Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2014

16:12 Uhr

Strauchelnder Konzern

Umsatzprognose von Solarworld steht auf der Kippe

Wegen der schwachen Nachfrage stellt Solarworld sein Umsatzziel infrage. Doch Firmenchef Frank Asbeck gibt sich trotzdem kämpferisch – und spricht sogar von einem Gewinn.

Die Sanierung von Solarworld kommt offenbar nicht richtig in Schwung. Die Umsatzprognose steht vorerst auf der Kippe. dpa

Die Sanierung von Solarworld kommt offenbar nicht richtig in Schwung. Die Umsatzprognose steht vorerst auf der Kippe.

DüsseldorfSolarworld-Chef Frank Asbeck muss mitten in der Sanierung seines Unternehmens einen neuen Rückschlag hinnehmen. Das Unternehmen versah am Montag sein Umsatzziel für 2014 von über 680 Millionen Euro mit einem dicken Fragezeichen. Als Grund für die Prognoseänderung nannte der Firmengründer und Großaktionär vor allem die schwache Nachfrage nach kompletten Solaranlagen in Deutschland. Solarworld verfüge zwar über einen hohen Auftragsbestand und verzeichne international einen dynamischen Auftragseingang, so dass der Absatz sicher wie geplant steigen werde. Sollten sich die Bestellungen aber wie im bisherigen Jahresverlauf weiter Richtung Modulliefergeschäft verschieben, werde das Umsatzziel wohl verfehlt.

Asbeck bekräftigte, ohne Sondereffekte und Wertberichtigungen werde 2014 ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) angepeilt. Inklusive der Sondereffekte erwartet Solarworld ein positives Jahresergebnis in dreistelliger Millionenhöhe.

Der Sanierungsplan von Solarworld

Schuldenschnitt

Kernpunkte sind ein Schuldenschnitt und eine erhebliche Abwertung der Aktien im Verhältnis 1:20. Der Anteil des Gründers Frank Asbeck schrumpft beispielsweise dadurch von 28 auf 1,4 Prozent.

Neue Aktien

Gleichzeitig werden 55 Prozent der Schulden in neue Aktien umgewandelt. Außerdem steigt Qatar Solar als neuer Großinvestor mit einem Anteilspaket ein. Asbeck erwirbt für 10 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen neue Anteile.

Neue Verhältnisse

Falls die Gremien zustimmen, sehen die Eigentümerverhältnisse dann so aus: 5 Prozent Alt-Aktionäre, davon 1,4 Prozent Asbeck Altbestand 19,5 Prozent Asbeck neu dazugekauft 29 Prozent Qatar 46,5 Prozent Neu-Aktionäre - ehemalige Gläubiger

Aufsichtsrat

An der Spitze des Aufsichtsrates soll künftig ein Vertreter der Gläubiger stehen.

Getrieben von einer hohen Nachfrage nach Solarmodulen - vor allem in den USA, Großbritannien und Frankreich - stieg der Absatz in den ersten sechs Monaten um 53 Prozent auf 357 Megawatt (MW). Der Konzernumsatz kletterte um 13 Prozent auf 228 (H1 2013: 201) Millionen Euro und lag den Angaben zufolge damit wegen der Verlagerung im Produktmix leicht unter den Firmenerwartungen. Bereinigt um Sondereffekte verbuchte der Konzern ein Ebitda von einer Million Euro nach einem Verlust von 37 Millionen Euro vor Jahresfrist. Inklusive der Sondereffekte etwa aus der finanziellen Restrukturierung und der Erstbilanzierung der Vermögenswerte der Bosch Solar Energy AG erreichte das Ebitda 101 Millionen Euro.

Asbeck hatte 2013 eine Umschuldung eingeleitet, nachdem sich bei dem Bonner Konzern über eine Milliarde Euro Schulden angehäuft hatten und das Grundkapital aufgezehrt war. Daneben sorgte die Konkurrenz aus Asien für einen ruinösen Preiskampf und der Absatz brach infolge der gekürzten staatlichen Fördersätze in Deutschland und anderen Ländern ein. Nach der Restrukturierung und den Kapitalmaßnahmen sitzt der Konzern noch auf Finanzschulden von rund 470 Millionen Euro.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×