unternehmens ist durch Pleiten, Pech und Pannen und die Korruptionsvorwürfe ramponiert. „Es herrschte offenbar bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hat Konzernchef Hiesinger beklagt. Er will aufräumen und eine neue Unternehmenskultur einführen, in der Seilschaften und blinde Loyalität nicht wichtiger sind als unternehmerischer Erfolg. Dafür braucht er die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat.

Die erst 2010 eröffneten Stahlwerke haben sich für Thyssen-Krupp zu einem Milliardengrab entwickelt: Die Anlagen stehen noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern, gekostet haben sie bislang zusammen rund zwölf Milliarden Euro. Die Werke haben das Eigenkapital von Thyssen-Krupp stark schrumpfen lassen.

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 (30.9.) hatte der Konzern einen Verlust von 1,205 Milliarden Euro eingefahren. Ursache dafür waren vor allem Abschreibungen auf Fehlinvestitionen in die Stahlwerksprojekte in Übersee.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Manfred

03.09.2013, 18:55 Uhr

Warum heute kaufen wenn morgen als Geschenk angeboten wird.
Deutsche Großmannssucht wird noch einigen Firmen teuer zu stehen kommen.
Nieten in Nadelstreifen gab es in der Vergangenheit und wird noch einige zum Vorschein bringen. Ob in der Autoindustrie, Versorger, Pharma der Banken. In jedem Bereich wurden
Milliarden verbrannt auch durch Gerichtsurteile.

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