Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.08.2014

12:49 Uhr

Stahlkonzern

Preisverfall macht Arcelor Mittal zu schaffen

Hohe Rohstoffpreise haben die Stahlbranche lange belastet. Bei Arcelor Mittal ist es nun umgekehrt. Der Weltmarktführer hatte seine eigene Förderung ausgebaut. Dass nun die Preise sinken, macht dem Konzern zu schaffen.

Ein Schmelzer misst die Temperatur: Europa und die USA erhalten etwa zwei Drittel des Stahls von Arcelor Mittal. dpa

Ein Schmelzer misst die Temperatur: Europa und die USA erhalten etwa zwei Drittel des Stahls von Arcelor Mittal.

LuxemburgArcelor Mittal hat der Hoffnung auf eine schnelle Erholung in der Stahlbranche einen herben Dämpfer verpasst. Der weltgrößte Stahlhersteller senkte am Freitag in Luxemburg seine Prognose und erwartet in diesem Jahr nur noch ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von gut sieben Milliarden US-Dollar. Der Vorstand begründete den Schritt mit dem deutlichen Rückgang der Eisenerzpreise. Der Aufwärtstrend im Stahlgeschäft reicht bislang nicht aus, um diese Belastung wettzumachen.

Arcelor Mittal wollte das Ebitda ursprünglich um gut eine Milliarde auf rund 8 Milliarden US-Dollar steigern. Doch die stark gesunkenen Preise für Eisenerz machten die Kalkulation hinfällig. Der Konzern hatte anders als die deutschen Konkurrenten ThyssenKrupp und Salzgitter angesichts lange steigender Erzpreise in den vergangenen Jahren kräftig in den Aufbau einer eigenen Förderung investiert. Das zahlt sich derzeit nicht aus. Die Börse reagierte enttäuscht. Die Aktie verlor am Vormittag fast 6 Prozent an Wert.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der alten Arcelor Mittal-Prognose lag ein Erzpreis von 120 Dollar pro Tonne zugrunde. Zuletzt war der Preis für den wichtigsten Rohstoff in der Stahlherstellung allerdings erstmals seit 2012 unter die Marke von 90 Dollar gerutscht. Das liegt unter anderem an den Sorgen vor einer Abschwächung des Wachstums in China. Zudem haben viele Bergbaukonzerne ähnlich wie Arcelor Mittal in Zeiten steigender Preise neue Förderprojekte begonnen, bei denen nun der Betrieb beginnt. So stößt ein größeres Angebot auf eine verhaltene Nachfrage. In der neuen Prognose rechnet Arcelor Mittal mit einem Durchschnittspreis von 105 Dollar in diesem Jahr.

Für sein Kerngeschäft - die Stahlproduktion - zeigt sich der Konzern hingegen zunehmend optimistisch. Auf seinen beiden lange schwachen Hauptmärkten erwartet der Vorstand eine weiter steigende Nachfrage. In Europa soll es in diesem Jahr nun 4 Prozent nach oben gehen, in den USA sogar um 6 Prozent. Im Bundesstaat Alabama hatte der Konzern zusammen mit Nippon Steel im ersten Quartal das neue Stahlwerk von ThyssenKrupp für gut 1,5 Milliarden Dollar übernommen.

Im zweiten Quartal steigerte Arcelor Mittal seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar. Das Ebitda kletterte um 3,7 Prozent auf 1,76 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb erstmals seit zwei Jahren wieder ein leichter Quartalsgewinn von 52 Millionen Dollar übrig - nach 780 Millionen Verlust ein Jahr zuvor. Die Folgen der Ukraine-Krise halten sich derweil in Grenzen. Der Konzern steigerte dort sogar seine Produktion.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×