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31.07.2015

12:40 Uhr

Stahlproduzent Arcelor-Mittal

Lakshmi Mittal glaubt wieder an Europa

VonMartin Wocher

Arcelor-Mittal rechnet mit einer sinkenden weltweiten Nachfrage nach Stahl. Das liegt vor allem am flauen Wachstum in China. Konzernchef Lakshmi Mittal glaubt aber, dass die Krise in Europa jetzt überwunden ist.

Der Chef des Stahlkonzerns glaubt daran, dass die Krise in Europa überwunden ist. AFP

Lakshmi Mittal

Der Chef des Stahlkonzerns glaubt daran, dass die Krise in Europa überwunden ist.

Brüssel/DüsseldorfAusgerechnet der seit Jahren vor sich hin dümpelnde europäische Stahlmarkt wird zum Hoffnungsträger des weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal. So schraubte der Konzern seine Wachstumsprognose deutlich auf bis zu 2,5 Prozent nach oben: „Das Ende der Griechenland-Krise, aber auch die günstigen Öl- und Gaspreise werden Europas wirtschaftliche Erholung voranbringen“, sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal am Freitag.

Das Anziehen der Nachfrage auf dem alten Kontinent werde die Schwäche in anderen Regionen ausgleichen. So erwartet Mittal für China und die USA einen leichten Rückgang der Bestellungen, weltweit geht der Konzern von einer Stagnation aus. Zuvor hatte Arcelor-Mittal noch mit einer Zunahme von 1,5 Prozent gerechnet.

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Ob Thyssen-Krupp oder Arcelor Mittal – für die Produzenten in Europa ist es immer schwerer, ihren Stahl zu verkaufen. Nun versuchen sie, das Material zu verändern – und seinen größten Nachteil zu kompensieren.

In China werde der Verbrauch nun aber wohl um bis zu einem Prozent zurückgehen und nicht wie zuvor erwartet um bis zu einem Prozent zulegen. Auch die Nachfrage in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion und in Brasilien entwickele sich schwächer. Arcelor-Mittal ist mit einem Anteil von sechs bis sieben Prozent größter Stahlhersteller der Welt.

Lange Jahre litt Europa unter den Folgen der Stahlkrise nach dem konjunkturellen Einbruch 2008. Viele Länder Südeuropas meldeten sich über Jahre als Kunden quasi ab. Dazu verschärften weltweite Überkapazitäten den Preisdruck, wachsende Importe aus China taten ein Übriges, eine schnelle Erholung der Branche zu bremsen. Doch viele Stahlhütten in Europa haben die Zeit genutzt, um ihre Kosten zu senken und effektiver zu produzieren. So steigen seit vergangenem Jahr die operativen Gewinne der europäischen Stahlkonzerne wieder an.

Das spürt auch Arcelor-Mittal: So stieg der operative Gewinn in seinem größten Markt Europa im zweiten Quartal auf 352 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es nur 245 Millionen Euro. Der Konzern betreibt allein in Deutschland vier Stahlwerke. Im Konzern schrumpfte dagegen im gleichen Zeitraum der operative Gewinn (Ebitda) um ein Fünftel auf 1,4 Milliarden Dollar. Ursache dafür waren aber die gesunkenen Eisenerzpreise und wachsende Importe aus China.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der Konzern ist zwar nicht besonders abhängig von dem Markt in China. Die Volksrepublik spielt aber weltweit für die Branche eine große Rolle. So wächst etwa für die europäische Stahlbranche der Druck durch Konkurrenten aus China, die wegen der Schwäche zu Hause ihre Exporte erhöhen.

Das Management bekräftigte aber seinen Ausblick, wonach im Gesamtjahr ein operativer Gewinn von sechs bis sieben Milliarden Dollar in den Büchern stehen wird. 2014 waren es 7,2 Milliarden Dollar. Der deutsche Branchenprimus Thyssen-Krupp legt am 13. August seine Quartalszahlen vor.

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