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29.12.2014

07:58 Uhr

Stellenabbau bei RAG

Keine Kohle für 2000 Stellen

Rund 2000 Mitarbeiter müssen den Kohlekonzern RAG im kommenden Jahr verlassen. Damit reagiert das Unternehmen auf die sinkende deutsche Steinkohleförderung. Auch eine weitere Zeche muss 2015 schließen.

Der Kohlekonzern RAG baut 2000 Stellen ab. dpa

Der Kohlekonzern RAG baut 2000 Stellen ab.

HerneDie deutsche Steinkohleförderung schrumpft im neuen Jahr weiter. 2015 würden weitere rund 2000 Stellen im Kohlekonzern RAG abgebaut, teilte das Unternehmen mit. Die Personalstand sinke damit von gut 10.000 Ende 2014 auf gut 8000. Ende 2015 schließt die RAG die Zeche Auguste Victoria in Marl im Norden des Ruhrgebietes.

Deutschlands Steinkohle stirbt langsam - und fast ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Rund 3000 gut bezahlte Industriearbeitsplätze im Kohlekonzern RAG sind bereits 2014 weggefallen. Proteste und Demonstrationen Fehlanzeige. Der defizitäre Steinkohleabbau in Deutschland wird nach einem Gesetz aus dem Jahr 2007 schrittweise und sozialverträglich beendet.

Dann bleiben nur noch zwei Bergwerke in Bottrop und Ibbenbüren am Rand des Münsterlandes übrig. Die schwarzen Fahnen, mit denen die Kumpel einst erbittert um ihre Jobs kämpften, sind längst eingerollt. „Wir verabschieden uns mit Stolz auf unsere erbrachten Leistungen, aber ebenso mit großer Wehmut“, sagt RAG-Chef Bernd Tönjes.

Das ist die RAG-Stiftung

Gegründet 2007

Die 2007 gegründete RAG-Stiftung ist Mehrheitseigentümerin des Spezialchemiekonzerns Evonik. Sie steuert den schrittweisen und für die Mitarbeiter sozialverträglichen Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau.

Erträge für Ewigkeitslasten

Die Stiftung erwirtschaftet aus Evonik-Dividenden und einem geplanten Börsengang des Unternehmens Erträge für die sogenannten Ewigkeitslasten der Kohleförderung. Dabei geht es vor allem um das dauerhafte Abpumpen von Wasser aus den mehreren tausend Stollen unter dem Ruhr- und Saargebiet.

Milliarden-Kapitalstock

Nach aktuellen Berechnungen ist dafür ein Vermögen von 12,4 Milliarden Euro als Kapitalstock erforderlich. Sollte es nicht gelingen, dieses Vermögen bis zum Kohleausstieg Ende 2018 aufzubauen, müsste die öffentliche Hand einspringen. Sitz der Stiftung ist Essen.

Kulturförderung als weitere Aufgabe

Weitere Aufgabe der Stiftung ist die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur an Ruhr und Saar, soweit diese in Zusammenhang mit dem deutschen Steinkohlenbergbau steht. Diese Förderung ist laut Satzung aber klar nachrangig gegenüber der Abdeckung der Ewigkeitslasten. Der Etat für Kulturförderung beträgt nur rund eine Million Euro jährlich.

2007 hatte der Bundestag einen Fahrplan für den Ausstieg aus der defizitären Steinkohle bis Ende 2018 festgeschrieben. Die zunächst noch vorgesehene letzte Überprüfung des Beschlusses wurde 2011 gestrichen. Das mühsame Fördern in mehr als 1000 Metern Tiefe in den deutschen Bergwerken lohnt sich einfach nicht mehr, wenn etwa in Australien 30 Meter dicke Flöze mit dem Schaufelradbagger im Tagebau gewonnen werden können.

2014 wurden nur noch 14 Prozent der in Deutschland verbrauchten Steinkohle im Land abgebaut - der Rest kommt als Import teils vom anderen Ende der Welt und ist dennoch deutlich preiswerter. Im Jahr 2000 hatten die Kumpel noch mehr als die Hälfte des deutschen Verbrauchs selbst gefördert.

2005 waren noch mehr als 38 000 Menschen im deutschen Steinkohlenbergbau an der Ruhr und an der Saar beschäftigt, aktuell liegt die Zahl bei gut 10 000, Ende 2015 sollen es nur noch gut 8000 sein.

Kommentare (1)

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Herr Peter Noack

29.12.2014, 09:40 Uhr

Da wird die Wirtschaft in NRW nur so brummen, wenn nach Opel Bochum noch tausende aus der Kohle ausscheiden. Die Steuereinnahmen sprudeln kräftig.

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