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09.04.2016

10:56 Uhr

Stahlkocher gehen auf die Straße

„Es geht um unsere Arbeitsplätze“

Tausende Stahlkocher machen am Montag mobil für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Die Branche beklagt einen „ruinösen Preiswettbewerb“ mit der Konkurrenz aus China und fürchtet weitere Kostenbelastungen.

Bereits am Donnerstag hatten rund 4000 Beschäftigte der niedersächsischen Stahlindustrie protestiert. dpa

Stahl-Aktionstag

Bereits am Donnerstag hatten rund 4000 Beschäftigte der niedersächsischen Stahlindustrie protestiert.

DuisburgTausende Stahlkocher wollen am Montag bei einem bundesweiten Aktionstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren. Mit Kundgebungen in Duisburg, Berlin und dem Saarland wollen die Beschäftigten auf die Bedrohung der deutschen Stahlbranche durch die Billig-Konkurrenz aus China aufmerksam machen. Nach Ansicht von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann soll sich die Bundesregierung stärker für die Jobs einsetzen. „Die Bundesregierung muss sich klar positionieren, wie sie die Arbeitsplätze sichern will“, sagte Hofmann der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ/Samstag).

Sorge bereitet auch die in der EU geplante Neuregelung des Emissionshandels, durch die hohe Kostenbelastungen befürchtet werden. „Deutschland muss ein Treiber in Brüssel sein auch für effektivere Schutzmaßnahmen gegen Dumpingstrategien“, forderte Hofmann in der „WAZ“. Mit ihren Klimaschutzplänen und „zu laschen“ Zöllen auf chinesische Importe gefährde außerdem die EU-Kommission die europäische Stahlindustrie. Hofmann warnte, dass wenn die Weichen nicht anders gestellt würden, in den deutschen Werken in absehbarer Zeit die Lichter ausgingen.

Am Montagmorgen sollen die Anlagen beim größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp in Duisburg heruntergefahren werden, bevor dann am Nachmittag Vertreter der Gewerkschaft IG Metall, der Politik und der Unternehmen sprechen werden. Zu einer Kundgebung vor den Toren des größten deutschen Stahlstandorts in Duisburg werden neben IG-Metall-Chef Hofmann auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, erwartet.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Es könne nicht sein, dass die wettbewerbsstarke Stahlindustrie in Deutschland von Dumpingstahl und einer Verschärfung des Emissionsrechtehandels untergraben werde. „Jetzt müssen die entsprechenden politischen Entscheidungen in Brüssel und Berlin fallen, die der Stahlindustrie in Deutschland eine gute Zukunft hierzulande ermöglichen“, forderte Kerkhoff bereits im Vorfeld der Veranstaltung. „Es geht um unsere Arbeitsplätze“, sagte der Thyssenkrupp-Stahl-Betriebsratsvorsitzende Günter Back.

Bereits am Donnerstag hatten rund 4000 Beschäftigte der niedersächsischen Stahlindustrie protestiert. Dass China billigen Stahl auf den Weltmarkt werfe, habe zu einem „ruinösen Preiswettbewerb“ geführt, hatte der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Heinz Jörg Fuhrmann, beklagt. „Das ist ein Tsunami, dem wir aus eigener Kraft nicht viel entgegensetzen können“, warnte der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns.

Von

dpa

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