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21.10.2013

14:17 Uhr

Stahlkonzern

Voestalpine will Asien-Geschäft ausbauen

In Europa sind die Wachstumsaussichten für Stahlhersteller eher mau. Deswegen konzentriert sich Voestalpine nun auf Asien: Der Umsatzanteil soll hier auf zwei Milliarden Euro verdreifacht werden.

Ein Stahlarbeiter in einem Voestalpine-Werk: „Wir sollten nicht erwarten, dass es Wachstumsquoten von zwei Prozent oder mehr geben wird.“ Reuters

Ein Stahlarbeiter in einem Voestalpine-Werk: „Wir sollten nicht erwarten, dass es Wachstumsquoten von zwei Prozent oder mehr geben wird.“

WienDer österreichische Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine will die mauen Wachstumsaussichten in Europa künftig durch einen kräftigen Ausbau des Geschäfts in Asien abfedern. Bis 2020 soll der Umsatzanteil Asiens auf über zwei Milliarden Euro beinahe verdreifacht werden - und dann etwa zehn Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, sagte Firmenchef Wolfgang Eder am Montag. „Wir sehen vor allem in Südostasien sehr gute Wachstumschancen, der Markt hat dort hat ein hohes Aufholpotenzial“, sagte der Voestalpine-Chef.

In den kommenden sieben Jahren will das Unternehmen mit Sitz in Linz mehrere hundert Millionen Euro in Asien investieren. „Wir denken an Investitionen und Akquisitionen“, sagte Eder. Bisher lag das Investitionsvolumen im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und war damit laut Eder im Vergleich zu anderen Regionen „überschaubar“. Ein Schwerpunkt werde China sein. Das Wirtschaftswachstum liegt in China bei über sieben Prozent.

In den nächsten fünf Jahren rechnet der Voestalpine-Chef dort mit anhaltend hohen Wachstumsraten, während die Entwicklung in Europa mau bleiben dürfte. „In Europa gehen wir davon aus, dass es im Laufe des Jahres 2014 zu einer gewissen leichten Erholung kommt“, sagte Eder. „Aber wir sollten nicht erwarten, dass es Wachstumsquoten von zwei Prozent oder mehr geben wird“, dämpfte er die Erwartungen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der Voestalpine-Chef, der seit kurzem auch Vizepräsident des Weltstahlverbandes ist, schlägt damit weit weniger optimistische Töne an als noch im Sommer. Aufgrund der Überkapazitäten im Markt erwartet Eder, dass die Stahlpreise auch im nächsten Jahr unter Druck bleiben, sagte er in der Vorwoche. Anfang Oktober kündigte er jedoch an, dass die europäischen Konzerne langsam davon profitierten, dass viele Kunden ihre Lager wieder auffüllten.

Die Voestalpine macht etwa zwei Drittel ihres Geschäftes in der renditestärkeren Weiterverarbeitung von Stahl zu Spezialprodukten - etwa zu Karosserieteilen für die deutschen Premiumautobauer, Bauteilen für die Luftfahrtbranche oder Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge. Das restliche Drittel entfällt auf das klassische Stahlgeschäft, das sich langfristig weiter auf ein Viertel reduzieren sollte. Aufgrund dieser Spezialisierung erzielen die Österreicher höhere Renditen als die Konkurrenz im krisenanfälligen Massengeschäft.

Den deutschen Branchenführer ThyssenKrupp oder Salzgitter macht die Krise weit mehr zu schaffen. Sie reagieren darauf unter anderem mit einem Stellenabbau. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2013/14 erwartet das österreichische Industrieunternehmen weiterhin einen operativen Gewinn auf dem Niveau des Vorjahres. „Wir gehen davon aus, dass wir ziemlich sicher beim Ebit bei den 850 Millionen Euro des Vorjahres liegen werden“, sagte Eder.

Von

rtr

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