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15.11.2012

10:22 Uhr

Steinkohle-Bergbau

Das schwarze Gold hat Konjunktur

VonSebastian Ertinger, Tobias Döring

Der Steinkohle-Bergbau in Deutschland stirbt. Politik, Unternehmen und Experten basteln am sanften Auslaufen. Dabei erlebt der schwarze Energieträger in anderen Teilen der Welt einen glänzenden Aufschwung.

Ein Kohle-Arbeiter in China: In den Schwellenländern gewinnt der Energieträger an Bedeutung. Reuters

Ein Kohle-Arbeiter in China: In den Schwellenländern gewinnt der Energieträger an Bedeutung.

DüsseldorfIn immer mehr deutschen Kohlegruben ruht die Arbeit, die Lichter gehen aus. Das Ende der Ära ist nach dem Steinkohlekompromiss schon lange besiegelt. Dennoch will die Betreibergesellschaft des deutschen Steinkohlebergbaus RAG auch nach der Schließung der letzten Zeche Ende 2018 weiter existieren.

Sie werde dauerhaft Bergbauanlagen für Grubenwärme, Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen und möglicherweise Unter-Tage-Pumpspeicherkraftwerke nutzen, sagte RAG-Chef Bernd Tönjes in dieser Woche bei einem Kohle-Verbandstag in Essen. Zukunftsträume, die am Mittwoch aber einen herben Dämpfer vom Kooperationspartner RWE erhalten haben. Zumindest bleibt nach 2018 die Aufgabe der sogenannten Ewigkeitslasten, dem Abpumpen von Grubenwasser.

So steigt Deutschland aus dem Steinkohlebergbau aus

Steinkohlebergbau nur noch bis 2018

Der deutsche Steinkohlebergbau ist unter anderem wegen der großen Fördertiefen nur mit Milliardensubventionen möglich. Nach dem Deutschen Steinkohlekompromiss läuft der traditionsreiche Industriezweig deshalb Ende 2018 unwiderruflich aus.

Vier Fünftel heute schon Importkohle

Schon jetzt werden fast vier Fünftel der in Deutschland verbrauchten Steinkohle aus dem Ausland importiert. Eine ursprünglich vorgesehene Möglichkeit zum Überdenken des Ausstiegs wurde im Frühjahr 2011 vom Bundestag endgültig gekippt. Damit ist klar, dass ab 2019 keine einheimische Steinkohle mehr gefördert wird.

Sozialverträglicher Ausstieg

Betriebsbedingte Kündigungen wird es nach dem Steinkohlekompromiss nicht geben. Der Zechenkonzern RAG steuert den schrittweisen, sozialverträglichen Ausstieg unter anderem über Umschulungen, Vorruhestandsangebote und die interne Versetzung innerhalb der Zechen.

Versetzungen nach Ibbenbüren und an die Ruhr

So wurden und werden mit der Schließung des Saar-Bergbaus mehr als 1100 Bergleute nach Ibbenbüren am Rand von Nordrhein-Westfalen und an die Ruhr versetzt. Aktuell beschäftigt der deutsche Bergbau noch rund 15.000 Bergleute.

Nur noch vier Bergwerke

1957 waren es einmal mehr als 600.000 Menschen. Nach der Schließung des Saar-Bergwerks gibt es bundesweit neben Ibbenbüren nur noch drei Bergwerke.

Bottrop und Ibbenbüren bis 2018

Das Bergwerk West in Kamp-Lintfort (Niederrhein) schließt Ende 2012, Auguste Victoria (Marl) Ende 2015. Die volle Laufzeit bis Ende 2018 schöpfen nur Prosper-Haniel (Bottrop) und Ibbenbüren aus.

Doch während in Deutschland Politik, Unternehmen und Experten weiter darüber diskutieren, wie der Ausstieg aus der Kohle-Ära möglichst geschmeidig gestaltet wird, steht der schwarze Energieträger in anderen Staaten vor einer glorreichen Renaissance. Der weltweite Marktanteil der Kohle im Energie-Mix kletterte laut einer Studie des Ölkonzerns BP im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent.

Vor allem Schwellenländer wie China, Indien & Co. verbrauchten im vergangenen Jahr mehr Kohle. Besonders China verheizt deutlich mehr des Brennstoffs. Hier kletterte der Verbrauch 2011 um 9,7 Prozent, in Indien waren es 9,2 Prozent. Beide zusammen vereinten 98 Prozent des Netto-Mehrverbrauchs auf sich.

Auch die Kosten für den schwarzen Energieträger kletterten deutlich: „Der Jahresdurchschnittspreis stieg weltweit um 24 Prozent“, sagte BP-Chefvolkswirt Christof Rühl. Der BP-Studie zufolge stieg sogar in Europa die Kohleförderung um 2,6 Prozent: das erste Mal seit 1995.

Kommentare (4)

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vandale

15.11.2012, 10:25 Uhr

In einer modernen Stromversorgung werden umweltfreundliche Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke kontinuierlich mit voller Leistung gefahren. Das liegt daran, dass diese hohe Kapitalkosten und konkurrenzlos günstige Betriebskosten haben. Nachts wenn der Strombedarf gering ist,werden die Speicherkraftwerke mit preiswertem Nachtstrom gefüllt. Tags wenn der Strombedarf höher ist,werden Steinkohle und Erdgaskraftwerke hochgefahren. Lastspitzen werden dann durch Pumpspeicherkraftweke gedeckt. Ein derart gleichmässiger Tageszyklus erlaubt eine Auslastung von ca. 20%

Der Betrieb von Millionen umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen verändert dies vollständig. Es gibt sonnige Tage an denen der Strom mittags günstiger ist als nachts. Dann bleibt das Pumpspeicherkraftwerk mehrere Tage voll bis wieder Regenwetter aufkommt. Es gibt windreiche Stunden, Tage und Wochen. Das bedeuted wenn ein Speicherkraftwerk nach 6h mit Windstrom aufgeladen ist, kann es diesen erst nach Tagen verkaufen. Insgesamt ergibt sich ein sehr unregelmässiger Rythmus, eine schlechte Auslastung.

In der Konsequenz diskutiert man eine Stillegung von Pumpspeicherkraftwerken.

Da Speicherkraftwerke in einer nach ökoreligiösen Visionen betriebenen Stromversorgung notwendiger sind als in einer modernen Stromversorgung wird man die Pumpspeicherkraftwerke künftig höher vergüten müssen. Eine Religion ist halt nicht umsonst.

Vandale

vandale

15.11.2012, 10:30 Uhr

Kohle ist für die kommenden Jahrhunderte reichlich und preiswert verfügbar. Kohle ist seit Anfang letzten Jahrzehnts die Energiequelle mit den höchsten absoluten Zuwächsen. Lediglich in Nordamerika verhält sich dies aufgrund des dortigen Zusammenbruchs der Erdgaspreise anders.

Der Grund ist, dass der Erdölpreis nominal und real gestiegen ist.

Die Ökosaga einer CO2 Klimahölle spielt lediglich in Europa eine bestimmende Rolle. Die wirtschaftliche Bedeutung Europas nimmt jedoch aufgrund der Demographie und der Ökoreligion ab.

Vandale

Rumpelstilzchen

15.11.2012, 10:47 Uhr

@vandale
Von wem werden Sie eigentlich bezahlt? Von EON, EnBw, Vattenfall oder RWE?

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