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17.09.2014

18:05 Uhr

Steinkohleprojekt

Kraftwerk in Hamm wird für RWE zum Fiasko

ExklusivNicht nur Flughäfen brauchen manchmal länger, um fertig zu werden. Das muss nun auch RWE erfahren. Der Stromproduzent muss die Fertigstellung eines Kraftwerks auf unbestimmte Zeit verschieben.

Das Kraftwerk von RWE in Hamm: Die Fertigstellung wird noch auf sich warten lassen – wie lange, ist ungewiss. ap

Das Kraftwerk von RWE in Hamm: Die Fertigstellung wird noch auf sich warten lassen – wie lange, ist ungewiss.

DüsseldorfDer Essener Stromproduzent RWE erlebt bei einem Milliarden teuren Kraftwerksprojekt ein Debakel. Nach zahlreichen Pannen und jahrelangen Verzögerungen hat der Energiekonzern die Fertigstellung des Steinkohlekraftwerks in Hamm jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben, berichtet das Handelsblatt (Nachmittagsausgabe der Digitalzeitung). Die Investitionskosten haben sich schon jetzt von zwei Milliarden Euro auf mindestens 2,4 Milliarden Euro erhöht und könnten auf drei Milliarden Euro klettern, wie es in Kreisen der beteiligten Unternehmen heißt.

RWE hatte den Bau von zwei Kraftwerksblöcken mit einer Leistung von jeweils 800 Megawatt, die zusammen rund drei Millionen Haushalte mit Strom versorgen sollten, im August 2008 begonnen und wollte die Anlage 2012 in Betrieb nehmen. Nach diversen Pannen ist jetzt zwar endlich der erste Block am Netz, wann und ob der zweite Block in Betrieb geht, ist allerdings ungewiss. RWE informierte mittlerweile die Partner bei dem Projekt, 23 Stadtwerke, darüber, dass der zuletzt genannte Termin im Sommer 2015 nicht zu halten sei. Ein neuer Termin wurde nicht genannt. Kraftwerksbauer Alstom habe sein Sanierungskonzept zurückgezogen, hieß es.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Mit Alstom streitet RWE über Schadensersatz für die verspätete Inbetriebnahme. Auch die kommunalen Partner fprdern eine Entschädigung. „Wir sind mit RWE im Gespräch, wie wir mit der Situation umgehen“, sagte Peter Blatzheim, der Geschäftsführer der Stadtwerke Troisdorf und einer der Sprecher der kommunalen Gesellschafter, dem Handelsblatt.

Von

juf

Kommentare (4)

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Herr Wolfgang Trantow

17.09.2014, 18:58 Uhr

Wieder Experten!!!

Account gelöscht!

17.09.2014, 19:34 Uhr

Letztlich verschuldet auch diesen Fall die rechtswidrig handelnde Regierung mit ihren unzulässigen KKW-Abschaltungen mitsamt dem unerträglich dummerhaftigen EEG, welches die Deutschen und ihre Unternehmen am Ende Billionen kostet.
Nur die vom privaten Verbraucher zu zahlenden Subventionen lassen manch Unternehmen noch im Lande bleiben - für kurze Zeit aber nur.
Wegen der rechtswidrigen Abschaltungen der KKW muß der Steuerzahler außerdem insgesamt Billionen Euro Schadenersatz zahlen - zusprechende Urteile liegen dazu bereits vor.

Herr Hans Karpf

17.09.2014, 20:20 Uhr

RWE wollte auch sparen, und hat Teile des Kraftwerks in China fertigen lassen, genauso wie Krupp sein Pfusch Werk in Brasilien auch. Eigentlich sollte die beiden Kohlekraftwerke im Mai 2014 ans Netz gehen. Wenn das ganze jetzt über ein Jahr verschoben wurde, wurde da wohl massiv gepfuscht. Das wird teuer für RWE.

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