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19.03.2013

11:12 Uhr

Stahlkonzern

Thyssen-Krupp wählt Lehner zum Chefaufseher

Nach dem Rücktritt von Gerhard Cromme ist Ulrich Lehner offiziell zum neuen Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp ernannt worden. Er wacht schon über andere Konzerne – nicht immer mit glücklichem Händchen.

Ulrich Lehner, künftiger Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp. dpa

Ulrich Lehner, künftiger Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp.

DüsseldorfDer Chefaufseher der Telekom und ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner wacht ab dem 1. April über Thyssen-Krupp. Der Aufsichtsrat des Industriekonzerns wählte den 66-Jährigen am Dienstag auf einer außerordentlichen Sitzung zum Nachfolger von Gerhard Cromme, wie das Unternehmen mitteilte.

Cromme war aus dem Amt gedrängt worden. Zu viele Skandale wegen illegaler Preisabsprachen und Fehlinvestitionen in große Werke in USA und Brasilien hatten die Geduld von Krupp-Patriarch Berthold Beitz strapaziert. Der 99-jährige Beitz ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats und Vorsitzender der Krupp-Stiftung, die mit einem Anteil von 25,3 Prozent der Thyssen-Krupp-Aktien über eine Sperrminorität und etliche Sonderrechte verfügt.

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Der Konzern prüft derzeit eine Kapitalerhöhung, die den Anteil der Stiftung verwässern und unter die Schwelle von einem Viertel drücken könnte. Vorstandschef Heinrich Hiesinger scheint Beitz davon überzeugt zu haben, dass der Konzern frisches Geld braucht, um der gegenwärtigen Krise besser entgegen zu können. Der Aktienkurs stürzte Dienstag zeitweise um mehr als sechs Prozent ab. Erst auf der Hauptversammlung im Januar hatte Thyssen-Krupp erklärt, dass es keine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung gebe.

Der Multiaufsichtsrat Lehner soll nun wieder für Ruhe im Stahlkonzern sorgen. Dass er mit Skandalen umgehen kann, hat er als Chefaufseher bei der Deutschen Telekom gezeigt: Dort half er nach der Spitzelaffäre mit, das Vertrauen in den Konzern wieder herzustellen. Zudem vermittelte er zwischen Chefetage und Belegschaft, als die Telekom Arbeitsplätze in Servicefirmen auslagern wollte.

Allerdings ist auch er nicht unumstritten. So stimmte er als Verwaltungsratschef des Schweizer Pharmariesen Novartis einer 58,5 Millionen Euro schweren Abfindung für den scheidenden Novartis-Präsidenten Daniel Vasella zu. Der Manager verzichtete nach scharfer Kritik von Politikern und Aktionären. Bei Thyssen-Krupp gehört Lehner bereits fünf Jahre dem Aufsichtsrat an – somit stellt sich die Frage, warum er nicht früher gegen die Fehlentwicklungen vorging.


Kommentare (1)

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19.03.2013, 11:04 Uhr

Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Herr Lehner ist auch Vizepräsident des Verwaltungsrates von Novartis und handelte die übermäßige Entschädigung für Herrn Vasellas Konkurrenzverbot aus. Die Basler Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung.

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