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18.12.2012

17:36 Uhr

Stahlkonzern Posco

Gunst der Geografie

VonMartin Kölling

Aus dem Nichts ist Posco in wenigen Jahrzehnten zum größten Stahlhersteller aufgestiegen. Verankert in der Boomregion Asien meisterte Posco alle Krise ohne Verluste. Dennoch scheiterten IPOs von Tochterfirmen.

Die Posco-Zentrale in Seoul, Südkorea. ap

Die Posco-Zentrale in Seoul, Südkorea.

SeoulDie Südkoreaner lieben und leben Superlative, auch in der Stahlindustrie. Das größte und modernste Stahlwerk der Welt ist natürlich in Südkorea beheimatet, behauptet der Stahlriese Posco. Und mit einer Produktionskapazität von mehr 18 Millionen Tonnen Stahl ist das Werk in der im Süden gelegenen Hafenstadt Gwangyang ist tatsächlich beeindruckend.

Noch stolzer macht die Koreaner nur, dass sie den Aufstieg in die Elite der Stahlwelt in Rekordtempo geschafft haben. "Gegründet im Jahr 1968 nahezu ohne Kapital, Technik und Erfahrung ist Posco in nur drei Dekaden an die Spitze der Stahlwelt aufgestiegen", tönt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Tatsächlich haben die Koreaner den Sprung unter die Top-5 sogar in der Hälfte der Zeit geschafft. Allerdings unterschlägt das Unternehmen dabei ein peinliches Detail: Es erfreute sich enormer Starthilfe - und zwar vom einstigen Kolonisator Japan. Und dies kam so:

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Südkoreas Diktator Park Chung-Hee wurde in den 1960er Jahren von der Überzeugung angetrieben, dass die Macht einer Industrienation aus seinen Stahlöfen entspringt. Mit dem heute größten Werkzeugmaschinenhersteller Asiens Taegu Tec gründete seine Regierung daher ein Joint Venture. Das notwendige Startkapital lieh er sich vom ehemaligen Kolonisator Japan, die Technik vom Japans Stahlriesen Nippon Steel, zwei wichtige Details, die der Konzern in seiner Selbstdarstellung im Internet verschweigt.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

1972 wurde dann bereits die erste Stahlplatte im Stammwerk in der Hafenstadt Pohang gewalzt. Von da an ging es - staatlich protegiert - steil bergauf. Modernste Technik war Posco gerade gut genug. Nach der Privatisierung des Staatsunternehmens im Jahr 2000 folgte dann auch die Expansion ins Ausland. Dabei konzentrierte sich Posco bisher auf Wirtschaftswunderländer wie China, Indien und Vietnam.

Das Resultat: Durch seinen Fokus auf die Boomregion Asien wuchs der Konzern rasant. 2009 war Posco nicht nur der wertvollste Stahlhersteller der Welt. Das Unternehmen hatte auch das Kunststück vollbracht, als einziger Hersteller in den letzten Jahrzehnten keine roten Zahlen geschrieben zu haben, weder in der Asienkrise 1997 noch in der Weltwirtschaftskrise 2008.

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