Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2013

15:18 Uhr

Stahlkocher

Salzgitter-Aufsichtsrat genehmigt Arbeitsplatzabbau

Das angeschlagene Unternehmen kann mit der Sanierung beginnen. Sowohl Gewerkschaft als auch Aufsichtsrat haben den Umbauplänen zugestimmt. Um sein Überleben zu sichern, trennt sich der Stahlkocher von 1500 Arbeitern.

ThyssenKrupp geht durch schwierige Zeiten. Zwei Stahlwerke in Übersee haben Milliarden verschlungen, die von Hiesinger geplante Veräußerung lässt seit Monaten auf sich warten. Der Konzern bereitet Finanzkreisen zufolge zudem eine Kapitalerhöhung vor. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich die klamme Krupp-Stiftung, die als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme gilt, sich ohne finanzielle Hilfe daran beteiligt. Zieht sie nicht mit, könnte ihre Sperrminorität fallen. dpa

ThyssenKrupp geht durch schwierige Zeiten. Zwei Stahlwerke in Übersee haben Milliarden verschlungen, die von Hiesinger geplante Veräußerung lässt seit Monaten auf sich warten. Der Konzern bereitet Finanzkreisen zufolge zudem eine Kapitalerhöhung vor. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich die klamme Krupp-Stiftung, die als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme gilt, sich ohne finanzielle Hilfe daran beteiligt. Zieht sie nicht mit, könnte ihre Sperrminorität fallen.

HamburgDer angeschlagene Stahlkonzern Salzgitter kann die Sanierung angehen. Der Aufsichtsrat segnete am Donnerstag die Neustrukturierung des Konzerns ab, bei der mehr als 1500 der gut 23.000 Vollzeitstellen wegfallen sollen. Der Vorstand wird zugleich auf drei Mitglieder halbiert. Mit der Neuordnung der Geschäftsbereiche und der Unterzeichnung des Zukunftsvertrages mit der IG Metall seien alle Voraussetzungen geschaffen, um den Konzern in der Branchenkrise zu stabilisieren, teilte Salzgitter mit. Das Programm diene zugleich der Absicherung der Eigenständigkeit des Unternehmens und dem Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze.

Das Land Niedersachsen als größter Einzelaktionär hatte der Umstrukturierung des ThyssenKrupp -Konkurrenten bereits zugestimmt und damit den Weg für das Votum im Kontrollrat freigemacht. Knackpunkt in den Verhandlungen war zuvor das defizitäre Werk in Peine, in dem rund 1100 Mitarbeiter Stahlträger für die Baubranche herstellen. Das erst vor kurzem für 400 Millionen Euro modernisierte Traditionswerk soll zwar erhalten werden, die Zahl der Arbeitsplätze schrumpft aber auf gut 800 Stellen.

Mit der Neuordnung soll der als verschachtelt geltende Salzgitter-Konzern übersichtlicher und effektiver werden. Dazu wird die bisherige Organisation anhand von Produktenbereichen durch eine ersetzt, die sich stärker an großen Kunden und Märkten orientiert. Die Konzerngesellschaften werden fünf Geschäftsbereichen mit eigenen Spartenchefs zugeordnet: Flachstahl, Grobblech/Profilstahl, Energie, Handel und Technologie. Damit erhält die Ebene unterhalb des Vorstands mehr Gewicht.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Salzgitter reagiert damit auf die Krise in der Stahlindustrie, die auch Konkurrenten wie Weltmarktführer ArcelorMittal und ThyssenKrupp zu Einsparungen zwingt. Die Niedersachsen hatten unlängst ihren Ausblick zum zweiten Mal binnen weniger Monate gesenkt und rechnen nun für 2013 mit einem Vorsteuerverlust von 400 Millionen Euro.

Für die Verkleinerung des Vorstands muss kein Manager entlassen werden, denn die Verträge von Röhrenchef Wolfgang Eding und Handelsvorstand Heinz Groschke laufen Ende September kommenden Jahres aus. Beide sind dann Mitte 60. Bis zum Eintritt in den Ruhestand bleiben sie im Vorstand und fungieren als Leiter der Sparten Energie und Handel. Einen weiteren Vorstandsbereich hat Konzernchef Heinz Jörg Fuhrmann mitübernommen.

Zum Management gehören noch Finanzchef Burkhard Becker und Personalvorstand Michael Kieckbusch. Mit drei Posten - Vorstands, Finanz- und Personalchef - kommt inzwischen auch der deutsche Branchenführer ThyssenKrupp aus. Der Essener Konzern hatte jüngst auch das Management seiner Stahltochter gestrafft.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachwuchs

26.09.2013, 18:54 Uhr

Wieder ist die Gewerkschaft für Arbeitsplatzvernichtung! Wieder weigert sie sich die verantwortlichen Manager zur Rechenschaft zu ziehen. Warum ist die Gewerkschaft nicht für Arbeitsplatzerhaltung undschreitet vorher ein?

Treudoof

26.09.2013, 21:17 Uhr

Hey, die Konjunktur zieht doch so mächtig an!
Die wollen doch laut Presse alle mächtig einstellen.
Was soll denn diese Lüge hier als Artikel. Das wurde doch alles falsch verstanden, vorsätzlich natürlich!

Richtig muss es lauten das der "Dienstleistungssektor so dringend Fachkräfte braucht, dass selbst Baron Thyssen ein Einsehen hat und Superminister Sameco-Clement eine solidarische Hilfe in Höhe von 1500 treuen Facharbeitern zur Verfügung stellt um den Fachkräftemangel der armen Konkurrenz zu mildern. Biblische Nächstenliebe, sonst gar nichts lieber Abel... gez. Dein Bruder.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×